Dr. Markus Rösler
Ich danke Ihnen, Herr Präsident. – Also, es ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Aber eines muss uns schon klar sein: Es ist eine Erfolgsgeschichte, weil wir den Biber nicht mehr jagen, ihn nicht mehr verfolgen, ihn nicht mehr abschießen. Das sind die Hauptursachen. Der Biber ist sehr, sehr anpassungsfähig. Ich weiß nicht, ob Sie von dem letzten Bibervorkommen in Mitteleuropa im Steckby-Lödderitzer Forst wissen. In den Siebzigerjahren existierten die Biber dort, wo der dreckigste Fluss Europas war: die Mulde – weltweit berühmt. Das war in der damaligen DDR. Damals, Herr Präsident, habe ich mich das erste Mal mit diesem Tier wissenschaftlich beschäftigen dürfen. Es wurde u. a. in Abzugsgräben in Kleinmachnow in Brandenburg festgestellt, wo jemand, als er morgens aufstand, feststellte, dass sein Vorgarten anders aussah, weil dort aus einem Abzugsgraben heraus Niederstammobstbäume – wenn auch nur solche Bäume – gefällt worden waren. Deshalb sage ich: Der Biber ist ökologisch außerordentlich anpassungsfähig. Das sehen wir jetzt insbesondere in Oberschwaben, aber auch in einigen anderen Landesteilen, wo sich dieses Tier in enormer Geschwindigkeit ausgebreitet hat. Der Kollege Hoher hat darauf völlig zu Recht hingewiesen. Der Biber ist ein genialer Baumeister, wirklich ein genialer Baumeister, von dem wir als Landschaftsgestalter manchmal etwas lernen können. Es gibt in Europa keine andere Tierart, die so stark Einfluss auf die Gestalt der Landschaft nimmt, wenn wir z. B. – wie in manchen Bundesländern – abgestorbene Bäume sehen. Manchmal gefällt uns Menschen das, wenn es in einem Naturschutzgebiet ist. Aber gar nicht gefällt es einem Privateigentümer dort, wo er vielleicht ein Waldstück hat oder eine Fläche landwirtschaftlich bewirtschaftet, bzw. einer Kommune dort, wo sie einen Feldweg hat. Deswegen ist es zwar Natur, aber wie so manches Mal ist das Verhältnis von Natur und Mensch so, dass die Natur das macht, was uns nicht gefällt. So ist der Biber also ein gutes Beispiel dafür, wie unser Mensch-Natur-Verhältnis insgesamt ist und wie wir damit umgehen. Jetzt muss ich allerdings sagen: Den Antrag der FDP/DVP mit dem Vorschlag der Einrichtung eines Entschädigungsfonds haben wir im Finanzausschuss bereits bei zwei Einzelplänen behandelt. Der Entschädigungsfonds zielt zwar darauf ab, gerechtfertigte Ansprüche – das sage ich durchaus – behandeln zu wollen, aber er ist das falsche Instrument. Wenn wir einen Entschädigungsfonds für den Biber einrichten, kommen wir in Teufels Küche, iode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 (Abg. Jonas Weber SPD: Was?) in Teufels juristische Küche. Warum? Wenn wir das machten, hätten an anderer Stelle Waldbesitzer, die Schäden durch große Tiere wie Hirsche haben, ebenfalls Entschädigungsansprüche. Oder bei kleinen Tieren wie dem Maiswurzelbohrer hätten die Maisbauern Entschädigungsansprüche – nach der gleichen Logik. (Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/DVP: Um wie vie- le Maiswurzelbohrer handelt es sich denn hier?) Das heißt, wenn wir einen Entschädigungsfonds schaffen, haben wir einen Präzedenzfall, den wir nicht haben wollen und aus juristischen Gründen auch nicht schaffen sollten. (Zuruf: Gibt es in Bayern andere Juristen?) – In Bayern ist die rechtliche Situation – Sie dürfen auch gern eine Zwischenfrage stellen; dagegen habe ich gar nichts – deswegen eine andere, weil – wie der Kollege Hoher ebenfalls zu Recht festgestellt hat – die Biber dort ausgesetzt worden sind – mit einem Stempel des Landes Bayern. Stempel, Unterschrift Land Bayern: Wir setzen frei. Deswegen gibt es dort einen Entschädigungsfonds und Rechtsansprüche. Das Land Baden-Württemberg hat, egal, unter welcher Regierung – auch unter Schwarz-Gelb –, zu keinem Zeitpunkt gesagt: Stempel; wir setzen ihn aus. Deswegen ist die juristische Situation eine andere. (Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/DVP: Dann woh- nen Sie doch in Bayern!) Wir werden Ihren Antrag deswegen ablehnen, weil der Weg der völlig falsche ist, und werden hier einen eigenen Antrag – (Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/DVP: Wann denn?) das kündige ich hiermit an – zum Thema Biber einbringen, mit dem wir das Modellprojekt von morgen – die Umweltministerin und der Landwirtschaftsminister gemeinsam; CDU und Grüne arbeiten da nämlich gut zusammen – (Zurufe, u. a. Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/DVP: Ach, das war das Thema! – Vereinzelt Heiterkeit und Beifall) auf den Weg bringen. Morgen ist einer dieser Termine, an denen es um den Biber geht – sinnvollerweise in Biberach –, (Vereinzelt Lachen – Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/ DVP: Sehr clever!) und da wird es um die Frage gehen, wie und auf welche Art und Weise wir mit dem Bibermanagement professioneller als vorher umgehen. – In diesem Konzept ist übrigens, Kollege Hoher, die sogenannte letale Entnahme – das ist ein Euphemismus; das heißt Abschießen und nichts anderes – auch mit dabei. Das wird da alles geprüft, und wir gehen an all das heran. Wenn ich es ganz zum Schluss – ich bin ja ein bisschen unterbrochen worden – noch sagen darf – da ging es bei Ihnen um die Frage der Populationsdynamik, Kollege Hoher –: Die Beute reguliert den Beutegreifer. Deswegen ist es auch bei der (Dr. Markus Rösler) Schleiereule und bei anderen Tieren so, dass, wenn das Beutevorkommen sinkt, auch die Population des Beutegreifers abnimmt. Das ist auch beim Biber so: Wenn die Lebensräume genügend ausgenutzt sind, dann wird seine Population, wie in anderen Bundesländern auch, tatsächlich irgendwann nicht mehr nach oben gehen. (Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/DVP: Wann ist der Peak?) Wann wir trotzdem eingreifen, ist eine andere Frage, die gerechtfertigt ist. Deswegen haben wir das Modellprojekt. Das ist ein gutes Projekt, und dazu werden wir noch einen Antrag erarbeiten. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU)
