Dr. Rainer Balzer
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Von einer Politik mit der Brechstange will ich eigentlich nicht sprechen, eher von einer Sentimentalisierung, Infantilisierung oder Emotionalisierung der Politik, (Abg. Andreas Deuschle CDU: Ich kann kein Fran- zösisch!) wenn wir z. B. an das Haus der Geschichte denken. Wir haben festzustellen, dass in der Politik, in der Forschung, in der Wissenschaft durchaus eine Sentimentalisierung stattfindet. Das sieht man ja an dem Thema Gender in den Bachelorarbeiten an den Unis. Dieser bedenklichen Entwicklung sollte Einhalt geboten werden. Denn Politik sollte einen kühlen Kopf bewahren, damit man das Handeln oder die Folgen desselben im Blick haben kann. (Beifall bei der AfD – Abg. Dr. Timm Kern FDP/ DVP: Ausgerechnet!) – Nicht ausgerechnet, sondern gerade, Herr Dr. Kern. Genau das ist ja der Kern der Botschaft, den Sie vielleicht hören wollen. (Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Dr. Timm Kern FDP/ DVP: „Kühler Kopf“! Weder kühl noch Kopf!) Derzeit wird eine systematische Vermischung von Kunst, Kultur und Wissenschaft betrieben. Natürlich soll Wissenschaft nicht herzlos daherkommen. Aber das Gefühl, besonders das moralisierende Gefühl, darf eben nicht den Blick für Tatsachen und für Zusammenhänge vernebeln. Ein Beispiel sind die Ausstellungen, die im Haus der Geschichte gezeigt werden. Schauen wir uns einmal „Gier. Hass. Liebe.“ an. Zur Erinnerung: Geschichtswissenschaft ist Wissenschaft und nicht Gefühl. Es ist auch keine Kunst. Das Haus der Geschichte ist auch kein Kunstmuseum. Natürlich kann der Gang durch die Geschichte auch von Gefühlen bewegt sein. Aber der wissenschaftliche Blick sollte nicht verloren gehen. Der Ausgangspunkt der Betrachtungen soll immer objektive Tatsache und Ereignis sein. Es ist zu einfach, wenn man von den Handlungen schnell auf die Motivation des Handelnden schließt, gerade in der Politik, gerade bei den handelnden Personen der Geschichte. In dieser Ausstellung wird dem Betrachter mehr als nur subtil klargemacht, wer die vermeintlich Bösen und wer die vermeintlich Guten sind. Die negativen Gefühle – der Hass – hängen dann halt immer bei den Rechten in der Politik. Die Liebe wird natürlich den Linken zugeordnet – ganz zufällig. (Abg. Carola Wolle AfD: Manipulativ, würde ich sa- gen!) In der Provenienzforschung setzen Sie auch moralisierende Maßstäbe. Es entsteht inzwischen ein Restitutionswettbewerb auf Kosten des Eigentums des Landes Baden-Württemberg. Es werden Werte zurückgegeben, ohne dass Sie wissen, ob (Dr. Rainer Balzer) diese Objekte in ihrer Ursprungsregion jemals die Wertschätzung erfahren, die sie jedenfalls bei uns erfahren haben. (Zurufe, u. a.: Oh, oh, oh!) Es ist einfach etwas dünn, zu sagen: Sie gehören nicht uns. Als Begründung ist es zu dünn. (Abg. Alexander Salomon GRÜNE: Es ist etwas dünn, so etwas zu sagen, was Sie gerade sagen! – Abg. An- dreas Deuschle CDU: Dünnes Eis!) Viele Gegenstände, die hier sind, sind nur deswegen noch hier bei uns, weil sie in Museen ausgestellt werden und deshalb internationale Preise erzielen. In den Ursprungsregionen werden sie vielleicht schlichtweg höchstbietend auf dem Kunstmarkt versteigert. (Lachen des Abg. Tobias Wald CDU) Es gehört einfach ein bisschen Ehrlichkeit dazu, diese Realität in Afrika wahrzunehmen. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Europa – und auch Baden-Württemberg – wird in dieser Debatte als prinzipiell schuldig dargestellt, als Kolonialmacht. (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Ja!) Ist das eine erfundene oder eine tatsächliche Entschuldigung? Und es werden inzwischen – – (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD)
