Alfred Bamberger
Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Sie kommen in einen abgedunkelten Raum hinein, Sie hören dort das Rauschen des Meeres, Sie sehen den Strand und die Wellen des Mittelmeers als Projektion an der Wand – und Sie werden aufgefordert, sich vorzustellen, wie viele Menschen auf der Flucht im Mittelmeer den Tod gefunden haben. (Zuruf: Ah ja!) Dies alles ist der Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise. Das Linden-Museum hat angeblich Platzprobleme. Für diese Installation hat das Linden-Museum 2016/2017 einen ganzen Raum zur Verfügung gestellt, denn von solchen weltentscheidenden Wahrheiten dürfen natürlich nicht etwa irgendwelche profanen Objekte ablenken. Was soll diese Installation bedeuten? Ist es Kunst? Dann hat sie aber in einem ethnologischen Museum nichts zu suchen, denn Ethnologie ist eine Wissenschaft. Ist es vielleicht doch Wissenschaft? Ist es sicherlich nicht, denn es bezieht sich nicht auf eine wissenschaftliche Wahrheit. Wer in ein Boot steigt, um durchs Mittelmeer zu fahren, ist dafür selbst verantwortlich. Wenn er sich davon Vorteile verspricht, gut, dann macht er es. Wenn er dabei umkommt, hat er sich möglicherweise schlicht in seiner Annahme geirrt. (Unruhe – Abg. Erwin Köhler GRÜNE: Was? – Wei- tere Zurufe von den Grünen, u. a.: Unglaublich!) Wissenschaft ist das sicher nicht. Wenn es also Kunst ist: Hat ein ethnologisches Museum die Aufgabe, Kunst zu präsentieren? Welches ist hier die Expertise des Künstlers? Oder ist diese Installation gar moralische Suggestion? Meine Fraktion hat sich an verschiedenen Stellen und in den verschiedensten Zusammenhängen gegen die moralische Indoktrinierung in der Kunst ausgesprochen. Kunst kommt von Können, nicht von Moral oder Gesinnung – und schon gar nicht von Indoktrination. (Beifall bei der AfD) Wer Kunst mit moralischem Anspruch überfrachtet, verkennt die Bedeutung und die Wirkungsweise der Kunst. Wir haben hier darauf aufmerksam gemacht: Kunst ist eine Tochter der Freiheit, aber der Freiheit nicht im profanen Sinn, nicht im Sinne von „Hausarrest – ja oder nein?“, sondern Freiheit als Freiheit von Gesetzmäßigkeiten der physischen Welt einerseits und Freiheit von moralischen Forderungen andererseits. Eine moralische Indoktrination widerspricht dem Wesen der Kunst. Sie dient nur parteipolitischen Partikularinteressen linker Parteien. eriode – 34. Sitzung – Mittwoch, 6. April 2022 (Beifall bei der AfD) Der SPD und den Grünen dient gerade die Neukonzeption der ethnologischen Museen, die wir gerade in vielen Städten beobachten, der parteipolitischen und moralischen Profilierung und Indoktrinierung. Wir haben es hier mit einem Huldigungswettlauf im geschlossenen Zirkel zu tun. Den macht die AfD nicht mit. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Sehr gut!) „Chance für eine neue Rolle Baden-Württembergs in einer globalen Kulturpolitik“ – ein globaler Anspruch. Nichts weniger als Weltpolitik möchte die SPD im Stuttgarter Landtag hier betreiben. Der Expo-Pavillon in Dubai, bei dem die Wirtschaftsministerin 15 Millionen € auf Kosten des Steuerzahlers in den Sand gesetzt hat, reicht der SPD nicht aus. Sie möchte auch noch in Kultur Weltpolitik betreiben. (Zuruf des Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE) Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Stuttgart nicht die Bundeshauptstadt ist, (Vereinzelt Heiterkeit bei der AfD) dass Baden-Württemberg gar nicht die Aufgabe hat, auf Kosten des Steuerzahlers Weltpolitik zu betreiben? Noch einmal: Ihre Art von Weltpolitik ist ein Huldigungswettlauf – im geschlossenen Zirkel. Frau Theresia Bauer ist jüngst zur Wissenschaftsministerin des Jahres gewählt worden. Hierzu nachträglich meinen Glückwunsch. Es wird Geld in verschiedene Projekte gepumpt, seien es Museumsneubauten oder Cyberprojekte. So machten Sie sich bei einer vermeintlichen und selbst ernannten intellektuellen Elite beliebt. Bei den Debatten um die Neukonzeptionen der ethnologischen Museen handelt es sich vor allem um eine parteipolitische Instrumentalisierung von Wissenschaft und Forschung durch linke Parteien. Sie möchten sich selbst als weltoffen und tolerant zeigen und die rechten Parteien, insbesondere natürlich uns, als latent oder offen rassistisch diffamieren. (Zurufe von den Grünen, u. a.: Genau!) – Sie bestätigen meine Aussage. – Aber natürlich alles auf Kosten des Steuerzahlers, ja? (Zuruf von den Grünen) Die Konsequenz davon ist, dass Leute, die einen bodenständigen Beruf haben, gar nicht mehr in solche Museen gehen. Sie wollen sich nicht auf die beschriebene Weise moralisch indoktrinieren lassen. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Wir von der AfD halten es insbesondere für schädlich, wenn die Grenzen zwischen Kunst, Kultur und Wissenschaft nach Belieben, nach politischer Agenda hin- und hergeschoben werden. (Abg. Dr. Christian Jung FDP/DVP: Haben Sie Angst vor Museen?) (Alfred Bamberger) Ethnologie ist Wissenschaft, Völkerkunde die Kunde von verschiedenen Völkern. Natürlich können und müssen wir heute vieles anders begreifen. Wir haben andere Möglichkeiten des Reisens. Die Menschen aus den Herkunftsgebieten der Ausstellungsobjekte kommen zu uns. Dadurch werden diese Objekte lebendig, sie sprechen zu uns. Eine Ethnologie, die den Schädeldurchmesser der Wilden vermisst und daraus Rückschlüsse zu ziehen versucht, ist nicht mehr zeitgemäß. (Abg. Alexander Salomon GRÜNE: War sie denn je- mals zeitgemäß?) – Nein, war sie natürlich nicht. Wollen Sie hier mit mir in eine wissenschaftliche Diskussion – – (Abg. Alexander Salomon GRÜNE: Sie haben gera- de gesagt: „Ist nicht mehr zeitgemäß“! Das ist der Umkehrschluss Ihrer Aussage!) – Ist nicht mehr zeitgemäß. Man hat es gemacht. Punkt. Man hat es gemacht. (Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE: Wann war das zeitgemäß?) – Das ist doch gar nicht die Frage. Die Frage ist: Hat man es gemacht oder nicht? (Vereinzelt Lachen – Glocke des Präsidenten)
