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Alena Trauschel

FDP 28.09.2022 Sitzungen 17/45

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn Deutscher Gewerkschaftsbund und IHK, Arbeitsagentur und Unternehmer, Landesjugendring und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft allesamt unisono einen Gesetzentwurf loben, muss das wohl ein kluger Gesetzentwurf sein. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD) Genau das ist bei der Anhörung nach der ersten Lesung dieses Gesetzentwurfs passiert. Ich sage: „Chapeau!“ an die Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion. Der größte Mangel Ihres Antrags ist wohl, dass er nicht von uns kommt. (Vereinzelt Lachen bei der SPD) de – 45. Sitzung – Mittwoch, 28. September 2022 Dennoch möchte ich nicht verschweigen, dass es auch Kritik gab, und zwar vom Philologenverband. Dieser befürchtet eine Verwässerung des Auftrags der Gymnasien und verweist darauf, dass eine solche angesichts der hohen Studienabbrecherzahlen nicht zu gebrauchen sei. Danach erklärt er jedoch, dass die bisherigen Zielqualifikationen schon heute die Grundlagen für jede Art von Bildung und Ausbildung legen würden, und listet lang und breit sämtliche verpflichtenden Berufsorientierungsmaßnahmen auf, die es schon heute an Gymnasien gibt. Ich dachte mir: Das ist ja spannend. Denn in der ersten Lesung – Herr Hailfinger hat es gerade aufgegriffen – habe ich Ihnen die Situation geschildert, wie es sich bei meinem Bruder zugetragen hat, dem in der Oberstufe des Gymnasiums auf seinen Berufswunsch im Handwerk entgegnet wurde, warum er denn dann die gymnasiale Oberstufe besuche. (Zuruf des Abg. Thomas Poreski GRÜNE) Liebe Freundinnen und Freunde vom Philologenverband, wenn es stimmt, was Sie schreiben, dass das Gymnasium selbstverständlich für eine Ausbildung qualifiziert und dass schon heute eine umfassende Berufsorientierung am Gymnasium stattfindet, was spricht dann dagegen, dieses auch normativ als Ziel festzuhalten, damit wirklich jeder nach seiner eigenen Fasson glücklich werden kann? (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD) Wenn das heute schon geleistet wird, ist es doch keine Verwässerung des Auftrags, wenn man sagt, dass das geleistet werden soll. Wenn wir über Studienabbrecherzahlen reden: In unserem Land, das dank oberflächlicher, fehlgeleiteter OECD-Studien ohne jedes Verständnis für die hervorragende deutsche duale Ausbildung, kombiniert mit linken Gleichheitsvorstellungen, einen wahren Akademisierungswahn durchlebt, wo auf einmal das Studium der gesellschaftliche Normalfall sein soll, lässt sich die Quote von 30 % Studienabbrechern auch ganz anders interpretieren, als es der Philologenverband in seiner Stellungnahme darstellt. (Beifall bei der FDP/DVP) Ich glaube nicht, dass das daran liegt, dass die Gymnasien an sich nicht mehr genug auf die Vermittlung von Studierfähigkeit fokussiert sind. Ist es nicht umgekehrt eher so, dass viele Abiturientinnen und Abiturienten in Wirklichkeit in einem Ausbildungsberuf glücklicher wären, dass dieser besser zu ihren persönlichen Wünschen an das Leben und die Arbeitswelt passen würde, aber vom sozialen Umfeld bis hin zum Gesetzgeber nun mal alle die Erwartungshaltung äußern, dass sie gefälligst studieren mögen? Wäre es nicht sinnvoller, wenn sie gleich eine Ausbildung anfangen, anstatt unglücklich zu studieren? Wenn Sie das den Schülerinnen und Schülern vermitteln, können Sie wirklich etwas gegen die hohe Studienabbrecherquote unternehmen. Abschließend möchte ich noch auf einen wichtigen Punkt aus der Stellungnahme des Industrie- und Handelskammertags hinweisen, den ich auch in meiner Rede zur ersten Lesung bereits erwähnt habe: Eine Zieldefinition wie die im vorliegenden Gesetzentwurf vorgeschlagene kann nur ein erster Schritt (Alena Trauschel) sein. Der Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen ist tatsächlich ein wichtiger Vorschlag, weswegen wir diesem auch zustimmen werden. Es muss aber auch tatsächlich und flächendeckend erstens in den Köpfen ankommen und zweitens in der täglichen pädagogischen Praxis mit Leben gefüllt werden. Lassen Sie es uns anpacken und der beruflichen Orientierung die Bedeutung in den Schulen einräumen, die sie verdient hat. Danke schön. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD)

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