landtag-bw.de ↗

Norbert Knopf

GRÜNE 03.02.2022 Sitzungen 17/28

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehen Sie es mir bitte nach, dass ich zu dem aufgerufenen Tagesordnungspunkt spreche und hier keinen Rundumschlag zur Coronapolitik erläutere. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir alle sind uns der Endlichkeit menschlichen Lebens bewusst, denn der Tod ist die logische Folge unserer Geburt. (Zuruf von der AfD: Hört, hört!) riode – 28. Sitzung – Donnerstag, 3. Februar 2022 Hierbei beschäftigt mich folgende ethische Frage: Geht uns Lebende der Tod anderer Menschen etwas an? (Zuruf: Ja!) Ja, das tut er durchaus, denn unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten kann der Tod – bei Wahrung aller gebührenden Pietät –, so widersprüchlich es klingen mag, für Klarheit sorgen, nämlich für die Lebenden. Eine Obduktion dient zur Feststellung der Todesursache und zur Rekonstruktion des Sterbevorgangs eines verstorbenen Menschen. Die Pathologie untersucht die Herkunft, die Entstehungsweise, die Verlaufsform und die Auswirkungen von Krankheiten auf den menschlichen Körper, posthum in der ersten, nicht in der zweiten Leichenschau, liebe AfD-Fraktion. Eine Obduktion sorgt daher nicht nur für medizinische Klarheit, sondern sie bietet auch einen Mehrwert für die Forschung. Die Pathologie ist daher von großer gesellschaftlicher Relevanz. Die Obduktion hat eine Schlüsselfunktion zur Feststellung von Krankheitsbildern und Todesursachen. Die gesamte Klassifikation der Krankheiten entwickelte sich übrigens aus den Listen der Todesursachen. Folgerichtig ist die Obduktion auch für die aktuelle und generelle Virusbekämpfung von großer Bedeutung. Diese Bedeutung hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bereits im Spätsommer 2020 erkannt. Das Land fördert die universitäre Covid-19-Obduktionsforschung seither mit 1,9 Millionen €. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Damit sind wir in Baden-Württemberg bei der Obduktionsforschung bundesweit spitze, (Zuruf: Was nützt das?) was die Datenlage betrifft. Nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Arbeit am Pathologischen Institut der Uni Heidelberg sowie der übrigen Uni-Pathologien im Land haben wir dies erreicht. Ihnen gebührt an dieser Stelle mein Dank. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der FDP/DVP) Diese im Covid-Obduktionsnetzwerk Baden-Württemberg zusammengeschlossenen Einrichtungen besitzen auch die entsprechenden Kapazitäten und Voraussetzungen, um alle notwendigen Obduktionen durchführen zu können. Für die Durchführung dieser Obduktionen sind nämlich gewisse Sicherheitsstandards einzuhalten. Über diese Sicherheitsstandards verfügen nur wenige Einrichtungen in Baden-Württemberg. Durch die dynamische Entwicklung der Pandemie muss die Forschung auch neue Schwerpunkte setzen, Stichworte Long Covid oder Durchbruchsinfektionen. Ein Beschlussauftrag ist somit nicht notwendig, denn die Weiterführung des Programms ist schon in Arbeit. Angesichts der steigenden Infektionsrate und der zugleich noch sehr unsicheren Datenlage zur Omikron-Variante müssen weitere Obduktionen folgen. Wir brauchen wissenschaftlich fundierte Daten. (Norbert Knopf) Das Land ist mit seiner Strategie schon sehr weit. Auf diese wissenschaftlich-medizinische Ebene sollten wir gerade jetzt noch stärker setzen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen, Abgeordneten der CDU und der SPD sowie des Abg. Jochen Haußmann FDP/ DVP und auf der Regierungsbank)

Alle Reden von Norbert Knopf Protokoll ↗