Petra Olschowski
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Stefanie Seemann, tatsächlich ist es so, dass die Amateurmusik, überhaupt die Amateurkultur – sagen wir es mal so – in ihrer gesamten Breite von der Pandemie ganz besonders betroffen ist, weil diese Trennung zwischen Publikum und Beteiligten nicht die gleiche ist wie in anderen Kulturbereichen. Das bedeutet: Während in anderen Kulturbereichen die Situation bestand, dass oft das Publikum – also im Profibereich das Publikum – nicht zugelassen oder reduziert war, gab es in der Amateurmusik und in der Amateurkultur die Situation, dass auch die Beteiligten ihre Kultur nicht so ausüben konnten, wie sie es gewohnt sind. Das bedeutet: Öffentliche Auftritte und auch Proben waren weitgehend oder über lange Zeit nicht möglich. Die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, haben vielfach – das erleben wir jetzt – andere Freizeitbeschäftigungen gefunden, die ihr Leben auch ganz gut ausfüllen. Die Vereine stehen auch vor dem Problem, dass Erlöse beispielsweise aus Konzerten oder aus Heimatfesten nicht in der Form angekommen sind, wie das normalerweise der Fall ist. Das heißt, die Situation und die Problematik sind etwas breiter als in anderen Kulturbereichen. Wir haben schon relativ früh während der Pandemie versucht, Maßnahmen zu entwickeln, die unterstützend helfen. Das war u. a. die Stärkung des Freiburger Instituts für Musikermedizin, das die Amateurmusikvereine speziell bei den Fragen, wie Hygienekonzepte umzusetzen sind, begleitet hat. Wir haben überdies, wie Sie ja wissen und auch beschlossen haben, zusätzlich zur normalen Förderung 20 Millionen € für die Vereine der Breitenkultur zur Verfügung gestellt, die an alle Vereine verteilt, ausgezahlt wurden. Und wir haben Ende letzten Jahres noch einmal ein spezielles Investitionsprogramm für Verbände und Vereine der Amateurmusik und der Amateurtheater ausgeschrieben und noch einmal 2,5 Millionen € ausgeschüttet. Auch die Programme, die im Moment ausgeschrieben sind – „Kultur trotz Corona“ und das Investitionsprogramm „Zukunftsstark“ –, sind Programme, die den Ensembles und Vereinen der Breitenkultur und der Amateurmusik zugutekommen können. Eine wichtige Folge dieser Förderung – Sie haben das vielleicht verfolgt – ist die Werbekampagne, die der Landesmusikverband jetzt gestartet hat und die wir mit knapp 240 000 € finanziell gefördert haben. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Instrument. Der Landesmusikverband hat seine gesamte Marketingkampagne mit einer neuen, etwas attraktiveren Gestaltung, würde ich sagen, aber auch mit Angeboten, die stark ins Digitale gehen, neu aufgestellt, um darüber gerade auch Jugendliche direkt für die Amateurmusik zu gewinnen und anzusprechen. Ich bin sehr beeindruckt, dass der Verband das so schnell hinbekommen hat und das neue Motto „Vereint. Musik. Machen.“ auch umgesetzt hat. (Staatssekretärin Petra Olschowski) Tatsächlich erleben wir in der gesamten Kultur, dass das Publikum eher zögerlich zurückkommt. Es gibt durchaus Bereiche im Kulturleben, in denen das gut gelingt. Besonders aufwendige, ich sage jetzt mal, eventartige Veranstaltungen laufen eher gut. Aber beim normalen Programm ist es schwierig. Das sieht man beispielsweise auch bei der Rückgewinnung von Abonnentinnen und Abonnenten. Wie gesagt, das entwickelt sich im Moment. Das ist auch die Rückmeldung, die wir von der Breitenkultur bekommen. Deswegen werden wir auch in den nächsten Monaten genau beobachten müssen, wie sich das weiterentwickelt, ob eine Art neue Routine und Gewohnheit eintritt und die Menschen das Musizieren und das Theaterspielen miteinander – was auch immer – wieder als ein starkes, wichtiges Element für ihr Leben begreifen. Gerade im kommenden Sommer finden ja viele Open-Air-Veranstaltungen in diesem Bereich statt. Das ist eine gute Möglichkeit, Publikum wieder anzusprechen und Ehrenamtliche zurückzugewinnen. Insgesamt wissen wir aber natürlich in allen Bereichen der Gesellschaft noch nicht genau, wie lange die Folgen der Pandemie, was die Verhaltensveränderung angeht, andauern werden. Deswegen müssen wir einfach abwarten und in Kontakt bleiben. Die Förderprogramme, die im Moment gerade ausgeschrieben sind, ermöglichen aber zum einen die Unterstützung bei Veranstaltungen, und durch das Investitionsprogramm ist es auch noch mal möglich, Vorhaben zu unterstützen, die sich gerade auch aus Erfahrungen mit der Pandemie für die Einrichtungen ergeben. Das ist gerade in der Breitenkultur wichtig, weil dort ansonsten oft das Geld dafür fehlt.
