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Sarah Schweizer

CDU 11.05.2022 Sitzungen 17/37

Sehr geehrter Herr Präsident, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Das Auerwild findet sich auf allen Roten Listen wieder und ist vom Aussterben bedroht – in Europa, in Deutschland und hier bei uns in Baden-Württemberg. In Deutschland gibt es nur noch einzelne Vorkommen: im Hochsauerland, am Nordrand der Alpen, im Bayerischen Wald und eben auch bei uns im Schwarzwald. Vom Aussterben bedroht bedeutet, dass wir gerade dabei sind, eine Art einfach völlig komplett zu verlieren. Wir sind dabei, den größten Hühnervogel des Kontinents – er ist ein nacheiszeitliches Relikt, das seit Tausenden von Jahren Mitteleuropa besiedelt – jetzt gerade zu verlieren. Meine Damen und Herren, das wäre ein Armutszeugnis für die Biodiversität bei uns im Land. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der SPD) Wir sind, was den aktuellen Stand anbelangt, an einem Punkt angelangt, der einfach frappierend ist. Wir haben aktuell im Schwarzwald noch 114 balzende Auerhähne – Herr Kollege Pix hat es angesprochen – gezählt. Seit dem Jahr 2012 hat sich der Bestand mehr als halbiert. Für das Auerhuhn ist es fünf nach zwölf. Die Landesregierung beobachtet diese Entwicklung deshalb zu Recht mit großer Sorge. Die Liste der Gründe und der Ursachen dafür ist lang. Es ist der Klimawandel, es sind die Auswirkungen auf die Waldvegetation und auf das Balzverhalten des Auerhuhns, es sind die zunehmenden Freizeitaktivitäten und die touristischen Nutzungen im Schwarzwald, aber es ist auch der gestiegene Druck aus der Richtung der natürlichen Fressfeinde, die dem Auerhuhn zusetzen. Dazu gehört vor allem der Rotfuchs. Dazu gehören aber auch der Marder und der Dachs und invasive Arten wie der Waschbär. Es ist klar: Wenn die für das Auerwild geeigneten und auch verfügbaren Flächen im Schwarzwald um zum Teil bis zu 50 % zurückgehen, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir hier eine absolut bedrohte Art haben. Mit dem Aktionsplan Auerhuhn hat man im Jahr 2008 bereits einige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Aber hier muss noch einmal ordentlich nachgelegt werden. periode – 37. Sitzung – Mittwoch, 11. Mai 2022 (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Willi Stächele CDU: Sehr fachkundig!) Jetzt ist es wichtig, dass wir nicht weitere Zeit verlieren, sondern unmittelbar ein Bündel von Maßnahmen einleiten. Das sind vor allem Maßnahmen für den Bereich der Habitatspflege. Das Auerhuhn braucht Freiflächen, das Auerhuhn braucht lichte Waldstrukturen mit wenig Verbuschung. Insbesondere im Staatswald sind hier über ForstBW Maßnahmen schnell umsetzbar. Denn im Staatswald liegt der Löwenanteil des Verbreitungsgebiets des Auerhuhns. Wir brauchen Maßnahmen zur Vermeidung von Störeinflüssen, und wir brauchen Maßnahmen für eine Anpassung des Flächenkonzepts vor Ort. Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass wir uns das Auerhuhn und die Verbreitung des Auerhuhns nicht nur isoliert anschauen dürfen. Wir müssen den Lebensraum insgesamt in den Blick nehmen und das Ökosystem Schwarzwald betrachten. Deswegen wird auch der Nationalpark, in dem sich rund ein Fünftel der Auerhahnbestände befindet, daran gemessen werden, ob der Auerhahn überleben wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen – Abg. Gabriele Rolland SPD: Ja, wann kommt die Erweiterung?) Es ist nichts gewonnen, wenn wir jetzt die Wälder auflichten, wenn wir die Habitate herrichten und auf der anderen Seite genau auf diesen Flächen Mountainbiketrails, Skipisten, Skiloipen oder irgendwelche Walderlebnispfade aus dem Boden stampfen. In solchem Fall ist das gesamte Engagement und das gesamte Geld, das in diesem Bereich investiert wird, umsonst. Es kommt dann nichts dabei heraus. Das muss uns einfach klar sein. Daneben gibt es aber auch wichtige Synergieeffekte zwischen dem Rotwild und dem Auerwild, nämlich dort, wo sich das Auerwild heimisch fühlt, fühlt sich auch das Rotwild heimisch und andersherum. Zugleich muss aber auch die Frage erlaubt sein: Wie viel Wolf, wie viel Luchs und wie viel Goldschakal vertragen unser Auerwild und auch die Biodiversität in unserem Land? Abschließend möchte ich an dieser Stelle allen danken, die sich jeden Tag – und das seit Jahren – im Ehrenamt, im Hauptamt mit sehr viel Engagement, mit sehr viel Zeit einsetzen, um das Auerwild zu schützen. Das gilt insbesondere auch in Richtung der Jägerschaft. Es sind die Jägerinnen und Jäger, die sich hier mit Auerwild-Hegeringen und einer verstärkten Bejagung auch der Prädatoren engagiert einbringen und eine absolut wichtige Säule für die Aufrechterhaltung des Auerwilds darstellen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Willi Stächele CDU: Sehr überzeugend!) In vielen Mittelgebirgen ist das Auerwild aktuell bereits ausgestorben. Es ist völlig verschwunden. Lassen Sie uns alle gemeinsam dafür kämpfen, dass das hier bei uns im Schwarzwald nicht passiert. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)

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