Martin Hahn
Herr Minister, vielen Dank für die Klarstellung. Denn tatsächlich können und wollen wir alle diese moralisch-ethisch getriebene Haltung zur Produktion und zur Bereitstellung von Lebensmitteln unterstützen. Leider – das ist das Problem – funktionieren die Märkte dieser Welt völlig anders: nicht moralisch-ethisch getrieben, sondern preisgetrieben. Und ab einem gewissen Rohölpreis geht der Weizen eben in die Methanolproduktion. Das ist unser Problem. Das heißt, letztlich ist es an diesem Punkt eben ganz schwierig, die moralisch-ethische Haltung in eine wirtschaftlich, ökonomisch richtige Haltung umzusetzen. Das ist unser Problem an diesem Punkt. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Ich glaube, wer viel für den Weizenmarkt tun will, muss schnell auch den Landweg zur Ukraine frei machen, muss schauen, dass die Ware nicht verschimmelt, dass die Ukrainer nicht weiter Pleite gehen, sondern die Ware ihren Weg zu den Menschen findet. Das ist, glaube ich, ein wesentlicher Punkt, den wir dringend liefern müssen. (Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Ich glaube, wenn wir den Gesamtrohstoffmarkt anschauen, erkennen wir doch eines: Wir haben in der Landwirtschaft besondere Pflanzen. Das sind die Leguminosen, die in der Lage sind, Stickstoff – eines unserer wesentlichen Betriebsmittel – zu produzieren, den wir sonst mit Rohöl und anderen Energieträgern herstellen. Deshalb müssen wir mehr Leguminosen in die Fruchtfolgen nehmen. Dafür müssen wir sorgen. Das entlastet Klima und Produktion. Man muss auch darüber reden, welche Funktion die Stilllegungsflächen da haben können. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Herr Stein, ja, Sie haben recht: Die Biobranche geht durch eine Krise. (Vereinzelt Beifall bei der AfD – Abg. Udo Stein AfD: Danke!) – Ja. Wir haben noch nie das Gegenteil behauptet. Aber Krisen sind dazu da, sie zu überwinden, und wir werden sie überwinden. Die Märkte werden stabil werden. Aber jetzt schauen Sie sich doch an, was jeden Abend in den Nachrichten zu sehen ist: (Zuruf des Abg. Udo Stein AfD) Wir bringen die Menschen dazu, zu meinen, sie würden die Inflation bekämpfen, indem sie preisgünstiger essen. Das ist die Wirklichkeit. Diesen Unfug müssen wir beenden. (Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Die Kommunikation muss anders werden. Lebensmittel sind werthaltig und lebensnotwendig. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) eriode – 41. Sitzung – Donnerstag, 23. Juni 2022 Zum Schluss: Ich weiß, wir sind hier im Haus zum Thema Gentechnik unterschiedlicher Meinung. Jetzt bin ich alt genug. Ich habe mich vor 25 Jahren sehr stark gegen die herkömmliche Gentechnik verwandt. Ich weiß, dass die Welt nicht so war wie in Europa. In Europa waren es die Belgier. Aber in Südamerika, Nordamerika, überall ist die Gentechnik eingeführt worden. Wo war diese Hoffnung? Was ist passiert? (Abg. Martina Braun GRÜNE: Gar nichts!) Herbizidresistente Sorten, die den gleichen Firmen gehören wie das Spritzmittel. Das haben wir in der Frage der Erträge erreicht. Wir waren in Südamerika und haben uns das angeschaut. Eher bedenklich, eher fraglich, ob es wirklich etwas gebracht hat. Ich sage Ihnen: Wir müssen dann darüber reden, wenn wirklich etwas auf dem Tisch liegt, was etwas bringen könnte. Man kann über alles reden. Aber ansonsten gehöre ich zu den Leuten, die zum Glauben hauptsächlich in die Kirche gehen. Herzlichen Dank für die Debatte. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD)
