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Klaus Burger

CDU 04.05.2022 Sitzungen 17/36

Sehr geehrter Herr Präsident, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über die Haltung von Tieren reden, dann stellen wir zwei gegensätzliche Entwicklungen fest: In immer mehr Haushalten gibt es immer mehr Tiere; gleichzeitig geht die Zahl der Nutztiere seit Jahrzehnten zurück. So nahm der Rinderbestand in Deutschland – Sie haben es gerade gehört – in den letzten 20 Jahren um 3,2 Millionen auf heute 11,3 Millionen Rinder ab. Es verändert den Blick einer Gesellschaft, wenn immer mehr Tiere quasi Familienmitglieder sind, andererseits aber Nutztierhalter fast zu Exoten werden. Bei über elf Millionen Einwohnern in Baden-Württemberg hatten wir 2020 noch 21 500 tierhaltende Betriebe; Tendenz stark fallend. Allein seit 2010 gaben 23,6 % aller Nutztierhalter auf – und darin sind die Betriebsschließungen der letzten 18 Monate, in denen es die schweinehaltenden Betriebe sehr schwer hatten, noch gar nicht erfasst. Manche Gruppierungen bejubeln diese Entwicklung; mir macht sie große Sorgen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Abg. Cindy Holmberg GRÜNE) Wer diese Entwicklung gutheißt, hat ganz sicher nicht alle Argumente bewertet. Der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten nimmt zwar ab, aber längst nicht in dem Maß, wie die Tierhaltung hier im Land abnimmt. Ergo: Immer mehr Erzeugnisse müssen eingeführt werden. Was das für den ökologischen Fußabdruck bedeutet, wissen wir alle, und dass wir für regionale Wertschöpfungsketten auch regionale Erzeuger brauchen, muss ich Ihnen auch nicht erklären. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) Tierhaltung hat kausale Zusammenhänge mit Kreislaufwirtschaft; Tierhaltung ist viel mehr als reine Produktion von Lebensmitteln. Ohne tierische Exkremente gibt es keinen Dünger für biologische Landwirtschaft; ohne Raufutterfresser wie Rinder, Schafe oder Ziegen gibt es kein Grünland und damit keine CO -Speicher und keine Artenvielfalt in den Streuobstwiesen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) Unsere Heimat ist geprägt von der Tierhaltung. Nur mit ihr und durch sie konnten hier abwechslungsreiche Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere entstehen. Neben Fleisch, Milch, Butter etc. finden wir in zahlreichen Gegenständen, die wir im Alltag nutzen, tierische Bestandteile. Wir vermuten oft nicht einmal, dass da tierische Stoffe enthalten sind – Medikamente, Klebstoff, Shampoo, Luftfilter, Kosmetika; überall sind tierische Bestandteile enthalten. Nicht zuletzt müssen wir auch die bereits erwähnten Haustiere ernähren. Bei aller Liebe: Hund und Katze vegan zu ernähren, das wäre nicht nur schwer möglich, sondern auch nicht artgerecht. Spätestens hier muss jedem klar werden: Wir brauchen Tierhaltung, und wir brauchen heimische Tierhaltung. Umgekehrt brauchen wir aber auch die Tierhalter, und diese brauchen wiederum ein auskömmliches Einkommen. Nur so (Klaus Burger) können sie die Betriebe aufrechterhalten und uns auch morgen noch mit guten Lebensmitteln versorgen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Wir brauchen die Akzeptanz und die Wertschätzung einer immer kritischeren Öffentlichkeit. Lautstarke Forderungen und immer stärkere Reglementierungen führen, wie der Antrag der Fraktion GRÜNE bewiesen hat, nicht zu mehr Tierwohl, sondern zum Höfesterben. Wenn es das Ziel ist, die Qualität der Tierhaltung weiter zu steigern, dann ist das nur über eine Veränderung der Haltungsbedingungen leistbar. Das löst enorme Investitionen in die Modernisierung bzw. den Neubau von Ställen aus. Aufgrund der derzeitigen Marktsituation können das die landwirtschaftlichen Familienbetriebe aber nicht allein leisten. Hier muss der Bund Wort halten – Stichwort Borchert-Plan, der vorhin angesprochen wurde – und Finanzierungsinstrumente anbieten. Der Erhalt der Nutztierhaltung in Baden-Württemberg sichert unsere Kulturlandschaft. Er ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Mit den Möglichkeiten der Digitalisierung, mit der Stärkung der Aus- und Weiterbildung schaffen wir vieles, aber ohne Bäuerinnen und Bauern wird es nicht gelingen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) Sie brauchen Planungssicherheit, sie brauchen auskömmliche Preise, und sie brauchen die Wertschätzung ihrer Arbeit. Diese Arbeit ernährt uns an 365 Tagen im Jahr. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und den Grünen)

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