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Joachim Steyer

AfD 07.04.2022 Sitzungen 17/35

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Vorab meine ganz persönliche Meinung zu der Debatte, die wir gerade geführt haben: Ich bin eigentlich mehr oder weniger fassungslos. Wir haben echt andere Probleme, und wir führen hier fast zwei Stunden lang Personaldebatten. Herr Lucha will ja jetzt nicht gerade zur AfD übertreten. Dann würde ich es ja noch verstehen. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung. (Heiterkeit und Beifall bei der AfD) Heute spreche ich auch als persönlich betroffener Handwerksmeister zu Ihnen. Viele Branchen leiden unter dem Fachkräftemangel, aber das Handwerk ganz besonders, und zwar schon seit Jahrzehnten. Im Jahr 1987 war mein damaliger Wohnort die Hansestadt Bremen. Ich hatte bereits meine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur und Klempner abgeschlossen und habe einige Zeit als Geselle gearbeitet. Zur damaligen Zeit waren die wirtschaftlichen Verhältnisse im Norden Deutschlands nicht die allerbesten. Das bedeutete, dass man als junger Geselle nicht das ganze Jahr Arbeit hatte. Um sich etwas für die Zukunft aufzubauen, war das aber definitiv zu wenig. Da kam die Meldung gerade recht, die über die Nachrichten verbreitet wurde, dass man im gesamten süddeutschen Raum dringendst Fachkräfte für das gesamte Handwerk sucht. Ich war jung, gesund und unabhängig. So stand mein Entschluss fest: Ich werde mein Glück im Süddeutschen suchen. Das ist jetzt 35 Jahre her. Seither hat sich einiges verändert. Was sich nicht verändert hat, ist nach wie vor der Fachkräftemangel. Man muss sich mal vorstellen: Selbst nach 30 Jahren Selbstständigkeit ist es für mich nahezu ausgeschlossen, einen guten, zuverlässigen und fleißigen Gesellen zu bekommen. Also muss man sich mit dem abfinden, was der Arbeitsmarkt eben so hergibt. Mit Auszubildenden verhält sich das im Übrigen nicht anders. Ich musste einen Einstellungstest machen, weil die Schulnoten den tatsächlichen Wissensstand nicht wiedergegeben haben. (Beifall bei der AfD) Kaum ein Bewerber kann die Grundrechenarten schriftlich erledigen, ganz zu schweigen von der einfachen Flächen-, Volumen- oder Prozentberechnung. Die Rechtschreibung hielt sich auch immer in Grenzen. Das ist in unserem Beruf jetzt nicht so wirklich wichtig. Aber es wäre doch von Vorteil, wenn ich wenigstens seine Handschrift lesen könnte. Das Ende vom Lied war, dass ich viele, viele Stunden mit den Auszubildenden Mathematik lernen musste, damit sie überhaupt den Hauch einer Chance hatten, in der Berufsschule mitzukommen. Leider darf einen das nicht wirklich überraschen, wenn in der Schule Gleichmacherei, links-grüne Gehirnwäsche und Gender-Gaga auf dem Lehrplan stehen. (Beifall bei der AfD) riode – 35. Sitzung – Donnerstag, 7. April 2022 Das sind aber keine Fähigkeiten, die im Berufsleben wirklich benötigt werden – außer vielleicht, wenn man eine Karriere als Berufspolitiker bei den Grünen anstrebt. (Heiterkeit bei der AfD) Meine Damen und Herren, was wir brauchen, sind Schulabgänger, die vernünftig lesen, schreiben und rechnen können, denen man auch Werte wie Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnung und Respekt vor dem Alter vermittelt hat, die auch ihre Pflichten kennen und nicht nur ihre Rechte. (Beifall bei der AfD) Seit einigen Jahren bilde ich nun nicht mehr aus und arbeite allein, weil ich mir dieses Theater mit den Auszubildenden einfach nicht mehr geben wollte. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Früher war alles besser!) Nach Aussagen meiner Kollegen hat sich daran bis heute nichts geändert. Auf meine Frage hin, ob ihre Auszubildenden denn überhaupt die Abschlussprüfung bestehen würden, antworteten mir meine Kollegen, dass der Fachkräftemangel inzwischen so groß geworden ist, dass der Gesellenbrief nach dem zweiten oder dritten Mal nicht bestandener Prüfung den Auszubildenden praktisch hinterhergeschmissen wird. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, dass so jemand bei Ihnen zu Hause die Gasleitung oder, wie Sie es wollen, in naher Zukunft die Wasserstoffleitung verlegt und die Elektrik installiert. Da kann ich Ihnen nur viel Glück und ein langes Leben wünschen. (Beifall bei der AfD) Der Politik war sehr wohl bewusst, auf welche Katastrophe wir da zusteuern. Aber außer leeren Worthülsen kam von den politisch Verantwortlichen praktisch nichts. Ansonsten hätten wir nicht diesen Zustand. Die Politik hat jahrelang ein falsches Bild nach außen gezeichnet und der Bevölkerung den Eindruck vermittelt, dass das Abitur ein absolutes Muss ist. Die Folge ist, dass immer mehr Schulabsolventen eine Studienberechtigung erhalten. Wenn ich aber über meine gesamte Schulzeit nachdenke, dann waren es immer lediglich 10 bis 15 % meiner Mitschüler, die sich von der breiten Masse abgehoben haben. Diesen Schülern ist das Lernen immer besonders leicht gefallen. Diese Schüler sind auch geeignet, das Abitur und das Studium zu machen – und das ist auch gut so. Denn es sollte jeder die Ausbildung erhalten, die wirklich seinen Fähigkeiten entspricht. Im Übrigen trifft dieser Punkt im Besonderen auf viele Politiker unseres Landes zu. (Beifall bei der AfD) Jedes Land auf dieser Erde funktioniert im Prinzip wie ein Ameisenstaat. Man braucht in allererster Linie Arbeiter und nur wenige Könige. Aber heute soll und will jeder König werden. Das kann aber nicht funktionieren. Leider haben Sie, meine lieben Kollegen, genau das nicht verstanden. Indem Sie meinen – – (Zuruf) – Ja, spitzen Sie mal die Ohren. Das ist die Wirklichkeit – (Joachim Steyer) (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Nein! Das ist Un- sinn!) und nicht so, wie Sie sich diese vorstellen. (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Das ist völliger Un- sinn! Das ist fachwissenschaftlich Unsinn! – Beifall der Abg. Andrea Bogner-Unden GRÜNE – Vereinzelt Lachen – Weitere Zurufe, u. a. der Abg. Andrea Bogner-Unden GRÜNE) – Welche berufliche Qualifikation und Erfahrung haben Sie, um sagen zu können, dass ich hier Quatsch rede? (Abg. Bernd Gögel AfD: Da trifft die Theorie auf Pra- xis! – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Das kann ich Ihnen ausführen, aber an anderer Stelle! Das ist völliger Unsinn!) – Da bin ich ja mal gespannt. Leider haben Sie, meine lieben Kollegen, genau das nicht verstanden, wenn Sie meinen, mit der Meisterprämie den großen Wurf gelandet zu haben. (Zurufe der Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke und Dr. Timm Kern FDP/DVP) Wenn Sie aber wirklich der Meinung sind, dass die Meisterprämie so viel bringen würde, dann frage ich Sie, warum Ihnen die Meisterprämie lediglich 4,5 Millionen € für das gesamte Jahr 2022 wert ist. (Zuruf von den Grünen) Wenn wir nämlich nicht genügend Gesellen haben, (Abg. Thomas Dörflinger CDU: Es gibt jetzt mehr Meister als vorher!) dann werden Ihre gesamten Vorhaben niemals realisiert werden, (Zuruf) angefangen bei der Energiewende bis hin zum groß angelegten Wohnungsbau. Viele Politiker können sich offenbar nicht vorstellen, dass man auch als einfacher Geselle glücklich und zufrieden ist und nicht seinen Meister oder Techniker machen will. Das sind im Übrigen Erfahrungen und Ansichten, die nicht nur meine Kollegen aus meinem persönlichen Umfeld teilen, (Zuruf: Aha!) nein, (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Die von der Hand- werkskammer kriegen gerade Pickel!) das sind auch Erfahrungen von Unternehmen wie der Firma Hager, die ich im letzten Jahr in Straßburg mit unserer von mir persönlich sehr geschätzten Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut besuchen durfte, (Abg. Felix Herkens GRÜNE: Hört, hört!) eriode – 35. Sitzung – Donnerstag, 7. April 2022 die Ihnen das mit Sicherheit in vielen Punkten auch bestätigen kann. Auch die ein bis zwei Millionen angeblichen Fachkräfte, die seit 2015 unser Land beglücken, (Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD) haben nicht wirklich zur Entlastung unseres Fachkräftemangels beigetragen. (Oh-Rufe – Abg. Dr. Christian Jung FDP/DVP: Jetzt kommt schon wieder das! – Gegenruf des Abg. Mi- guel Klauß AfD: Die Wahrheit kommt immer wieder! – Gegenruf des Abg. Dr. Christian Jung FDP/ DVP) Fachkräfte sind nämlich Menschen, die fertig ausgebildet sind. Ich kenne keine einzige fertig, voll ausgebildete, unseren Anforderungen entsprechende Fachkraft, (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Auch das ist voll für die – –! – Zuruf des Abg. Dr. Christian Jung FDP/ DVP) die auch nur einer meiner Kollegen beschäftigt hat. (Zuruf: Sehr gut!) Aber unser neuer Wirtschaftsprofi Robert Habeck (Zuruf von der AfD: Ha, ha!) hatte ja bereits vor dem Ukrainekrieg die Lösung für unser Problem, und die heißt: noch mehr Zuwanderung aus aller Welt. (Abg. Dr. Christian Jung FDP/DVP: Idiot!) Zwar bedeutet das, dass wir dann im Umkehrschluss noch mehr echte Fachkräfte benötigen, weil diese Menschen zuerst einmal neuen Wohnraum beanspruchen, (Zuruf des Abg. Dr. Christian Jung FDP/DVP) für dessen Bau es vor allem Fachkräfte braucht, aber – wie wir alle wissen – Grüne und Logik sind wie Feuer und Wasser. (Beifall bei der AfD) An dieser Stelle möchte ich betonen, dass wir unsere ukrainischen Gäste (Staatssekretär Dr. Patrick Rapp: Sagen Sie noch was zum Inhalt?) aus der Fachkräftedebatte heraushalten sollten. Denn ich kann die alte AfD-Forderung nach einer klaren Trennung von Asyl und Arbeitsmigration hier nur wiederholen. Das sind jetzt tatsächliche Kriegsflüchtlinge. Natürlich könnte man die Berufsabschlüsse ukrainischer Kriegsflüchtlinge möglichst rasch und unbürokratisch anerkennen, aber die meisten von ihnen wollen so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurück. Frauen, Kinder und Senioren werden kaum die Lücken – zumal im Bauhandwerk – dauerhaft schließen. (Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD) (Joachim Steyer) Meine Damen und Herren, anstatt über 20 Millionen € für eine peinliche wie ebenso nutzlose „THE LÄND“-Kampagne auszugeben, wäre das Steuergeld der Bürger in einer groß angelegten Werbekampagne für das Handwerk mit Sicherheit wesentlich besser angelegt gewesen. (Beifall bei der AfD) An dieser Stelle sage ich Ihnen noch einmal ganz klar: Auf noch mehr Politiker und Bürokraten kann dieses Land sehr wohl verzichten. (Beifall bei der AfD) Aber ohne das Handwerk würde es zugrunde gehen. Fassen wir also aus meiner Sicht einmal die Ursachen und gleich auch die passenden Lösungsvorschläge zusammen, die ich als Praktiker mit 40 Jahren Berufserfahrung vorschlage: Erstens: In der Schule wird viel zu wenig Wert auf die Vermittlung der richtigen Werte gelegt. Damit kommt man vielleicht durch die Schule, aber nicht durchs Berufsleben. Zweitens: Jugendliche schulisch so fit machen, dass sie gut auf die Berufsschule vorbereitet sind. Drittens: Der Jugend wird oft ein falsches Bild davon vermittelt, was Studierte und Handwerker verdienen und wie die Jobchancen jeweils stehen. Es braucht ein Überdenken der Zugangsvoraussetzungen zum Studium und Werbekampagnen, um die Chancen des Handwerks bekannter zu machen. Auch das Image der dualen Ausbildung muss deutlich aufgebessert werden. Viertens: Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, die es jungen gesunden Menschen erschweren, sich in der sozialen Hängematte Deutschlands auszuruhen, nach der Devise: keine Leistung, kein Geld. Fünftens: In diesem Zusammenhang gilt auch, dass sich Arbeit wieder lohnen muss. Außerdem sollten die Gehaltsunterschiede zwischen Industrie und Handwerk abgebaut werden. Ein großer Teil der Gesellen wandert in die Industrie ab, weil die Verdienstmöglichkeiten bis zu 50 % besser sind, und die Gesundheit bleibt dort auch nicht so auf der Strecke. Wir fordern daher eine Entlastung bei der Einkommen- und Lohnsteuer. Wir wollen, dass im Handwerk ein Gehalt bis zu einer Höhe von 2 500 € monatlich steuerfrei bleiben soll. (Beifall bei der AfD) Der hart arbeitende Handwerker braucht mehr Netto vom Brutto, gerade in Zeiten stark steigender Inflation. Ebenso soll, um das Handwerk attraktiver zu machen, (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) der Rentenanspruch nach 40 Jahren Einzahlung ohne Abschlag garantiert werden. Es ist keinem Bauhandwerker zuzumuten, nach 40 Jahren harter körperlicher Arbeit noch einen einzigen Tag länger arbeiten zu müssen. (Der Redner schlägt mit der Hand auf das Redepult. – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Nicht kaputt ma- chen!) riode – 35. Sitzung – Donnerstag, 7. April 2022 Den meisten Kollegen in meinem Alter geht es so wie mir: Wir sind kaputtgearbeitet. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Sieh mal an!) Es gibt so gut wie keinen Morgen, an dem ich aufstehe und mir nicht alles wehtut. Und, meine Damen und Herren, nicht zuletzt müssen wir endlich dahin kommen, dass sich die politisch Verantwortlichen mit den kleinen Handwerksbetrieben zusammensetzen und sich deren Sorgen anhören. (Zuruf des Abg. Dr. Christian Jung FDP/DVP) Denn das sind diejenigen, die die wirklichen Probleme und Lösungsansätze kennen; nicht die von Ihnen zwangsfinanzierten Theoretiker der Handwerkskammern, bei denen Politiker so gern ein und aus gehen. (Heiterkeit des Abg. Bernd Gögel AfD) Lassen Sie sich eines gesagt sein: Das Handwerk braucht Sie nicht, (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Wir brauchen Sie nicht!) aber Sie brauchen das Handwerk. Danke schön. (Beifall bei der AfD – Staatssekretär Dr. Patrick Rapp: Ist er fertig? – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Das war so viel Unsinn, auch inhaltlich!)

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