Hans-Peter Behrens
Als Sprecher für Bioökonomie der Fraktion GRÜNE kann ich bestätigen, dass die Bioökonomie in Baden-Württemberg auf einem guten Weg ist. Ich sehe dort sehr positive Ergebnisse im Forschungsbereich, auch geförderte Innovationen. Ich brauche nicht weiter auszuführen, wofür wir das brauchen; es wurde bereits von einigen angesprochen. Das nächste Ziel wäre die Breitenanwendung; dabei geht es darum, aus den ersten Ergebnissen in das Stadium der Breitenanwendung zu kommen. Ich durfte gestern mit einigen Kollegen das Technikum Laubholz besuchen. Ich halte dies für sehr geeignet, um in die beschriebene Richtung zu kommen, um also den nächsten Schritt in Richtung Breitenanwendung zu gehen. Meine Frage an dieser Stelle: Inwiefern beabsichtigen Sie, das Technikum weiter zu fördern, und gibt es noch andere Institutionen, andere Wege, die man verfolgt, um in die Breitenanwendung zu kommen? Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Das eine ist, dass wir in Baden-Württemberg mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen haben, die sich diesem Zweig widmen und die selbst schon intensiv nicht nur forschen. Die Grundlagenforschung findet im Regelfall bei den Universitäten statt; ich habe vorhin die Universität Hohenheim und das KIT genannt. Es gibt aber auch andere Hochschulen, die hier aktiv sind; auch das Textilforschungszentrum in Denkendorf gehört dazu. (Minister Peter Hauk) Aufgabe der Unternehmen ist es hingegen, den Zug auf das Gleis zu bringen, und wir unterstützen sie dort, wo sie noch einen gewissen Anschub brauchen. Das ist das eine. Das Zweite: Beim Technikum Laubholz haben wir einen anderen Weg gewählt und haben uns dabei am Beispiel Finnland orientiert, wo ein solches Technikum im Bereich Nadelholz eingerichtet wurde. Es geht darum, das Thema „Biobasierte Kohlenstoffe aus dem Holzbereich“ nach vorn zu bringen und die entsprechenden Potenziale zu heben. Ich habe vorhin das Stichwort Lignine erwähnt, aber es geht dabei natürlich auch um Themen wie Kohlefaser oder „Transformation von Zellulose zu Kunststoffen“ – also Kunststoffe, die nicht aus Erdöl produziert werden, sondern die zellulosebasiert sind. Das ist in der Tat keine Grundlagenforschung mehr, sondern die Aufgabe ist es, anwendungsorientiert Größenordnungen, Skalen zu schaffen, damit das Ganze auch in die Breite gehen kann. Kohlefaser kann hergestellt werden; das wissen wir. Aber das geschieht noch im Labormaßstab. Das Technikum hat jetzt das Patent gekauft, und es hat die klar umrissene Aufgabe, zu skalierbaren Umsätzen zu gelangen und damit im Prinzip auch Anreize für Ausgründungen von Unternehmen zu schaffen, sodass dort Skaleneffekte hergestellt werden können und eine Breitenwirkung eintreten kann. Das ist der zweite von uns gewählte Weg im Bereich der holzbasierten Bioökonomie. Entsprechend machen sich natürlich auch in anderen Bereichen Unternehmen auf den Weg.
