Stefanie Seemann
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit Jahren geht es nun schon Schlag auf Schlag: Eine globale Krise jagt die andere. Jede von ihnen birgt Risiken und Folgen, die sich auf die Lebensrealität von Frauen in aller Regel anders auswirken als auf die von Männern. Wir Grünen sehen uns hier in der politischen Verantwortung. Seit mehr als vier Jahrzehnten setzen wir uns für die Stärkung von Frauen und ihrer Rechte ein. Wir steigern damit auch die Resilienz von Frauen in Krisenzeiten. Die drei großen Themen unserer Zeit sind die Klimakrise, die Covid-19-Pandemie sowie die Flucht- und Migrationskrise. Schauen wir zuerst auf die Klimakrise, die grundlegende Herausforderung unserer Zeit. Wir Grünen stehen für eine starke Klimapolitik. Wir setzen uns für eine schnelle Umstellung auf erneuerbare Energien, für Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität ein, und wir werden nicht müde, die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit und einer gerechten Verteilung von Klimaschutzmaßnahmen zu betonen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) (Stefanie Seemann) „Gerecht“ bedeutet insbesondere geschlechtergerecht. Denn die globalen Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen sind komplex und vielschichtig. Beispielhaft dafür nenne ich drei Punkte. Erstens: die Arbeitsbedingungen. In vielen Berufen, die von den Auswirkungen der Klimakrise, etwa von Dürren und Fluten, betroffen sind, arbeiten mehr Frauen als Männer. Für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser sind in vielen Ländern Frauen zuständig. Sie unterliegen damit einem höheren Druck bei Missernten und Klimaereignissen. Zweitens: die Bildungschancen. Wenn die Familien gezwungen sind, aufgrund klimabedingter Krisen ihre Kinder aus der Schule zu nehmen, trifft es oft zuallererst die Mädchen, die im Durchschnitt ohnehin einen schlechteren Zugang zu Bildung haben als Jungen. Und drittens: die Klimamigration. Durch die höhere Gefährdung im Falle von Konflikten und auf Fluchtrouten sind Frauen von der Klimakrise deutlich stärker betroffen als Männer. Bleiben Frauen zurück, steigt das Risiko, dass sie fortan vermehrt Armut und Gewalt ausgesetzt sind. Diese drei Aspekte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus einer langen Liste von Faktoren, die dazu beitragen, dass sich die Klimakrise auf Frauen anders auswirkt als auf Männer. Deshalb ist es so wichtig, bei der Planung von Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels auch geschlechtsspezifische Risikofaktoren und Folgen zu berücksichtigen. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) Uns Grünen sind ein paar Punkte besonders wichtig, die ich hier nennen will. Wir wollen die Stärkung von Frauen als Umweltschützerinnen. Frauen sind oft am stärksten von Umweltzerstörung betroffen, doch gleichzeitig können sie eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz spielen, indem sie etwa auf lokaler Ebene ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen. Wir wollen eine Steigerung des Bewusstseins für die Geschlechterdimension des Klimawandels. Frauen sind oft anfälliger für die Auswirkungen von Naturkatastrophen, weil sie keinen ausreichenden Zugang zu Wasser, Land oder Brennmaterial haben. Indem wir geschlechtsspezifische Faktoren wie diese bewusst in den Blick nehmen, können wir langfristig eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Chancen erzielen. Wir wollen auch die Schaffung von mehr grünen Arbeitsplätzen für Frauen. Die Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaft erfordert neue Fähigkeiten, Prozesse und Technologien. Indem wir Frauen gezielt in diese Entwicklung einbeziehen, können wir einerseits die geschlechtergerechte Verteilung von Arbeitsplätzen vorantreiben und andererseits Frauen bei der Gründung innovativer Unternehmen und Projekte unterstützen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Beifall bei der SPD) Für uns ist klar: Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz können und müssen Hand in Hand gehen. Wussten Sie z. B., eriode – 59. Sitzung – Mittwoch, 8. März 2023 dass eine Erhöhung des Frauenanteils in nationalen Parlamenten um 10 % zu einem Rückgang von 0,24 t CO pro Kopf und Jahr führen kann, wie auf der Seite des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nachzulesen ist? Das liegt daran, dass Frauen häufig einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz legen. (Abg. Anton Baron AfD: Das halte ich aber für ein Gerücht! – Unruhe)
