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Katrin Steinhülb-Joos

SPD 25.01.2023 Sitzungen 17/55

Sie, liebe FDP, wollen zu­ rück in die Vergangenheit und hängen an einer überholten Vor­ stellung. Sie öffnen mit diesen Ansichten nicht Wege für Kin­ der, sondern Sie bieten ihnen Röhren an, in welchen die Kin­ der stecken bleiben können. Sie klammern sich an eine Studie, die von zahlreichen Wis­ senschaftlern widerlegt wurde und sogar selbst Einschränkun­ gen vornimmt gegenüber den veröffentlichten Ergebnissen. Ich bedanke mich an dieser Stelle explizit beim Kultusminis­ terium dafür, dass es in seiner Stellungnahme ausführlich da­ rauf eingegangen ist. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Dem Antrag der FDP/DVP-Fraktion liegen einige Irrtümer zugrunde. Irrtum 1: Grundschulempfehlungen seien treffsicher. Sie sind tatsächlich weder gerecht noch verlässlich. Es gibt genügend Ausreißer. Talente und Begabungen werden von Lehrkräften unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt; eine verbindli­ che Vorhersage ist nicht möglich. Es gibt genügend Beispie­ le von Bildungsbiografien, in denen entgegen den Prognosen und der Bildungsempfehlung der mittlere Bildungsabschluss oder die Hochschulreife absolviert wurde. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen) Entscheidend ist das Einbeziehen von Erziehungsberechtig­ ten und Kind in gemeinsamen verpflichtenden Beratungsge­ sprächen zwischen Eltern, Kind und Lehrkraft. Irrtum 2: Sie sitzen dem überholten Bild auf, homogene Grup­ pen seien erfolgreicher. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Es gibt doch gar keine homogenen Gruppen in Gymnasien und Real­ schulen! Das ist doch Unsinn, was Sie erzählen!) Die Grundschule als per se heterogene Schulart profitiert da­ von. Trennung ist hier kein Thema. Klemm und andere Wis­ senschaftler haben nachgewiesen, dass leistungsstarke Kin­ der keine Nachteile haben und Kinder mit Entwicklungsbe­ darf davon profitieren. iode – 55. Sitzung – Mittwoch, 25. Januar 2023 Irrtum 3: Sie nennen die positive Auslese als Beitrag zur Bil­ dungsgerechtigkeit. Ein Kind, das mit seinen Begabungen übersehen wird, hat dann einfach Pech gehabt? Die erfolgrei­ chen Länder im PISA-Ergebnis basieren im Übrigen auf he­ terogenen Gruppen. Irrtum 4: Sitzenbleiben in der Orientierungsstufe könne hel­ fen. Sitzenbleiben führt laut Wissenschaft nicht zu besseren Leistungen, jedoch eine Unterstützung und Differenzierung auf unterschiedlichen Niveaustufen holt die Kinder dort ab, wo sie stehen. Kinder brauchen Zeit, anzukommen, um sich zu entwickeln. Die Realschulen haben genau wie die Gemein­ schaftsschulen Poolstunden zur Verfügung, Poolstunden zur Differenzierung, die sie in der Orientierungsstufe der Real­ schule einsetzen können. Worum geht es Ihnen in der FDP/DVP eigentlich? Sie stellen Hypothesen auf, die ganz klar auf die frühe verbindliche Tren­ nung der Kinder abzielen, ohne Rücksicht darauf, dass sich alle Kinder weiterentwickeln können und dies weder vorher­ sehbar noch planbar oder determinierbar ist. Ich bin dankbar, dass Sie diesen Antrag gestellt haben. Jetzt können wir end­ lich darüber reden, welche Ziele wir mit der Bildungspolitik in Baden-Württemberg verfolgen. Wollen wir eine Elitebil­ dung und Unterschiede betonen und diejenigen, die nicht rein­ passen, auslesen, oder wollen wir vielmehr die Unterschiede in einem Miteinander ausgleichen statt einer Ausgrenzung? (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Haben Sie – –? – Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP meldet sich.)

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