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Dr. Markus Rösler

GRÜNE 08.03.2023 Sitzungen 17/59

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute sprechen wir nicht zum ersten Mal über ein Tier, dessen mediale Bedeutung deutlich größer ist als seine ökologische Bedeutung: den Wolf. Wir sprechen damit automatisch auch über Weidetiere. Daher möchte ich gleich zu Beginn betonen – ich spreche ganz sicher für Grüne und für CDU gemeinsam; ich vermute sogar, für alle Fraktionen hier im Hohen Haus –: Wir danken allen Weidetierhalterinnen und allen Weidetierhaltern für ihre anspruchsvolle und wichtige Arbeit. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP/DVP sowie Abgeordneten der AfD – Abg. Udo Stein AfD: Schützen Sie auch ihr Eigentum?) Wir haben daher damals gemeinsam mit der SPD und anschließend mit den Kolleginnen und Kollegen der CDU die Zahlungen für die Bewirtschaftung von Grünland für die Weidetierhaltung so deutlich erhöht, dass uns altgediente Schäferinnen und Schäfer mitteilen: „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich aufgrund der öffentlichen Hand deutlich mehr Geld in meinem Geldbeutel.“ Dieser Weg ist richtig, und diesen Weg wollen wir weiter gehen – seitens der Grünen und seitens der CDU, gemeinsam. (Beifall bei den Grünen) (Dr. Markus Rösler) Das gilt für alle Weidetierhalter, selbstverständlich auch für diejenigen, die bei Rindern und Pferden mit dabei sind. Nun zum Wolf: In Deutschland gibt es derzeit 161 Rudel. Das sind mit 43 Paaren und einigen Einzeltieren über 400 Alttiere. Sachsen hat inzwischen seit über 20 Jahren Erfahrung mit Rudeln, mit Management, mit vielen durchaus auch interessanten ökologischen Fragestellungen zur wirklich überraschend schnellen Ausbreitung längs der Elbe bis Niedersachsen an die Nordseeküste auf der einen Seite, während die Ausbreitung innerhalb Sachsens sehr langsam verläuft und in Westsachsen bis heute fast keine Wolfsrudel vorkommen. Auch im dünn besiedelten und sehr waldreichen Thüringen gab es 2020 ein erstes Rudel. Stand März 2023 gibt es dort zwei Rudel. Kurzum: Das zeigt beim Blick über den Tellerrand von Baden-Württemberg, dass auch wir Ökologen nicht wissen, wo sich der Wolf schnell und wo er sich langsam ausbreitet. (Zuruf des Abg. Dr. Rainer Podeswa AfD) Neben dem Schutz des Wolfes ist ohne Frage der Schutz vor dem Wolf von Bedeutung. Sollte es bei uns in Baden-Württemberg dazu kommen, dass ein Wolf verhaltensauffällig wird, dann gilt – auch da sind wir uns bei den Grünen und der CDU völlig einig; Kollege Hailfinger wird nach mir sprechen –, dass ein Wolf so schnell wie möglich und damit auch mit so wenig Bürokratie wie möglich abgeschossen werden muss. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Wir Grünen haben übrigens nie etwas anderes gesagt. Der erste amtliche Abschuss in Deutschland wurde in Niedersachsen von einem grünen Minister beauftragt. Wir werden unsere Regelungen im Wolfsmanagement immer prüfen und bei Bedarf anpassen. Dabei werden wir natürlich auch den Blick über den Tellerrand werfen – beispielsweise wieder nach Sachsen. Dort wurde nämlich der Wolf 2012 auch ins Jagdrecht überführt. Nach sieben Jahren Erfahrung wurden dort allerdings 2019 unter Führung der CDU die Zuständigkeiten wieder geändert. Im gesamten Wolfsmanagement – auch bei Abschüssen – gilt wieder ausschließlich das Naturschutzrecht. Zu Recht haben die Rinderhalterinnen und Rinderhalter im Südschwarzwald besondere Sorgen. Ein Wolf hat sich dort mehrfach an Rindern vergriffen. Gerade wir Grünen mit einer engagierten Altbäuerin mit Rinderhaltung in der Fraktion – ich meine Abg. Martina Braun in der Fraktion und nicht die Rinder in der Fraktion – (Heiterkeit bei den Grünen) sind ständig up to date. Wir wissen, wovon wir sprechen, Tag für Tag. Da sei der Hinweis erlaubt, dass Wölfe zwar selten, aber eben doch auch an Rinder gehen. Das ist weder überraschend noch wolfsuntypisch. Auch in Brandenburg und in Niedersachsen kam das vor. Wer sich mit Wölfen beschäftigt, weiß: In Skandinavien und in Kanada gehen Wölfe auch an Elche – selten, aber doch. (Abg. Udo Stein AfD: Davon haben wir hier ja so vie- le!) periode – 59. Sitzung – Mittwoch, 8. März 2023 Elche sind nun mal noch deutlich größer als Kühe oder Pferde. Jetzt wissen wir alle: Elche sind bei uns auf der Daimler-Teststrecke häufiger als in der freien Wildbahn anzutreffen. Elche betreffen uns also nicht direkt, im Gegensatz zu Mecklenburg-Vorpommern oder Schweden. Es ist aber nicht überraschend und auch nicht wolfsuntypisch, wenn Wölfe, die durchschnittlich zu 98 % an Wildtiere gehen, bei den Nutztieren auch mal an größere Kaliber wie an Rinder gehen. Da ist allerdings Handlungsbedarf, und wir handeln schnell, aber nicht wie im Antrag der FDP/DVP, den wir als nicht sachgerecht und – ich zitiere meinen Kollegen Herrn Hahn – als populistisch ablehnen. Vielmehr handeln wir praxisnah und vor Ort. Letzten Freitag haben der BLHV, die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind und der Naturpark Schwarzwald ein Projekt und Bündnis für Herdenschutz gestartet. Baden-Württemberg ist damit das erste Bundesland, das zum Thema „Weiderinder und Herdenschutz“ tätig wird. Das ist vorbildlich. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Unser großer Dank geht daher abschließend an das finanzierende Umweltministerium mit Umweltministerin Thekla Walker, an die genannten Organisationen und insbesondere an die zehn Rinderhalter, die sich an diesem Projekt beteiligen. Damit zeigen wir Grünen und die CDU gemeinsam: Wir übernehmen gemeinsam die Verantwortung für den Wolf und die Weidetiere. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und der CDU)

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