Klaus Hoher
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren Kollegen! Um es vorwegzunehmen und auf den Punkt zu bringen: Dem Auerhuhn geht es schlecht, und wir alle wissen es. Die Situation des stark geschützten Auerhuhns in Baden-Württemberg ist fatal. 2001 hatten wir in der Balzzeit noch (Klaus Hoher) 303 Hähne, im Frühjahr 2021 nur noch 114. Wie Herr Pix und alle meine Vorredner gesagt haben: In vielen Regionen Europas und Deutschlands ist das Auerhuhn bereits ausgestorben. Woran liegt das? Wo liegen die Ursachen? Das ist doch das Problem. Das Auerhuhn benötigt Freiflächen, lichte Wälder als Lebensraum. Aber großflächig geeignete und verfügbare Flächen werden in unseren heimischen Wäldern immer weniger. Zu dichte Baumkronen verhindern das Ansiedeln des Auerhuhns. Auch der Mensch bedroht das Auerhuhn. Seit Corona hat die Zahl der Freizeitaktivitäten in unseren Wäldern stark zugenommen. Wanderpfade, legale und nicht legale Mountainbikestrecken sind, um nur zwei Beispiele zu nennen, eine große Ursache. Deswegen ist es wichtig, dass das Land mit Blick auf das erheblich erhöhte Besucheraufkommen in der Coronapandemie endlich wirksame Maßnahmen ergreift. Nun will unsere Landesregierung noch 1 000 Windräder in unsere Wälder stellen. Schon heute sind im Schwarzwald einzelne Teilgebiete zu klein, um eine dauerhaft überlebensfähige Population des Auerhuhns zu sichern. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD) Trotzdem forciert die grün-schwarze Regierung den Ausbau von Windrädern um jeden Preis. (Zuruf: Auch wenn es brennt!) Arten- und Naturschutz spielen keine Rolle mehr, wenn es um neue Windräder geht. Nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir sind natürlich für den Ausbau erneuerbarer Energien. Es gibt Standorte, da ist Windkraft sinnvoll, wichtig und richtig, aber nicht unbedingt im Schwarzwald. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD) Der Schwarzwald ist natürlich gut für den Artenschutz. Den sollten wir dort vorrangig betreiben. Die Energiewende muss naturverträglich erfolgen. Der Schutz von Arten und der Erhalt von biologischer Vielfalt sind genauso wichtig wie der Klimaschutz. Studien deuten klar darauf hin, dass der Ausbau der Windkraft die Zahl der Auerhühner zurückgehen lässt. (Zuruf von der AfD: Aha!) Das musste selbst Minister Hauk im Januar dieses Jahres zugeben. Ich muss meinem Kollegen Herrn Pix widersprechen. Es gibt ganz klare Studien, die zeigen, dass sich das Auerhuhn nicht im 650-m-Radius von Windrädern aufhält. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der AfD) Das sind Studien, die greifen. Es treten den Studienergebnissen zufolge, anders als erwartet, keine Gewöhnungseffekte auf. Viele haben behauptet, die Auerhähne gewöhnten sich daran. Aber die wissenschaftlichen Studien belegen das Gegenteil, obwohl die Wissenschaft nicht ganz genau weiß, ob es durch den Rotorschlag, den periode – 37. Sitzung – Mittwoch, 11. Mai 2022 Schattenwurf oder das Windgeräusch bedingt ist. Man weiß das nicht ganz genau. Man weiß nur ganz genau, dass sich die Auerhühner da nicht unbedingt aufhalten und im 650-m-Radius nicht sichtbar sind. (Zuruf des Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD) Es gibt Anzeichen, dass der Vogel das nicht unbedingt möchte. Aber natürlich – wie ich vorhin schon gesagt habe – sind die wild Wandernden und die wilden Mountainbiketrails absolut nicht förderlich für die Verbreitung des Auerhuhns; deswegen sollte man das klar regulieren. Welche Maßnahmen hat das Land bisher angestrebt? Das ist ein Punkt. Die Landesregierung ist jetzt elf Jahre grün geführt. Fünf Jahre war die SPD auch beteiligt; es ist nicht ganz so, dass ihr unbeschadet wart. (Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Die Maßnahmen gingen schon 2014 los. 2014 war Grün-Rot mit der Freiflächenkampagne im Staatswald gestartet, um den Populationsrückgang zu stoppen. Ergebnis: Bestand weiter rückläufig. Dann hat man das Sonderprogramm „Lücken für Küken“ im Privat- und Kommunalwald auf den Weg gebracht. Förderkonzepte zum Ausbau des Lebensraums für das Auerhuhn sollten es richten. Leider ist die erforderliche Förderrichtlinie bis heute nicht bekannt. Ergebnis: Bestand weiter rückläufig. Jetzt soll ein neuer Maßnahmenplan für die Jahre 2022 bis 2027 den Vogel retten. Der Plan fasst viele notwendige Sofortmaßnahmen zur Habitatpflege usw. zusammen. Das sollte man sofort machen, umsetzen. (Abg. Martin Hahn GRÜNE: Da könnt ihr auf uns zählen, Klaus!) Jetzt müssen wir aber mal abwarten, was dabei herauskommt. Ich befürchte: wieder nicht viel.
