Muhterem Aras
Für die Landesregierung erteile ich Frau Ministerin Schopper das Wort. (Ministerin Theresa Schopper versucht, die Höhe des Redepults zu verstellen.) Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Das tut irgendwie wirklich nicht so recht. Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe das Gefühl: Bei aller Lebhaftigkeit, die die Debatte ja zum Teil an den Tag brachte, sind wir uns im Ziel durchaus einig. Ich glaube – das ist auch ein wunderbarer Punkt, der uns an dieser Stelle eint –, dass die berufliche Orientierung aktuell eines der zentralen und wichtigsten Handlungsfelder an den Schulen in unserem Land ist. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nur die Orientierung geben, sondern es ist auch Fürsorge. Im Kultusministerium müssen wir zum Teil gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium, aber auch mit dem Wissenschaftsministerium auf den Weg bringen, dass den jungen Menschen vermittelt wird – und da ist es mir absolut wichtig, dass wir es transparent gestalten –: Was sind ihre Perspektiven? Welche Talente haben sie? de – 45. Sitzung – Mittwoch, 28. September 2022 Wo können sie entsprechend ihren Fähigkeiten und Talenten ihren Beruf und ihre Zukunft im beruflichen Bereich sehen? Wir wollen nicht nur die individuelle Passgenauigkeit fördern. Vielmehr ist es auch dem Fachkräftemangel geschuldet, dass wir dort noch mal nachlegen. Heute wurde ja manchmal schon so getan, als sei nicht bekannt, dass es neben dem Studium berufliche Möglichkeiten gibt. Ich glaube, das ist jedem, der mal die Zeitungen aufschlägt oder der Nachrichten hört, klar. Wir wissen, wir haben aktuell einen massiven Fachkräftemangel, der sich schon heute massiv auf die Wirtschaftskraft in unserem Land auswirkt. Aller Voraussicht nach wird sich das noch verschärfen. Da müssen wir einfach entsprechend ansetzen. Ich meine, da braucht man – – Laut Statistischem Bundesamt werden knapp 13 Millionen Erwerbstätige – die sogenannten Babyboomer – innerhalb der nächsten 15 Jahre das Rentenalter überschreiten. Da gehöre ich wahrscheinlich dazu. Wenn ich mir den Blick in die Runde erlaube, stelle ich fest, dass da auch einige andere mit dabei sein werden. (Vereinzelt Heiterkeit – Hüsteln des Abg. Thomas Dörflinger CDU – Ungläubiger Blick der Abg. Chris- tine Neumann-Martin CDU) – Ich habe ja nicht von allen gesprochen. Frau Neumann-Martin, Sie werden da noch eine Weile länger sitzen. Aber der Punkt an dieser Stelle ist einfach: (Zuruf) Gleichzeitig rücken auch weniger junge Menschen nach. Die Berechnungen des Statistischen Landesamts sagen, dass sich die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen allein bei uns in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 um 11 % reduzieren wird. Bei den Azubis, die wir dort auch im Blick haben – die 17- bis 22-Jährigen –, gab es in den letzten vier Jahren bundesweit bereits einen Rückgang um rund 5 %. Dieser Rückgang wird sich noch verstärken. Diese Zahlen sinken noch mal. Um es noch einmal deutlich zu machen: Nicht nur bei den Azubis haben wir einen Rückgang, auch bei den Studienanfängern haben wir einen Rückgang. Auch da ist es so: Insgesamt werden es momentan weniger. Allein, wenn wir uns den IHK-Fachkräftemonitor anschauen, stellen wir fest, dass wir aufgrund der Entwicklung 400 000 Fachkräfte mehr bräuchten. Das ist eine immense Zahl. Und gerade in einem wirtschaftsstarken Land, wie es Baden-Württemberg ist, ist das natürlich ein Alarmsignal. Deutschlandweit blieben im vergangenen Herbst rund 40 % aller Ausbildungsplätze ungenutzt – ein alarmierender Anteil, auch wenn wir in Baden-Württemberg davon Gott sei Dank nicht ganz so drastisch betroffen sind. Daher ist es selbstverständlich – das möchte ich gern noch einmal aufgreifen –, dass die Wirtschaft und die Gewerkschaften zu Recht mit Sorge darauf blicken. Auch uns ist klar und bewusst, dass wir allein schon aufgrund unserer gesellschaftlichen Verantwortung, unserer Verantwortung für die Wirtschaft, aber auch für die Menschen, was diese Herausforderungen angeht, jenseits von Inflation, von Energiekrise, von Krieg in der Ukraine noch mal fragen müssen: Was können wir tun, um genau das zu verbessern? (Ministerin Theresa Schopper) Ich habe es im Ausschuss und auch hier das letzte Mal schon gesagt: Ich bin dankbar, dass Sie die Initiative gestartet haben. Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass wir das entsprechend – – Ich habe auch kein Problem damit, dass die Kollegin Trauschel da so engagiert mit am Start ist. Ich will aber auch noch mal sagen: Mir greift der Ansatz momentan zu kurz, denn ich glaube, eine einzelne Schulart – – Ein bisschen ist mir da ein Gymnasialbashing, obwohl ich mit dem Philologenverband, wie Sie wissen, nicht immer einer Meinung bin und durchaus den einen oder anderen Strauß auszufechten habe – – Aber mir ist sozusagen das Bashing, dass man den Gymnasien jetzt die berufliche Orientierung komplett abspricht, wirklich zu einfach. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
