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Norbert Knopf

GRÜNE 04.05.2022 Sitzungen 17/36

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es könnte ein Elternteil, Geschwister oder Freunde treffen. Es könnte uns selbst, die wir hier sitzen, treffen. Wir alle kennen jemanden, der Krebs hat oder hatte. Die Statistiken sind ernüchternd: Bei einem von drei Männern ist die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung sehr hoch. Viele von uns produzieren, z. B. mit einer Smartwatch, (Der Redner zeigt seine am Arm befindliche Smart- watch.) jeden Tag riesige Mengen von Gesundheitsdaten – eine wahre Datenschatztruhe, die nur darauf wartet, analysiert zu werden. Ein systematischer Einblick in diese Datensätze – ich meine damit Forschung – verbunden mit Kliniken, Ärzten und Krankenkassen erhöht die Heilungschancen von erkrankten Personen erheblich, auch und vor allem bei Krebs. Ja, Daten können also heilen. Historisch und technisch bedingt setzt jetzt jedes Klinikum, jede Arztpraxis und jede Krankenkasse das eigene Datensystem um. Die Herstellerangebote zielten dabei auf eine dauer- (Norbert Knopf) hafte Bindung des Kunden. Offene Schnittstellen zu Fremdsystemen blieben jedoch aus. Die Systeme sprechen ihre eigene Sprache. Durch diese Entwicklung entstand der Software-Flickenteppich, den wir heute im Gesundheitswesen haben. Somit fehlt uns eine längst überfällige Datenstrategie, die auf breiter Vernetzung basiert. Eine hervorragende Patientenversorgung ist nur dann garantiert, wenn alle Akteure im Gesundheitswesen miteinander vernetzt sind. Wenn Sie mich fragen, dann muss der Topdiagnostiker des Uniklinikums Heidelberg genauso Datenzugang haben wie der Hausarzt in Flensburg. So stellt sich ein Mensch mit chronischer Erkrankung einen entspannten Urlaub vor. Das heißt, dass Labore, Forschungseinrichtungen oder diagnostische Abteilungen sämtlicher Kliniken je nach Bedarf mit den Hausärzten, Krankenkassen und Gesundheitsämtern automatisch ihre Gesundheitsdaten austauschen, auch mit und aus Krankenhausinformationssystemen der Uniklinika oder anderer Kliniken. Leider zeigt das aktuelle Beispiel des DIVI-Intensivregisters, dass wir noch nicht sehr weit sind. Bei aller begrüßenswerten Zielsetzung in der Pandemie, aktuelle Daten zu haben, zwingt es doch alle Krankenhäuser Deutschlands täglich zu manuellen Eingaben, und zwar von Daten, die in den meisten Krankenhausinformationssystemen bereits vorhanden sind, und das schon seit zwei Jahren. Das erzeugt viel Frust bei den Krankenhäusern und ist eine Vergeudung von wertvollen Zeitressourcen; es fehlen einfach die standardisierten Schnittstellen. Unsere Universitätskliniken im Land – es sind mit dem Verbund nun fünf an der Zahl – sind international vernetzt. Warum sind es deren Daten noch nicht? Gestern hat die Europäische Kommission die Schaffung eines europäischen Gesundheitsdatenraums verkündet und auf den Weg gebracht. Diese Initiative bietet eine solche Architektur von miteinander interoperablen Informationssystemen. – Ich dachte eigentlich, Albrecht, dass du darauf anspielst. – Das bedeutet nicht, dass wir eine Lösung mit einem KIS finden müssen. Im Gegenteil: Wir brauchen Programme, die mit Gesundheitsdatenschnittstellen auf internationaler Ebene ausgestattet und verbunden sind. Medizinische Daten verschiedener Herkunft und Anwendung müssen künftig e i n e Sprache sprechen. Das heißt, dass sich Baden-Württemberg aktiv an der Schaffung und Gestaltung des europäischen Gesundheitsdatenraums auf EU-Ebene beteiligen sollte. Ein systematischer Austausch von Gesundheitsdaten, selbstverständlich bei Wahrung aller datenschutzrechtlichen Normen, kann uns allen so viele Vorteile bieten. Explodierende Kosten im Gesundheitswesen können durch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen gesenkt werden. Die Datenlage, etwa in Gestalt eines Impfregisters, kann uns helfen, Nebenwirkungen von Impfungen frühzeitig zu erkennen. Durch eine digitalisierte Krankenakte können alle Befunde eines Patienten zusammengetragen und maßgeschneiderte Therapien durchgeführt werden. Lassen Sie mich als verantwortungsbewusster Gesundheitspolitiker nochmals deutlich sagen: Die Zeiten von stummen periode – 36. Sitzung – Mittwoch, 4. Mai 2022 Insellösungen sind vorbei, liebe Kolleginnen und Kollegen. Daten können heilen. Wir benötigen die internationale Vernetzung medizinischer Daten, auch kompatibel eingebaut in die Krankenhausinformationssysteme. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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