Klaus Hoher
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Kollegen! Wein ist ein Kulturgut. Seine Herstellung erfordert viel Kompetenz, Geschick und Erfah rung. Mit insgesamt 28 000 ha Rebfläche prägt der Weinbau in Baden-Württemberg einzigartig unsere Kulturlandschaft und ist gleichzeitig ein großer Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Doch die Zukunft des Weinbaus in Baden-Württemberg sieht sehr düster aus, wenn man diesen Antrag aufmerksam liest. Die Weinbäuerinnen und Weinbauern in unserem Land kämp fen bereits heute mit den Auswirkungen des Klimawandels, mit extremen Wettersituationen, mit Pilzbefall, mit immer hö heren Auflagen für die Bewirtschaftung der Flächen. Ca. 10 000 Weinbaubetriebe haben wir in Baden-Württem berg, wenn man die zahlreichen Zuerwerbs- und Nebener werbswinzer mitzählt. Ihre Existenz ist Ihnen egal, wenn es darum geht, die Zahlen des Biodiversitätsstärkungsgesetzes, zu dem Sie sich von Anhängern der Volksbegehren „Pro Bie ne“ haben erpressen lassen, durchzupeitschen. Sie sehen ta tenlos zu, wie immer mehr dieser Nebenerwerbs- und Zuer werbswinzer ihren oftmals einzigen Weinberg aufgeben, weil sie ohne Pflanzenschutzmittel keinen Ertrag mehr erwirtschaf ten können. (Beifall bei der FDP/DVP) Egal, ob konventionell oder ökologisch: Ja, Ihr Biodiversitäts stärkungsgesetz zeigt Wirkung. Mit diesem und der grünen eriode – 39. Sitzung – Mittwoch, 1. Juni 2022 Ideologie im Sinne der Pflanzenschutzziele entziehen Sie den baden-württembergischen Winzern ihre Existenzgrundlage. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD – Abg. Rüdiger Klos AfD: Ja!) Ohne Pflanzenschutz ist es nicht nur nahezu unmöglich, ei nen Ertrag zu erzielen; auch die umliegenden Weinberge wer den in Mitleidenschaft gezogen. Doch das blenden Sie aus. Sie haben nicht einmal eine konkrete Strategie, wie Sie im Weinbau den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzen schutzmitteln bis zum Jahr 2030 um 40 bis 50 % reduzieren können. (Beifall bei der FDP/DVP und des Abg. Rüdiger Klos AfD) Das geht aus der Stellungnahme zum Antrag klar hervor. Die Erträge im Weinbau sind in den letzten fünf Jahren be reits stark zurückgegangen. Es ist nicht nur hilfreich, wenn sich der Anteil der Biorebflächen in den letzten zehn Jahren auf 1 500 ha verdoppelt hat. Im Gegenteil: Das unternehme rische Risiko ist beim Bioweinbau noch mal erheblich größer. Der durchschnittliche Ertrag liegt hier gerade einmal bei 35 hl pro Hektar. Bei konventionellem Anbau liegt der durchschnitt liche Ertrag bei 80 hl pro Hektar, das ist also über das Dop pelte. Allein die Ertragsreduktion durch Pilzbefall liegt bei den öko logischen Betrieben bei 20 bis 30 %. Sogar ein Totalausfall ist an der Tagesordnung. Lieber Minister Hauk, sorgen Sie schnellstens dafür, dass das Verbot von Kaliumphosphonat im Ökoweinbau in der EU wieder aufgehoben wird. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD) Nicht grundlos liegt der Anteil der Biorebflächen in Baden-Württemberg gerade mal bei nur 6 %, also weit von den Zie len der Landesregierung entfernt. Die Nachfrage nach Bio wein ist im Land hauptsächlich durch den Import gedeckt. Spanien, Italien und Frankreich sind die Hauptlieferanten. In Südeuropa herrscht ein trockeneres Klima, welches es den Weinbaubetrieben dort auch bei Pilzbefall leichter macht, ei ne biologische Ware zu produzieren. Bei uns ist das leider nicht so. Sie setzen mit Ihrer Politik die Existenz der Weinbaubetriebe – egal, ob bio oder konventionell – aufs Spiel. Unsere in Jahr hunderten geprägte Kulturlandschaft mit ihrem Weinbau ist einfach zu schade, um sie mit ideologischen Sachen aufs Spiel zu setzen. (Beifall bei der FDP/DVP) Um die Voraussetzung für zukunftsorientierte, wettbewerbs fähige, nachhaltige Weinwirtschaft in Baden-Württemberg zu schaffen, braucht es den Einsatz moderner Innovationen und Techniken im Weinbau, die mit Blick auf die Herausforderun gen durch den Klimawandel dringend weiterentwickelt wer den müssen. Dazu gehören die Verfügbarkeit von Wasserma nagementsystemen, pilzwiderstandsfähige Sorten, moderner Pflanzenschutz sowie gut ausgestattete Forschungseinrichtun gen. Dafür müssen Sie sich einsetzen, lieber Minister. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der FDP/DVP)
