Gernot Gruber
Seine Rede war so unqualifiziert, dass ich heute keine Zwischenfrage zulassen will. (Beifall bei der SPD sowie Abgeordneten der Grünen und der CDU – Lachen bei Abgeordneten der AfD – Zurufe von der AfD, u. a. Abg. Udo Stein: Kein Wort zum Thema gesagt!) Auch ich wünsche mir eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung in Baden-Württemberg, mit so viel regenerativer Energie wie möglich und so viel importierter Energie wie nötig – sprich: Wir müssen in Baden-Württemberg, wir müssen in Deutschland deutlich mehr regenerative Energie erzeugen. Aber wir müssen auch den Zusammenhang insgesamt in Europa und in der Welt sehen (Abg. Ruben Rupp AfD: Maximal erpressbar! – Zu- ruf des Abg. Anton Baron AfD) und schauen, wie wir zu einer verlässlichen Energieversorgung kommen und den Anforderungen des Klimaschutzes wie auch der technischen Entwicklungen gerecht werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns mal auf den Stand der Energieversorgung in Baden-Württemberg schauen. Beim Strom verbrauchen wir rund 70 TWh im Jahr; das sind 70 Milliarden kWh. Davon erzeugen wir bei uns selbst leider immer weniger. 2018 waren es noch 62 TWh, im Jahr 2020 nur noch 44 TWh – also nur 63 % der benötigten Strommenge. Ein Drittel unseres Stroms müssen wir aus anderen Bundesländern oder aus anderen Ländern in Europa importieren. (Abg. Anton Baron AfD: Atomstrom aus Frankreich!) Genau da liegt das Problem, wenn es um unsere eigene Erfolgsbilanz geht: Deutschland hat einen Anteil von 40 bis 45 % regenerativer Energie; unser Nachbarland Rheinland-Pfalz hat ebenfalls einen Anteil von 40 bis 45 %. Baden-Württemberg aber steht beim Stromverbrauch bei lediglich 26 % regenerativer Energie. Das drückt die Erfolgsbilanz von elf Jahren grün geführten Landesregierungen mit dem Minister- (Gernot Gruber) präsidenten Winfried Kretschmann doch ein bisschen, Herr Nüssle. (Zuruf: Wie viel braucht die Industrie im Vergleich? Wie hoch ist der Verbrauch?) Ich will jetzt nicht einseitig jemandem den Schwarzen Peter zuschieben. Aber wenn man hier sagt, Baden-Württemberg sei Klimaschutzland Nummer 1, dann muss man sich schon auch mit anderen Bundesländern vergleichen lassen, die deutlich erfolgreicher sind als Baden-Württemberg. Und dann muss man darüber nachdenken, wie wir erfolgreicher werden. Ich nehme positiv zur Kenntnis, dass die Landesregierung jetzt daran arbeitet, auch im Land Regelungen zu schaffen und die eigenen Hausaufgaben anzugehen, statt nur auf den Bund zu starren. (Beifall bei der SPD und des Abg. Daniel Karrais FDP/DVP) Eine zweite Zahl – die 26 % sind ja die positive Zahl bei der regenerativen Energie –: Insgesamt, gemessen an der gesamten Energiemenge, die wir im Land brauchen – rund 400 TWh –, stammen nur 14,2 % aus regenerativen Quellen. Das zeigt auch, vor welch großen Herausforderungen wir stehen. Vor diesem Hintergrund habe ich schon Verständnis, dass Ex-
