Petra Krebs und Cindy Holmberg
Ihr seid auch alle Männer!) Das ist in vielen sozialpsychologischen Experimenten und Untersuchungen nachgewiesen. Bei der Verständlichkeit kommt es in erster Linie auf die Qualität des Textes an, auf kurze Sätze, auf eine klare und aktive Sprache. Und die FDP/DVP gibt uns mit dem Titel dieser Aktuellen Debatte ein sehr anschauliches Negativbeispiel. Ich zitiere noch mal diesen wohlklingenden Titel: Rolle der Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung hinsichtlich des Amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung hinsichtlich der anwendungsbezogenen Empfehlungen und/oder Richtlinien zur Nutzung der deutschen Sprache in Landesbehörden und Ministerien (Oliver Hildenbrand) Hier gibt es zwar weit und breit kein Gendersternchen, aber von einer Sternstunde der Verständlichkeit kann ja wohl auch keine Rede sein. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD) Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung erkennt übrigens ganz ausdrücklich an, dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll. Er weist darauf hin – ich zitiere –: Dies ist ... eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln ... gelöst werden kann. Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn es ist in der Tat eine politische Frage. Wollen wir, dass die Kommunikation von Landesbehörden alle Menschen gleichermaßen anspricht, mitnimmt und erreicht? Ich finde Ja, und dann kommt es eben auf eine klare Haltung im Denken und im Handeln und gern auch im Schreiben und im Sprechen an. Warum denn nicht? (Beifall bei den Grünen) In dieser Debatte ist auch immer wieder zu hören, Sprache könne man nicht von oben verordnen. In der Tat: Sprache verändert sich von unten. Sprache verändert sich, weil sich unsere Gesellschaft verändert. Genau das passiert aus meiner Sicht auch beim Gendern. Immer mehr Menschen, insbesondere junge Menschen nutzen geschlechtergerechte Formulierungen ganz bewusst, um mehr als zwei Geschlechter anzusprechen. (Zuruf von der AfD: Das ist Unsinn!) Dahinter steht ein Bewusstsein für geschlechtliche Vielfalt (Zuruf von der AfD: Woher nehmen Sie die Zahlen?) und ein Bemühen um Anerkennung und Respekt. Deshalb finde ich, es reicht nicht, bei diesem Thema allein auf das Regelwerk der deutschen Sprache zu verweisen. Denn auch Regelwerke sind doch dazu da, herausgefordert, diskutiert und auch immer wieder einmal angepasst und verändert zu werden. Wir trauen den Menschen in den Schulen und Hochschulen, in den Behörden und Verwaltungen in unserem Land zu, dass sie reflektiert, dass sie kompetent, dass sie eigenverantwortlich mit unserer Sprache umgehen können. Deshalb werden wir den vorliegenden Antrag und das darin geforderte Verbot der geschlechtergerechten Sprache ablehnen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und der SPD)
