Martin Hahn
Vielen Dank, Herr Präsident, für das Wort. – Herr Minister, vielen Dank für die Geraderückung. Ich sage einmal, was uns – vielleicht – trennt; es sind eigentlich nur Nuancen. Herr Minister Özdemir hat die 4 % für das kommende Jahr ja schon freigegeben. Darüber kann man sich unterhalten, und man kann sich auch darüber unterhalten, was das qualitativ mit uns macht – ob wir die Flächenstilllegung also freigeben sollten oder nicht. Das ist, glaube ich, ganz unwesentlich. Aber wenn man heute von Produktionssteigerung spricht: Herr Kollege Heitlinger, wenn sich der Preis für Dünger vervierfacht hat und der Pflanzenschutz entsprechend ebenso teuer ist, dann muss man wissen, dass die Produktionswelt heute völlig anders aussieht, als sie noch letztes Jahr ausgesehen hat. Deswegen braucht man ganz andere Strategien. Wenn man über Welternährung philosophiert und dabei links blinkt und rechts abbiegt – um es mal so zu sagen –, dann muss man wissen, dass 70 % der Weltbevölkerung von bäuerlicher Landwirtschaft leben, von Landwirtschaft, die noch ganz anders aussieht als bei uns, und dass nur 30 % von dieser Form der Landwirtschaft, wie wir sie aus Nordeuropa, aus Russland und der Ukraine kennen, leben. Das ist die Wirklichkeit beim Thema Welternährung. Wenn wir die Welternährung weiterdenken, Herr Minister, dann – das wissen Sie auch – ist in dem Moment, in dem der Weizenpreis steigt, das eigentlich Interessante, diesen Weizen zu verbrennen und zu Ethanol zu machen – und zwar deswegen, weil dieser Preis direkt mit dem Ölpreis korreliert. Das sind die Wirklichkeiten. Der Hunger wird kommen – sehr wahrscheinlich –, aber er wird deshalb kommen, weil der Ölpreis so hoch ist und deswegen Weizen verbrannt wird. Das ist die Wirklichkeit bei der Frage, wo wir denn stehen. Deswegen brauchen wir langfristig völlig andere Strategien, (Beifall bei den Grünen) Strategien, die die bäuerliche Landwirtschaft wieder in den Mittelpunkt rücken. Wenn man so tut, als würde bis heute nichts passieren, dann will ich Ihnen sagen: 18 % der bundesweiten Agrarfläche werden für Biogas und Bioethanol verbraucht. (Abg. Udo Stein AfD: Wer hat das angefangen?) – Ja, das waren wir. Kein Problem. (Lachen bei der AfD – Abg. Gabriele Rolland SPD: Da sind sie klüger geworden! – Unruhe) – Herr Stein, ich übernehme die Verantwortung dort, wo ich sie habe. Wir haben damit angefangen, und das hat sich dann hochgeschraubt. Nun sind wir in einem Bereich, in dem wir nicht mehr sein wollen; es wird aber weniger. Wenn man heute von 2 % zusätzlicher Fläche für regenerative Energien spricht, dann ist das deutlich weniger als das, was in den nächsten Jahren aus der Biogasproduktion herausfällt. (Martin Hahn) Deswegen stellt sich gar nicht die Frage: Fotovoltaik oder – – Energie oder Lebensmittel? Diese Frage gibt es so nicht, sie ist an den Haaren herbeigezogen. – Bei mir wird es mit den Haaren schwierig. – Tatsächlich kann man die nur konstruieren; in Wirklichkeit gibt es eine solche Frage nicht, und wir müssen ernst nehmen, dass das so ist. Wenn wir das weiterführen, wenn wir so weiterdenken, dann heißt das: Das Einzige, was uns hilft, ist Effizienz in der Nutzung. Effizienz in der Düngernutzung führt dazu, dass es ökologischer wird. Effizienz in der Flächennutzung: Damit wird es hybrider, und damit kommen wir in eine ganz andere Welt. (Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Und Effizienz – auch im Denken, Herr Baron – – Ich muss ganz ehrlich sagen: Nur wenn wir in der Lage sind, diese Welt so zu denken, dass sie sozusagen beides kann, und wir nicht in einem Ausschluss sind – Herr Minister, das haben Sie richtig formuliert –, nur dann werden wir bei den Anforderungen, die diese Welt an uns stellt, gewinnen. (Beifall bei den Grünen) Ich bin daher überzeugt, dass wir null Konflikt haben. Wenn wir es genau ausrechnen – – Wer rechnen kann, der weiß – Herr Heitlinger –: Das größte Problem in Europa und in der Welt ist die Lebensmittelverschwendung. (Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Martin Grath GRÜNE: Bravo!) Zwei Millionen Hektar-Äquivalent schmeißt Deutschland weg. Wer etwas tun will gegen den Hunger in der Welt, braucht effiziente Gesetze gegen Lebensmittelverschwendung. Es reicht nicht, Plakate in die Luft zu hängen; das bringt überhaupt nichts. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD – Zuruf von den Grünen: Bravo!)
