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Dorothea Wehinger

GRÜNE 28.09.2022 Sitzungen 17/45

Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Gesetzentwurf zeigt, wie wenig Ahnung die AfD von frühkindlicher Bildung hat. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Lachen bei der AfD) Bildung ist das höchste Gut, und Bildungserfolg legt den Grundstein für das weitere Leben. Aber Bildung beginnt nicht erst in der Schule, und Kitas sind nicht nur Betreuungs-, sondern Bildungseinrichtungen. (Zuruf des Abg. Emil Sänze AfD) Bildung erfahren die Kinder dort durch die Fachkräfte. Je früher ein Kind Bildung erfährt, desto besser und größer sind seide – 45. Sitzung – Mittwoch, 28. September 2022 ne Chancen auf Bildungserfolg, Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Die Aufgaben und Anforderungen an die Kitas und auch die Grundschulen sind enorm. Der Fachkräftemangel, die heterogenen Kindergruppen oder die Herausforderungen der letzten Jahre durch die Pandemie oder die Fluchtbewegungen sind nur einige Beispiele dafür. Und nun kommen Sie und üben zusätzlichen Druck auf die Kinder und das Personal aus, (Widerspruch bei Abgeordneten der AfD) indem Sie Vorschulklassen einführen wollen, die wir in den Achtzigerjahren erfolgreich abgeschafft haben. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Daniel Born SPD – Abg. Bernd Gö- gel AfD: Von da an ging’s bergab!) Der totale Höhepunkt Ihres Vorschlags ist eine benotete Prüfung in Lernerfolg, Verhalten und Mitarbeit, die Sie den Kindern noch vor Schulbeginn zumuten wollen. Prüfungen wird es im späteren Leben der Kinder noch genügend geben. (Zuruf: Ja!) Aber was passiert, wenn Kinder diese Prüfung nicht bestehen? Werden sie dann ausgemustert? Unsere Kitas sind nicht schulisch aufgebaut. Kinder im Kindergartenalter erforschen die Welt spielerisch. Sie lernen mit allen Sinnen und durch soziale Interaktion. Kindliche Bildung ist Persönlichkeitsentwicklung und Die-Welt-verstehen-Lernen. Maria Montessori sagte dazu: Hilf mir, es selbst zu tun. Und das passiert in der Kita. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Daniel Born SPD) Kinder wollen gefordert werden, aber nicht in diesem Rahmen, den Sie da vorschlagen. Der Druck Ihres starren, forschen Programms à 20 Stunden pro Woche darf nicht in der frühkindlichen Bildung stattfinden. Schulvorbereitung in diesem Alter gelingt vielmehr durch alltägliche Tätigkeiten, durch Begreifen und Wiederholungen. Beispielsweise sind Gemüse Schneiden, Basteln, Malen oder das selbstständige An- und Ausziehen Übungen der Feinmotorik und wichtig für die spätere Schreibfähigkeit. Grobmotorik oder räumliche Orientierung werden beim regelmäßigen Aufenthalt draußen und im Bewegungsraum ausgeübt. Aber wichtiger, als Fünf- bis Sechsjährigen Deutsch und Mathe einzutrichtern, sind eine anregungsreiche Umgebung, Materialien, die zum Erkunden und Experimentieren anregen, aber auch die positive Bindung zu den Fachkräften, alltagsintegrierte Sprachförderung und, wenn nötig, weitere Sprachförderangebote sowie die Förderung von Selbstwirksamkeit, um das Selbstvertrauen und damit auch die Schulfähigkeit zu stärken. Die verbindliche Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Schulvorberei- (Dorothea Wehinger) tung, damit die Kinder einen gelingenden Übergang, die Transition in die Schule auch gut hinbekommen. Neben Ihren fragwürdigen Vorstellungen von Pädagogik- und Bildungserfolg möchte ich auch noch aufzeigen, wieso Ihr Gesetzentwurf noch abzulehnen ist: Auf Ihrem Stundenplan steht Heimatkunde. Was bezwecken Sie eigentlich damit? Wollen Sie, dass von frühester Kindheit an völkisches Denken in den Köpfen der Kleinsten verankert wird? (Lachen bei der AfD – Zuruf von der AfD: Der war gut! – Unruhe bei der AfD) Diese Forderung unterstreicht wieder einmal die Gefahr, die von Ihrer Politik ausgeht. (Zurufe von der AfD) Für die Kinder ist die Familie Heimat – und beileibe nicht das, was Sie wohl meinen. Auch betriebsorganisatorische Argumente wie der Fachkräftemangel oder fehlende räumliche Ressourcen sprechen gegen Ihren Gesetzentwurf. (Beifall bei den Grünen und der Abg. Christiane Staab CDU) Zum Schluss: Die Kinder müssen nicht für die Schule vorbereitet werden, sondern die Schule für die Kinder. Deshalb werden wir auch weiterhin in die Qualität der frühkindlichen Bildung investieren. Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, aber nicht mit dem Trichter und nicht unter Druck. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Christiane Staab CDU und Daniel Born SPD)

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