Stefanie Seemann
Der Abbau von Klischees kann dabei nur ein erster Schritt sein. Um Mädchen und jungen Frauen neue Perspektiven zu eröffnen, müssen wir auch Fachkulturen thematisieren und deren ein- und ausschließende Aspekte kritisch beleuchten. Der Dritte Gleichstellungsbericht hat auch aufgedeckt, dass der Drop-out von Frauen in der sowieso unterrepräsentierten Digitalbranche prozentual deutlich höher liegt als der von Männern. Ziel muss es doch sein, dass wir diejenigen bisher noch wenigen Frauen, die dort angekommen sind, dann auch halten können. (Beifall bei den Grünen und der CDU sowie Abge- ordneten der SPD) Das Interesse an MINT muss bei Mädchen schon in der Schule geweckt werden. Denn dort erreichen wir auch die, die Rückhalt und Ermutigung brauchen, um sich über Vorurteile und Rollenklischees hinwegzusetzen. In der Sekundarstufe gibt es vielfältige speziell auf Mädchen abgestufte Maßnahmen zur Interessens- und Begabungsförderung in den MINT-Fächern im Rahmen des Schulunterrichts und darüber hinaus: Der Girls’ Day, die Girls’ Day Akademie, die Girls’ Digital Camps, die Initiative „Komm, mach MINT.“ und das bereits 2011 ins Leben gerufene Landesbündnis „Frauen in MINT-Berufen“ sind nur eine Auswahl aus der Vielzahl der Aktionen und Netzwerke, die junge Frauen beim Einstieg in die MINT-Fachbereiche unterstützen. Dass all diese Bestrebungen bereits Wirkung zeigen, beweist die steigende Zahl der Frauen in MINT-Berufen. Um die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen und einen Rollback zu vermeiden, gilt es, diese Anstrengungen in den nächsten Jahren unvermindert weiterzuführen. (Beifall bei den Grünen und der CDU sowie Abge- ordneten der SPD) Das setzt allerdings auch voraus, dass wir althergebrachte Geschlechterrollen weiter aufbrechen. Stereotype und klassische Rollenbilder zementieren die Ungleichheit und Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern weit über die Berufswahl hinaus. Durch jede Betonung des Geschlechts im Sinne von „Mädchen tun dies, und Jungen tun das“ entsteht ein Raster, das junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung einschränkt. Damit müssen wir aufräumen, und zwar alle gemeinsam. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) Geschlechterbewusste Pädagogik in Kindergarten, Schule, Jugendarbeit spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie Familie, Medien und nicht zuletzt auch die Werbeindustrie. Mädchen benötigen Role Models, die für sie eher ferne Berufsfelder greifbarer machen und ihnen dabei helfen, Stereotype zu entkräften. Meine Damen und Herren, viele Jahre schon geht es bei Gleichstellung und Frauenrechten um die immer gleichen Themen. Am 111. Weltfrauentag lautet unser Fazit: Wir sind noch nicht am Ziel. Aber lassen Sie uns das nicht mit Ernüchterung, sondern voller Motivation verstehen. eriode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 In den vergangenen 111 Jahren wurden viele kleine und große Meilensteine von vielen großartigen Frauen erkämpft, die uns anspornten, umso engagierter auf die Ziele hinzuarbeiten, die die Frauenbewegung Welle für Welle schon seit dem 19. Jahrhundert fordert: Beendigung aller Formen von Diskriminierung, Beendigung der Gewalt an und der Ausbeutung von Frauen und Mädchen, Anerkennung für unbezahlte Pflege- und Hausarbeit, gleichberechtigte Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen und öffentlichen Leben, ungehinderter Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und den damit einhergehenden Rechten, Förderung von Informationsund Kommunikationstechnologien, die Frauen in ihrer Selbstbestimmung unterstützen. Lassen Sie uns gemeinsam dranbleiben! (Beifall bei den Grünen und der CDU sowie Abge- ordneten der SPD)
