Udo Stein
Danke schön, Herr Minister, für das Zulassen der Zwischenfrage. – Denkt die Landesregierung auch darüber nach, da die Bestände schon sehr geschrumpft sind, aktiv Auerhühner auszusetzen, um dem Bestand mit dieser Maßnahme noch mal eine Erhöhung zuzuführen? Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Nein, darüber denken wir nicht nach, und zwar aus einem einfachen Grund: Wir wissen aus angrenzenden europäischen Ländern, dass Auerwildbestände sehr elastisch reagieren. Auf Maßnahmen der Verbesserung reagieren sie elastisch, die Population verändert sich dynamisch auch wieder positiv nach oben. Deshalb halten wir das nicht für notwendig und werden auch keine Bestandsstützungsmaßnahmen in der Richtung durchführen. Am Ende sind eriode – 37. Sitzung – Mittwoch, 11. Mai 2022 die Ursachen nicht die fehlenden Hähne – das ist der Indikator, der zurückgeht –, sondern die Ursachen liegen vielfach nicht nur in den Habitaten, aber auch in den Habitaten. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass das Auerhuhn im Winter während der Kükenaufzucht auf den Kernflächen nicht existenzbedrohend gestört wird. Es wird künftig nicht mehr ausreichen, die Waldbesucher durch reine Appelle davon abzuhalten, im Winter die sensiblen Lebensräume des Auerhuhns zu betreten. Das heißt, wir werden neben Besucherlenkungskonzepten auch mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen arbeiten müssen, also Wildruhezonen, Wildschutzgebiete einrichten, um einfach Ruhe in bestimmte Bereiche zu bringen, damit die Kükenaufzucht nicht gestört wird. Das setzt attraktive Lenkungskonzepte voraus, um den Erholungsuchenden im Schwarzwald attraktive Erholungsmöglichkeiten außerhalb der Auerwildlebensräume zu schaffen. Wir wollen den Tourismus nicht verbannen, aber die Touristen müssen gelenkt werden. Dann wird es auch Einschränkungen geben; wir werden beispielsweise in Auerwildgebieten auch ein Leinengebot ins Auge fassen müssen. Das heißt, Hunde dürfen nicht mehr einfach frei herumlaufen. Das wird auch dazukommen; das ist auch eine ordnungsrechtliche Maßnahme. Ich glaube, wir müssen jetzt einfach einen Katalog von Maßnahmen bündeln. Der Maßnahmenplan Auerhuhn 2022 bis 2027 wird deutlich stärkere finanzielle und personelle Ressourcen für den Auerhuhnschutz als bisher voraussetzen. Das alles wird nicht kostenlos zu haben sein, denn Lenkungsmaßnahmen kosten Geld. Einfach ein Schild aufzustellen, auf dem steht: „Hier Auerwildruhezone“, wird keinen Skilangläufer, keinen Mountainbiker abhalten. Man wird vielmehr Baumstämme über Wege oder zumindest über Maschinenwege legen müssen, damit es den Besuchern auch optisch ein Stück weit verbaut wird, dort in Ruhezonen einzudringen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Beispiel Auerhuhn zeigt, dass Artenschutz und Ausbau regenerativer Energien auf der Grundlage eines abgestimmten Konzepts vereinbar sind. Dazu muss beides – der Schutz, aber auch die Nutzung – sinnvoll und fachlich fundiert aufeinander abgestimmt werden. Im Ergebnis wird das zu einem deutlichen Flächenzugewinn für die Windkraft, aber gleichzeitig auch zu einer Stärkung des Artenschutzes beim Auerhuhn führen. Und wir werden natürlich auch – das sage ich zum Abschluss – in den Auerwildgebieten und in den „Kernzonen“, dort, wo wir besonders stark die Hähne wollen, eine Abkehr vom Prinzip einer naturnahen Waldwirtschaft haben, bei dem wir nur noch auf Naturverjüngung setzen, weil die Gradation in der Entwicklung einer solchen Waldgesellschaft zunächst einmal immer Stadien sind, die ziemlich dicht erwachsen – auch in der naturnahen Waldgesellschaft. Die Freiflächen entstehen erst nach dem Klimaxstadium, nämlich dann, wenn die Wälder zusammenbrechen. Ich sehe auch im Nationalpark ein bisschen mit Sorge, dass wir dort nicht genügend Freiflächen bekommen werden, weil zu wenig Fläche da ist, wenn Wälder zusammenbrechen. Es wird spannend sein, das im Natio- (Minister Peter Hauk) nalpark einmal zu beobachten. Dieser umfasst immerhin ein Fünftel der Gesamtfläche des Auerwildgebiets. Ich bin in der Summe aber zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, das Auerhuhn im Schwarzwald zu erhalten und die Population wieder zu stärken. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)
