Alena Trauschel
Danke schön, Frau Präsidentin. – Wohin dieses Quotendenken führt, sieht man deutlich in den USA. Dort gibt es unter dem Stichwort „Affirmative Action“ allerlei Quoten, z. B. für den Hochschulzugang. Keine Ethnie soll zu stark über- oder unterrepräsentiert sein. Die Anforderungen werden entsprechend hoch- oder runtergeschraubt. Dies wird im Zweifel mit dem Ausgleich historischer Ungleichbehandlung begründet. periode – 59. Sitzung – Mittwoch, 8. März 2023 Im Ergebnis ist es aber heute so, dass asiatischstämmige junge Menschen es durch die Affirmative Action deutlich schwerer haben, an einer guten Universität zugelassen zu werden, als Menschen aller anderen Ethnien. Es gibt einfach in der Quotendenke einen zu hohen Anteil an schulisch erfolgreichen asiatischstämmigen Amerikanern. – Sie sehen: Die Verpflichtung zur Diversität bedeutet, dass Ethnie auf einmal ein entscheidendes Kriterium wird, statt in den Hintergrund zu rücken. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat in diesem Zusammenhang auf die Parallele zur Diskriminierung jüdischer Studierender an der Universität Harvard in den 1920ern hingewiesen, die damals ebenfalls überrepräsentiert gewesen waren. Nach der Überarbeitung des Zulassungsprozesses ging ihr Anteil deutlich zurück. Die Nachfahren japanischstämmiger Insassen von Internierungslagern, chinesischstämmiger Eisenbahnarbeiter und vietnamesischer Geflüchteter werden im Namen der Gleichstellung benachteiligt. Spätestens an dieser Stelle müsste es der politischen Linken dämmern, dass das Quotendenken selbst diskriminierend ist, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD) Vielleicht muss man auch einfach mal akzeptieren, dass die Präferenzen von Frauen und Männern im Durchschnitt unterschiedlich sind. Das gilt übrigens auch im Berufsleben. (Vereinzelt Beifall bei der AfD) Gestern war Equal Pay Day – basierend auf der Aussage, dass Frauen im Schnitt 21 % weniger Gehalt bekommen als Männer. Auch da muss man sich ganz genau anschauen: Was ist die Folge staatlicher Rahmenbedingungen, was die Folge von Diskriminierung und was die Folge von individuellen Entscheidungen? (Abg. Anton Baron AfD: So sieht es aus!) Denn bevor man ruft „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“, muss man sich erst einmal die Frage stellen: Was ist gleiche Arbeit? (Abg. Anton Baron AfD: So ist es!) Beispielsweise ist allgemein bekannt, dass man in einem Sozialberuf im Schnitt später weniger Gehalt bekommt als in einem Beruf im MINT-Bereich. Jeder kann dann selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist: die berufliche Erfüllung, mit Menschen zu arbeiten, oder ein hoher Monatslohn. Dass sich trotzdem mehr Frauen für soziale Berufe entscheiden, hängt u. a. vielleicht auch damit zusammen, dass wir mehr Freiheiten haben. Auf Männern liegt oftmals noch der Druck, ordentlich Geld zu verdienen, um eine Familie ernähren zu können. (Abg. Anton Baron AfD: Sehr richtig! – Zuruf der Abg. Isabell Huber CDU) Ein geringer Verdienst ist für heterosexuelle Männer ein substanzieller Nachteil bei der Partnersuche. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Abg. Isabell Hu- ber CDU: In welchem Jahrhundert leben Sie?) (Alena Trauschel) Ein Kulturwandel wird nur Schritt für Schritt gelingen. (Abg. Anton Baron AfD: Sehr richtig!) Dafür brauchen wir eine gezielte Ansprache von Mädchen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – schon bei der frühkindlichen Bildung –, (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD) flexible Arbeitszeitmodelle, Möglichkeiten für Jobsharing und Führen im Tandem. (Zurufe der Abg. Isabell Huber CDU und Petra Krebs GRÜNE) Dabei kann übrigens der öffentliche Dienst mit gutem Beispiel vorangehen, liebe Landesregierung. Nachdem ich eben gesehen habe, dass die AfD hier schon meine Rede lobt, (Heiterkeit bei der AfD – Zuruf der Abg. Isabell Hu- ber CDU) möchte ich dazu ein paar Worte verlieren. (Vereinzelt Beifall) Die AfD hängt einem reaktionären Frauenbild nach, nach dem sich Frauen ausschließlich um Familie und Kinderkriegen kümmern sollen. (Beifall bei der FDP/DVP – Oh-Rufe von der AfD – Zuruf der Abg. Isabell Huber CDU) Nicht ohne Grund haben Sie im Bundestagswahlkampf 2017 plakatiert: „Neue Deutsche? Machen wir selber.“ (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Sehr gut!) – Ja; den Zahn ziehe ich Ihnen noch, keine Sorge. – Auf dem Plakat war eine hellhäutige schwangere Frau abgebildet. (Zuruf von der AfD) Sie haben nur eines vergessen: ein bisschen Hintergrundrecherche. Denn die abgebildete Frau ist eigentlich Russin und nicht Deutsche. (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: Wir sind halt multikulti!) Aber das passt ja ins Bild bei der AfD. Denn die verwechselt ja auch öfter mal russische Interessen mit deutschen Interessen. (Beifall bei der FDP/DVP) Selbst wenn wir jetzt mal die offensichtlich rassistischen „Blut und Boden“-Untertöne ignorieren, (Lachen bei der AfD) suggerieren Sie ja, wir könnten die Bevölkerungszahl auch ohne Zuwanderung halten. (Zuruf des Abg. Miguel Klauß AfD) eriode – 59. Sitzung – Mittwoch, 8. März 2023 Denn an einer sinkenden Bevölkerungszahl kann angesichts unseres Rentensystems und des Fachkräftemangels ja niemand ein Interesse haben. (Zuruf der Abg. Petra Krebs GRÜNE) Knapp 60 Jahre nach dem Einsetzen des Pillenknicks haben wir jetzt aber ein halbes Jahrhundert hinter uns, in dem die Geburtenraten dauerhaft niedriger waren als die Sterberaten. (Abg. Anton Baron AfD: Ja, woran liegt das?) Laut Statistischem Bundesamt würde ohne Nettozuwanderung das Erwerbspersonenpotenzial bis 2035 um etwa acht Millionen Menschen schrumpfen, also dann, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge der Neunziger- und der Nullerjahre im gebärfähigen Alter sind. (Unruhe bei der AfD)
