Dr. Rainer Balzer
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Kollegen Abgeordnete! Sie haben mich im wahrsten Sinn des Wortes sprachlos gemacht. (Zuruf von der SPD) Es müsste doch jedem auffallen, wenn man streng Damenund-Herren-Formen verwendet – weibliche, männliche –, dass man dann Transmenschen ausschließt. Das müsste eigentlich jeder bemerken, der nur ein bisschen nachdenkt. Ich frage mich an dieser Stelle, wo überhaupt das Problem liegt. Ist das wirklich wichtig? Wir haben es hier mit der Bedeutung und der Rolle der Sprache zu tun. Zwei Drittel der Bevölkerung lehnen – jedenfalls nach meiner Kenntnis – diese Änderungen und diese Ideen ab. (Beifall bei der AfD – Abg. Udo Stein AfD: Auch der Ministerpräsident!) Sprache ist, wie der Name schon sagt, das gesprochene Wort. Der Ursprung von Sprache ist immer die gesprochene Sprache. Auch die Schriftsprache ist eine im Nachhinein verschriftlichte Sprache. Wenn ich Ratgeber zur gendersensiblen Sprache lese, komme ich mir vor, wie wenn ich mir Karikaturen im „Micky Maus“-Heft anschaue. „Sehr geehrte Damen und Herren“ will man ersetzen durch ein schlichtes „Hallo“. Das hat doch mit Sprache nichts zu tun, das hat mit kulturellem Niveau zu tun, sonst mit nichts. (Beifall bei der AfD) Die gesamte Debatte um weibliche oder männliche Formen oder um Genderformen hat ihren Ursprung eigentlich in einer Unterstellung: in der Unterstellung, dass weibliche Vertreterinnen in der Anrede nicht mit eingeschlossen sind. Ich habe es schon hundertmal gesagt: Das ist erstens boshaft und zweitens dumm. Wenn ich zu einem Arzt gehe, möchte ich zu einer Person gehen, die auf diesem Gebiet kompetent ist. Welches Geschlecht sie hat, ist mir an dieser Stelle vollkommen wurst. Das ist mir das Wichtigste in diesem Zusammenhang. (Beifall bei der AfD) Das stört mich bei diesem Thema, und das stört die Kommunikation. Die Ursachen sind höchst unterschiedlich. Der Redner, der das generische Maskulinum verwendet, geht davon aus, dass er alle Menschen inkludiert, und zwar egal, welche private sexuelle oder sonstige Orientierung sie haben. Wenn der Zuhörer – oder in diesem Fall eher die Zuhörerin – meint, sich nicht angesprochen zu fühlen, weil sie den Plural im Maskulinum übersieht, ist das vielleicht ein Problem fehlender Aufmerksamkeit. (Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD) Aber im Grunde genommen ist das eine Unterstellung. Diese Sache lässt sich behördlicherseits relativ leicht verändern, indem man in allen amtlichen Schreiben definitorisch erklärt, dass durch die Form des generischen Maskulinums alle Menschen, gleich, welchen Geschlechts, gleich, welcher (Dr. Rainer Balzer) sexuellen Orientierung – ich betone noch einmal, dass das im Grunde genommen Privatsache ist –, eingeschlossen und angesprochen sind. Diese Definition würde sehr wenig Zeit kosten, wenig Geld kosten und wenig Mühe kosten. Warum wird das nicht gemacht? Ganz einfach: Möglicherweise hätten dann – das ist jetzt eine bösartige Unterstellung – alle Frauenbeauftragten, die Gleichstellungsbeauftragten und die Genderbeauftragten drei Viertel ihres Beschäftigungsverhältnisses oder ihrer Tätigkeit verloren, und sie könnten dann nicht mehr darüber streiten, ob das Binnen-I oder das Sternchen oder der Unterstrich der Erneuerung des Bewusstseins und dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen. (Vereinzelt Beifall bei der AfD – Zuruf von der SPD) Mir scheint das Ganze sehr künstlich zu sein. (Abg. Daniel Lindenschmid AfD zu den Grünen: Das ist sogar Ihrer Fraktion peinlich!) Männlich und weiblich durchzieht als Dualität unsere Sprache. Das Denken ist möglicherweise auch davon geprägt. Aber was bringt es wirklich, wenn wir auf das Verb gehen, wenn wir „Studierende“ statt „Studenten“ sagen? Dann müssten wir, wenn der Student schläft, „Ruhende“ oder „Schlafende“ sagen. (Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD) Auch der Arbeiter ist nicht immer ein „Arbeitender“. Er ist manchmal ein „Ferienmachender“ oder ein „Mittagessender“ – unter Umständen sogar während der Arbeitszeit. (Heiterkeit des Abg. Anton Baron AfD) Hier richtet die Politik, die Sie machen wollen, mehr Schaden an als die Krankheit, die Sie angeblich heilen wollen. (Beifall bei der AfD – Zurufe von der AfD: Bravo! – Sehr gut! – Klare Worte!) Und an dieser Stelle: Wenn das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung wirklich so irrelevant ist, wie Sie es immer gern darstellen – so irrelevant für die berufliche Leistung, den beruflichen Aufstieg oder das Ansehen oder alles andere –, warum muss man das Geschlecht dann bei den Anreden und im sonstigen Sprachgebrauch immer so betonend in den Vordergrund stellen? Das ist mal eine Frage zum Nachdenken. Eine Anmerkung sei mir noch gestattet. Beachten Sie mal die Aussprache vieler Kollegen und Kolleginnen hier in diesem Saal. Wie oft hört man denn eigentlich nur noch „Kollegen und Kollegen“, weil der Rest verschluckt wird? Dieser bescheuerte Knacklaut in der „Tagesschau“ oder im Fernsehen – – (Vereinzelt Heiterkeit und Beifall bei der AfD) Ich frage Sie wirklich: Meint jemand ernsthaft, das sei ein kultureller Fortschritt, was Sie hier anbieten? Sie lachen mit Recht. Das ist nämlich lächerlich, was Sie hier machen. (Beifall bei der AfD) Deshalb zum Schluss drei Punkte: Wir lehnen diese Genderverrenkungen komplett ab. Es vergewaltigt eine lebendige, wachsende, klare Sprache. iode – 56. Sitzung – Mittwoch, 1. Februar 2023 (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Sehr gut! – Zuruf des Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE) Es ist der Versuch, behördlichen Einfluss, autoritären Einfluss auf die Alltagssprache zu nehmen. Das erinnert an dunkle, autoritäre Diktaturen, und es unterstellt von vornherein allen anderen, die diesen Quatsch nicht mitmachen wollen, unlautere Absichten. Das ist eine Unverschämtheit. Danke. (Beifall bei der AfD – Zurufe von der AfD: Genau! – Sehr gut!)
