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Christiane Staab

CDU 28.09.2022 Sitzungen 17/45

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf den Anfang kommt es an – wir alle kennen diesen wunderschönen Spruch –, und dies gilt ganz besonders für den Kindergarten. In den Kindergärten, in den Kindertageseinrichtungen haben wir Kinder aus allen Bevölkerungsschichten und fast allen Ländern dieser Erde. Baden-Württemberg ist ein Land mit vielen Menschen, die zu uns kommen; und im Kindergarten haben wir sie alle. Deshalb war es uns auch so wichtig, dass die Kinder, die z. B. aus der Ukraine fliehen mussten, Angebote für Kindertageseinrichtungen bekommen und wir dort Angebote für mögliche Integration schaffen, damit sie den Kontakt zu anderen Kindern haben. Kinder brauchen andere Kinder, um zu lernen. Kinder brauchen eine anreizstarke Umgebung, um zu lernen. Aber was wir nicht brauchen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD-Fraktion, ist eine Kinderschule. Als ich Ihren Gesetzentwurf gelesen habe, musste ich automatisch an den berühmten Nürnberger Trichter denken, den wir jetzt auch noch den Fünfjährigen aufstülpen. Ein kleiner Kopf, ein großer Trichter, dort wird dann an vier Stunden fünf Tage die Woche Wissen eingefüllt, und dann haben wir kleine Erstklässler, die genau wissen, wie der Hase läuft. So funktioniert Bildung nicht, so funktioniert sie Gott sei Dank nicht. ode – 45. Sitzung – Mittwoch, 28. September 2022 Sie funktioniert im Spiel, sie funktioniert im Auseinandersetzen und im Austausch mit Erwachsenen sowie anderen Kindern. Deshalb ist uns der Orientierungsplan, den wir in Baden-Württemberg entwickelt haben, so wertvoll. Darin haben wir viele Themenfelder, die genau diese Förderangebote aufgreifen und jetzt weiterentwickelt werden, aufgelistet. Der Orientierungsplan wurde evaluiert und ausgewertet. Wir müssen jetzt genau hinschauen: Wo sind Dinge, die wir in den Kindertageseinrichtungen noch verbessern können? Wir haben eine Personaloffensive aufs Gleis gestellt. Natürlich – Kollegin Wehinger, Sie haben es angesprochen – wird es nicht ohne Personal funktionieren. Wir brauchen eben auch das Personal, das mit großer Leidenschaft in den Kindertageseinrichtungen arbeitet. Das sind Wege, die wir gehen wollen, um die Kindertageseinrichtungen weiterzuentwickeln. Aber sie sollen Kindertageseinrichtungen bleiben und keine Schule für kleine Menschen sein. Das Menschenbild, das mir dabei vor Augen geführt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, weil es nicht versteht, wie Lernen bei kleinen Kindern funktioniert. Es funktioniert eben nicht wie in einer Schule. Wir merken – einer der wenigen Punkte, an denen Sie eine Richtigkeit erkannt haben; Frau Wehinger hat es ebenfalls angesprochen –: Wir haben Kinder, die in den Schulen anlanden, die einfach noch nicht reif für die Schule sind. Dort müssen wir genau hinschauen: Muss sich die Schule auch verändern? Muss sie eine kindreife Schule werden und nicht das Kind ein schulreifes Kind? Wir dürfen die Dinge nicht so sehr vermengen. Natürlich müssen Kinder auf die Schule vorbereitet werden, aber dazu haben wir unseren weiterentwickelten Orientierungsplan, und diesen möchten wir jetzt in Ruhe anwenden. Wir wollen beobachten, wie er sich jetzt in der Praxisanwendung bewährt, und dann immer wieder nachsteuern und nachjustieren. Auch das Kultusministerium, auch wir sind lernende Institutionen, und auch wir sind nie fertig, genauso wenig wie die Kinder. Deshalb geht es darum, sich immer weiterzuentwickeln. Dies gilt für einen Orientierungsplan genauso wie für die Qualifikation unseres Personals, aber auch für unsere eigene Einstellung. Ich wünsche mir, dass Sie den Blick ein wenig in Richtung Kind, in Richtung kleines, fünfjähriges Kind richten, von dem Sie sprechen. Wenn Sie Heimatkunde ansprechen: Natürlich sind die Kinder unterwegs. Die Kinder laufen als Vorschulkinder. Ich weiß gar nicht, ob Sie wissen, was ein Vorschulkind ist. (Lachen des Abg. Daniel Born SPD) Ein Vorschulkind ist ein Fünfjähriger, der sich hinstellt und sagt: „Weißt du, ich bin jetzt ein Vorschulkind.“ Das sind Vorschulkinder. Die machen sich auf den Weg, und die werden noch mal ganz speziell in den basalen Fähigkeiten gefördert. Aber sie werden nicht in eine Vorschule gesteckt. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Unterschied. Ich möchte an dieser Stelle auch die Eltern immer wieder ermuntern: Auf den Anfang kommt es an. Der findet nicht mit dem Eintritt in die Kita statt, sondern der Anfang findet mit der Geburt statt. Deswegen ist es auch so wichtig, dass Eltern immer wieder mitgenommen werden, dass wir Eltern Wege aufzeigen, wie sie zu Hause ihr Kind gut fördern können. Ich (Christiane Staab) habe immer das Buch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ im Kopf. Das ist für mich die eierlegende Wollmilchsau. Da lerne ich Farben, ich lerne Tage, ich lerne Entwicklungen, ich lerne so viel aus einem kleinen Kinderbuch. Das ist wichtig. Wir brauchen die Eltern, wir brauchen die Kindertageseinrichtungen, aber wir brauchen keine Schule für kleine Kinder. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie des Abg. Daniel Born SPD)

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