Erwin Köhler
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Die Ereignisse der vergangenen Tage, ja jetzt schon Wochen, in der Ukraine lassen uns alle fassungslos zurück. Jetzt rede ich hier im Landtag zur Kultur und über ein Museum in der Landeshauptstadt Stuttgart. Mir und Ihnen allen ist bewusst: Kunst und Kultur allein können Krieg und Gewalt nicht verhindern, aber sie können einen wertvollen Beitrag für einen gelebten interkulturellen Dialog und eine friedliche Völkerverständigung leisten. Das Linden-Museum geht als wichtiger Vorreiter voran. Auch deshalb ist Kunst und Kultur in schwierigen Zeiten ein wichtiges Thema. (Beifall bei den Grünen und der SPD sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Museen sind ein Spiegel der Zeit; sie ermöglichen uns Einblicke in die prägenden Ereignisse und Lebenswelten unterschiedlicher Menschen und Gesellschaften. Museen sind darüber hinaus Orte der Reflexion. Das Linden-Museum dient auch hier als bestes Beispiel. Wir werden hier eingeladen, alte Denkmuster und bisherige Deutungshoheiten zu hinterfragen und einen neuen Blick auf unsere Vergangenheit zu werfen, Stichwort „Schwieriges Erbe“. Ich konnte mich von der herausragenden Arbeit des Linden-Museums auch schon persönlich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen des Arbeitskreises bei einer Vor-Ort-Besichtigung des Gebäudes und einem Besuch der Ausstellung im vergangenen Jahr überzeugen. Die Direktorin, Frau de Castro, leistet – wie Sie richtig sagen, Herr Rivoir – mit den Mitarbeitenden außergewöhnliche Arbeit und etabliert neue, innovative und partizipative Methoden für die Museumsarbeit, beispielsweise auch mit der Arbeit des LindenLAB. Das Museum genießt daher verdientermaßen ein besonderes Ansehen in ganz Deutschland. Auch unsere grüne Kulturstaatsministerin Claudia Roth machte bei ihrem Antrittsbesuch als Allererstes Halt im Linden-Museum und zeigte dessen – auch sich selbst hinterfragenden – Stellenwert für die Kultur in Deutschland. Die gesellschaftliche Relevanz des Linden-Museums ist also unbestritten. Es ist ebenfalls unbestritten, dass Handlungsbedarf besteht, um dem Museum und seinen Mitarbeitenden eine zeitgemäße Unterbringung zur Verfügung zu stellen. Aber die Fragestellung nach einem neuen Gebäude ist äußerst komplex. Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden, etwa die Barrierefreiheit sowie die baulichen und klimatechnischen Standards bei der Lagerung der Kunstgegenstände und Artefakte. Gut ausgebildete Fachkräfte und die Direktorin sind wichtig für den Kulturstandort Baden-Württemberg. Wir werden alles dafür tun, sie zu halten – wir sind froh, dass sie gekom- (Erwin Köhler) men und geblieben ist – und ihnen eine entsprechende Arbeitsatmosphäre zu bieten. Auch Barrierefreiheit ist nicht nur eine Kür, sondern muss selbstverständlich sein. Das ist wegen der momentanen Bausubstanz nicht gegeben. Die von Ihnen angesprochenen Probleme sind bekannt. Deswegen gibt es Gespräche, und die Suche nach dem richtigen Ort läuft. Der Ball liegt aktuell bei der Stadt Stuttgart. Das Land ist hier ganz klar in seinen Äußerungen. Der Schutz der Kulturgüter durch die richtige Lagerung ist notwendig, um sie auch für nachfolgende Generationen zu erhalten, besonders wenn wir Kunst- und Kulturgegenstände beherbergen, die uns vielleicht gar nicht zustehen, Stichwort „Schwieriges Erbe“. Das Land kann weder den Standort noch das Vorgehen allein bestimmen. Es geht nur zusammen mit der Stadt Stuttgart. Auch der Mangel an geeigneten Bauflächen ist kein neues Problem. Das Museum auf eine neue Fläche in der Innenstadt zu bauen würde bedeuten, dass diese Fläche nicht mehr für Wohnraum genutzt werden kann. Aber Sie können sicher sein, dass alle Akteure gewillt sind, hier eine gute und eine nachhaltige Lösung zu finden. (Beifall bei den Grünen) Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart stehen hier gemeinsam in der Pflicht. Wir erkennen dabei den hohen Wert des Linden-Museums für Stuttgart, Baden-Württemberg und Deutschland an und unterstützen den Prozess eines Neubaus oder einer Unterbringung in geeigneten Räumen deshalb tatkräftig. Unsere Fraktion begleitet diesen Prozess und steht dabei auch in engem Austausch mit Frau Direktorin Inés de Castro. Dem Linden-Museum als ethnologischem Museum steht nicht nur eine bauliche Veränderung bevor, sondern auch eine thematische Neuausrichtung. Wie soll das Konzept zukünftig aufgestellt sein? Soll es in Zukunft auch Linden-Museum heißen? Wie wirkt die Arbeit des Museums in die Gesellschaft hinein? Dieser Frage und vielen weiteren Fragen wird intern und auch unter Beteiligung der Öffentlichkeit und der Besucherinnen und Besucher nachgegangen. Das finden wir absolut richtig. Denn auch die Besucherinnen und Besucher werden mit in diesen Prozess einbezogen und nach ihrer Meinung gefragt. Das Museum lebt dadurch bereits jetzt eine ganz neue Form der Zusammenarbeit und des Zusammenspiels von Präsentation und Partizipation. Ausstellungen werden durch Kooperationen mit den Herkunftsgesellschaften und den beteiligten Communitys vor Ort gemeinsam konzipiert und gestaltet. Das ist gelebter interkultureller Austausch auf Augenhöhe, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen) Diese Prozesse und Entwicklungen sind nicht nur für das Linden-Museum, sondern auch für die gesamte Kulturbranche wichtig. Das Linden-Museum hat die einzigartige Chance, seine bundesweite Vorreiterrolle weiter auszubauen. Dafür braucht es aber nicht nur eine bessere Infrastruktur. Wir müssen im gleichen Maß die notwendigen Entwicklungen voranperiode – 34. Sitzung – Mittwoch, 6. April 2022 treiben und die Mitarbeitenden des Museums bei ihrer wertvollen Arbeit bestmöglich unterstützen. Dafür setze ich mich als kulturpolitischer Sprecher meiner Fraktion gemeinsam mit dem Ministerium ein. Ich danke der SPD und Ihnen, Herr Kollege Rivoir, für die Aktuelle Debatte zu diesem relevanten Thema. Ich freue mich, dass wir zusammen für eine weiterhin gute Rolle Baden-Württembergs in einer globalen Kulturpolitik kämpfen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU)
