Alena Trauschel
Erst dann begannen Frauen, nach und nach auch in größerer Zahl MINT, Jura und Wirtschaft zu studieren. Die Frauen, die heute in Rente gehen, sind in einem Deutschland aufgewachsen, in dem es schon rein rechtlich nicht erwartet wurde, dass sie Karriere machen, und schon gar nicht gesellschaftlich. Jeder, der heute davon spricht, dass die geringe Zahl von Frauen in Spitzenpositionen vor allem eine Folge individueller Entscheidungen sei, sollte noch mal stark in sich gehen und sich fragen, welche Rolle der Staat hier gespielt hat. Es ist eine unrühmliche Rolle, die der Staat hier eingenommen hat. (Zuruf von der AfD) 1981 stellte der Bundesgerichtshof fest, dass ein Malermeister, der mehrfach seine Auszubildende in einen Lieferwagen gesperrt, in den Wald gefahren und sie dort vergewaltigt hatte, sich nach der damaligen Vergewaltigungsdefinition nicht strafbar gemacht hat. Es ist eine Schande, wie damals mit den überwiegend weiblichen Opfern sexualisierter Gewalt umgegangen wurde. Dieses Beispiel sagt auch viel darüber aus, welche Stellung Frauen zu dieser Zeit gesellschaftlich hatten. Dieser Fall fachte eine Debatte über sexuelle Selbstbestimmung an, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Ein besonderer Tiefpunkt ist die Frage der sexuellen Selbstbestimmung in der Ehe. Denn der deutsche Staat stellte sich jahrzehntelang schützend vor vergewaltigende Ehemänner. Durch die Ehe waren diese gegen Vergewaltigungsvorwürfe ihrer Frauen per Definition immun. Es brauchte bis 1997 – zwei Jahre später wurde ich schon geboren –, bis die Vergewaltigung in der Ehe strafbar wurde. (Abg. Manuel Hagel CDU: Geschichte!) Wolfgang von Stetten von der CDU Baden-Württemberg argumentierte damals, dass vergewaltigende Ehemänner ja lediglich die Unlust des Partners überwinden würden (Vereinzelt Lachen) und manche dabei eben etwas rabiater vorgehen würden. Meine Damen und Herren, diese Geisteshaltung ist schlichtweg widerlich. (Beifall bei der FDP/DVP sowie Abgeordneten der Grünen und der SPD)
