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Christiane Staab

CDU 26.10.2022 Sitzungen 17/48

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben den Gesetzentwurf der AfD-Fraktion im Bildungsausschuss beraten und sind überwiegend zu einem deutlich ausgesprochenen Ergebnis gekommen, das meine Kollegin von der Fraktion GRÜNE und ich heute noch einmal vertreten werden: Wir wollen keine Schule in den Kindertageseinrichtungen. Die Kindertageseinrichtung hat einen völlig anderen Auftrag als die Schule. Hier mit Unterricht an fünf Tagen in der Woche à vier Stunden zu arbeiten würde alles konterkarieren, worum es in einer Kita eigentlich geht, nämlich Freude an Bewegung, Freude am gemeinsamen Spiel, das Erlernen von Vorläuferqualitäten, wie es immer so schön heißt, die natürlich später für die Schulreife notwendig sind. Es geht um soziale Kompetenzen, es geht um emotionale Kompetenzen. Gerade durch Corona mussten wir lernen, dass genau diese Fähigkeiten so elementar wichtig für eine gesunde und gute Entwicklung von Kindern sind. Wir haben hier tatsächlich bitter lernen und erfahren müssen, dass wir das Augenmerk möglicherweise zu wenig auf die soziale und emotionale Entwicklung gerichtet hatten. Jetzt werden wir das wieder verstärkt tun. Alle Kitas sind am Start und wollen die Kinder in diesem Bereich ganz gezielt fördern. Ja, die Situation in den Kitas ist schwierig. Aber sie wird nicht dadurch verbessert, dass wir die Kitas zu Schulen machen. Die Personalsituation ist herausfordernd. Ihr stellen wir uns jetzt mit vielen, vielen Programmen. Wichtig ist – das möchte ich nach außen deutlich machen –: Wir brauchen Erzieherinnen und Erzieher, die ganz viel Freude an der Arbeit mit Kindern haben, die eben nicht sagen: „Ich möchte eine Lehrerin an einer Kita sein“, sondern die sagen: „Ich möchte eine Erzieherin sein, eine Pädagogin an einer pädagogischen Einrichtung“ oder „ein Pädagoge an einer pädagogischen Einrichtung“. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Ich möchte an dieser Stelle unseren ausdrücklichen Dank an alle Erzieherinnen und Erzieher aussprechen, die sich jeden Tag dieser wertvollen Aufgabe stellen – mit ganz viel Freude, mit ganz viel Engagement und vor allem mit unglaublich vielen Ideen, mit einem Reichtum an Konzeptionen, die sich in jeder einzelnen Kita widerspiegeln, eben nicht ein Bildungsplan für alle, sondern ein ganz großer Facettenreichtum an unterschiedlichen Konzeptionen. Genau das wollen wir nicht zerstören, sondern das wollen wir ausbauen und fördern. Jede Kita soll den Freiraum haben, den sie braucht, den sie in ihrer eigenen Kitakonzeption niederschreibt, welche dann gemeinsam mit den Kindern jeden Tag erspielt und erarbeitet wird. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Liebe Kollegen von der AfD, wir haben schon versucht, es im Vorfeld zu erklären: Kinder erlernen Sprache nicht dadurch, dass man sie in einen Raum setzt und ihnen Sprachunterricht (Christiane Staab) erteilt. Das funktioniert an der Volkshochschule, aber nicht im Kindergarten. In der Kita lernen Kinder in einem sogenannten Sprachbad. Wir wissen mittlerweile aus der Wissenschaft, dass Kinder in ihrem Bewegen, in ihrem Spiel Sprache automatisch und selbstverständlich erwerben. (Abg. Bernd Gögel AfD: Das scheint ja nicht mehr der Fall zu sein!) Deswegen ist Unterricht völlig kontraproduktiv, weil sie da eben nicht spielen, sondern dann quasi wie in einer Schule lernen. Deswegen sind wir die größten Anhänger davon, ein Sprachbad zu erzeugen, Sprachgelegenheiten sicherzustellen und aufzuzeigen. Das können wir nur, wenn wir den Kindertageseinrichtungen ganz viel Freiraum lassen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Kollegin Wehinger hat zu Recht angesprochen: Lernen fängt mit der Geburt an. Deswegen auch an dieser Stelle wieder der Appell, auch natürlich an die Eltern, (Abg. Emil Sänze AfD: Kinder sollen sich andere El- tern suchen!) die Themen „Soziale Kompetenzen“, „Emotionale Kompetenzen“ und Lernen selbst ganz wichtig zu nehmen. Wir müssen feststellen, dass manchmal der Anspruch, der auch durch die Eltern an die Kindertageseinrichtungen herangetragen wird, vielfach schwer zu erfüllen ist. Kindertageseinrichtungen unterstützen, sie bilden weiter, sie helfen. Aber sie können Erziehung nicht ersetzen. Das müssen wir immer wieder deutlich machen. Eltern sind an dieser Stelle auch gefordert. Ich nenne ein Beispiel, weil mich das natürlich auch drängt. Früher war Sauberkeitserziehung eigentlich selbstverständlich. Aber heute kommen Kinder mit drei oder vier Jahren in die Kindertageseinrichtungen und sind nicht sauber. Das ist nur eines von vielen Beispielen, das Erzieherinnen und Erzieher stark fordert. Da ist mein großer Appell, dass wir die Eltern ermuntern, selbst wieder den einen oder anderen Part in die Hand zu nehmen und zu schauen, was von zu Hause aus geleistet werden kann. Die Kitas leisten unglaublich viel, unglaublich motiviert. Aber sie werden nicht alles übernehmen können. Deswegen auch der kleine Appell an die Eltern und die Ermunterung, zusammen mit der Kita jeden Tag mit viel Freude und Spiel am Kind zu arbeiten. Dann gelingt auch der Eintritt in die Schule. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und der SPD sowie Abgeord- neten der Grünen und der FDP/DVP)

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