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Alena Trauschel

FDP 21.07.2022 Sitzungen 17/44

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! In meiner Zeit als Abgeordnete ist es mir noch nie so leichtgefallen wie bei diesem Antrag, den öffentlich vorgetragenen Positionen von Grünen und Christdemokraten gleichzeitig zuzustimmen. Was haben Sie nicht alles Schönes gesagt! Die CDU schrieb beispielsweise in ihrem Wahlprogramm von 2021, dass es auf – Zitat – hoch motivierte Lehrerinnen und Lehrer ankomme. Sie schrieb, dass diese für ihre Arbeit mehr Wertschätzung und Anerkennung erfahren sollten, sodass es eines der begehrtesten Berufsziele für junge Menschen werde, Lehrerin oder Lehrer zu werden. (Zuruf von der CDU: Sehr schön formuliert! – Ge- genruf des Abg. Arnulf Freiherr von Eyb CDU: Bes- ser geht es nicht!) Volle Zustimmung. Sowohl CDU als auch Grüne haben in ihren Wahlprogrammen der Vergangenheit einen klaren Faktor identifiziert, der fehlende Wertschätzung für Lehrerinnen und Lehrer ausdrückt, ein Faktor, der es auch weniger attraktiv macht, in Baden-Württemberg Lehrerin oder Lehrer zu werden: die Sommerarbeitslosigkeit, die entsteht, weil Lehrerinnen und Lehrer nur befristete Verträge bekommen, die bis Juli laufen, dann aber wieder im September eingestellt werden. Die Wahlprogramme von CDU und Grünen haben auch in der Vergangenheit klare Lösungen aufgezeigt, beispielsweise im CDU-Wahlprogramm 2016 – ich zitiere wörtlich –: Wir werden ... die Beschäftigungsverhältnisse unserer Lehrerinnen und Lehrer so anlegen, dass sich niemand in den Sommerferien arbeitslos melden muss ... (Abg. Klaus Hoher FDP/DVP: Hört, hört!) Ganz ähnliche Formulierungen finden sich auch in den Wahlprogrammen der Grünen von 2016 und 2021. Nach sechs Jahren Grün-Schwarz halten wir fest: Sie haben Ihre Wahlversprechen gebrochen. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD sowie Abge- ordneten der AfD) Auch in diesem Jahr sollen sich wieder über 4 000 Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg arbeitslos melden. Noch schlimmer: Es gibt Lehrkräfte, die auf Sie gehört haben, die Ihnen vertraut haben und sich im Zuge dessen eben nicht rechtzeitig arbeitslos gemeldet haben. Diese werden als Dank eriode – 44. Sitzung – Donnerstag, 21. Juli 2022 für das Vertrauen Ihnen gegenüber mit einer Sperrfrist beim Arbeitslosengeld belohnt. (Abg. Dr. Alexander Becker CDU: Der Haushalt 2022 wurde im Dezember beschlossen!) Bevor Sie nun nach irgendwelchen Ausreden suchen und wieder die Schuld auf andere schieben, rate ich Ihnen, mit den Betroffenen das Gespräch zu suchen; dann wissen Sie, welche Folgen Ihre Aktionen für die befristet angestellten Lehrkräfte haben. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Hans-Peter Hörner AfD) Meine Damen und Herren, Lehrerinnen und Lehrer sind eben keine Saisonkräfte, sondern hoch qualifizierte Fachkräfte. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein abgeschlossenes Studium – Bachelor, Master, das volle Programm – und starten hoch motiviert in Ihrem Beruf: Das erste Jahr mit einem befristeten Vertrag läuft richtig gut. Ihr Arbeitgeber hat auch richtig Bedarf, will erst Ihre Stundenzahl erhöhen, schreibt Ihnen aber dann einen Brief, doch bitte freiwillig mehr zu arbeiten. Doch am Ende des ersten Jahres wird Ihr Vertrag nicht verlängert, verbunden mit der Ansage, dass Sie die Zeit in der Arbeitslosigkeit für die Nachbereitung des vergangenen Jahres nutzen könnten und um das nächste Jahr vorzubereiten; denn in einem Monat hätte ihr Arbeitgeber wieder Bedarf. Wie würden Sie sich da fühlen? Auf jeden Fall nicht wertgeschätzt und anerkannt. (Zuruf des Abg. Sascha Binder SPD) „Verarscht“ wäre noch eines der netteren Worte, die mir dazu einfallen würden. Meine Damen und Herren, Lehrerinnen und Lehrer sind nicht irgendwelche Fachkräfte, sondern Menschen, denen wir das Wertvollste anvertrauen, was wir haben, nämlich unsere Kinder, unsere Zukunft. Die Lehrerinnen und Lehrer kann man nicht einfach dermaßen respektlos behandeln, wie Sie es hier tun, ohne dass sie irgendwann den Job wechseln oder das Bundesland. (Beifall des Abg. Hans-Peter Hörner AfD – Abg. Da- niel Lede Abal GRÜNE: Was hat denn die FDP/DVP in ihrer Regierungszeit getan?) – Sie sind seit elf Jahren an der Regierung. Seit elf Jahren ändert sich nichts an diesem Zustand. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD – Abg. Dani- el Lede Abal GRÜNE: Und Sie waren es doch davor! Das Problem haben wir doch von Ihnen geerbt!) Wir haben es in NRW und Rheinland-Pfalz verändert. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Ihr Erbe, das Sie hier hinterlassen haben!) Wundert sich da ernsthaft noch jemand, dass die Landesregierung ca. 3 300 unbesetzte Lehrerinnen- und Lehrerstellen und den entsprechenden Unterrichtsausfall sowie die damit reduzierten Lebenschancen für Kinder und Jugendliche zu verantworten hat? (Unruhe) (Alena Trauschel)

Alle Reden von Alena Trauschel Protokoll ↗