Dr. Markus Rösler
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Arbeitsplätze durch Naturschutz – das war die Grundidee, mit der die Grundlagen für unser erstes Biosphärengebiet in Baden-Württemberg gelegt wurden. Arbeitsplätze durch Naturschutz – das zeigt auch allen, die in Baden-Württemberg, in Deutschland, international an solchen Modellregionen beteiligt sind: Es geht um eine Verknüpfung von Ökologie, Ökonomie und natürlich auch von sozialen Aspekten. Wir bauen Brücken hin zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung. In Biosphärengebieten gilt daher auch, Ziele des Naturschutzes mit Mitteln der Wirtschaftsförderung zu erreichen. 717 UNESCO Biosphere Reserves gibt es im Augenblick weltweit. – 727. (Abg. Thomas Blenke CDU: Was für Dinger?) Jetzt müssen wir darauf achten: Es gibt einen Unterschied, der uns allen klar sein muss, auch für das Gebiet in Oberschwaben, das gerade in der öffentlichen Diskussion steht. Die Gebiete Schwäbische Alb und Schwarzwald haben eine erste Stufe erreicht, nämlich die Ausweisung als Biosphärengebiet nach Landesrecht. Beide Gebiete haben aber auch den zweiten Schritt erreicht – das freut uns, glaube ich, wirklich alle –, nämlich die Auszeichnung mit dieser Goldplakette als UNESCO Biosphere Reserve. Das Erste ist eine Ausweisung nach Landesrecht, das Zweite ist eine unverbindliche Auszeichnung auf der weltweiten Ebene. Dazu passt sehr gut die Grundidee, global zu denken und in diesem Fall regional zu handeln und natürlich auch lokal zu handeln. UNESCO Biosphere Reserves sind weltweit d i e Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Es sind unsere Regionen der Zukunft, in denen wir gestalten wollen, wie Zukunft aussieht, in denen wir eine nachhaltigere Gesellschaft entwickeln. Dabei geht es um eine gesamtheitliche Betrachtung. Es geht sowohl um Mobilität – nachhaltig natürlich – als auch um regionale Wirtschaftskreisläufe und dabei keinesfalls nur um Lebensmittel, aber natürlich immer und insbesondere auch um Lebensmittel. Es geht aber auch um Baustoffe, es geht um Architektur, es geht um regionale Energieversorgung, es geht um Holz, es geht um Handwerk bis hin zur regionalen Identität. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) In diesem Zusammenhang der ausdrückliche Hinweis darauf und der Dank an alle, die in Baden-Württemberg an dem Projekt Biosphärengebiet Schwäbische Alb beteiligt waren und natürlich auch am Biosphärengebiet Schwarzwald beteiligt sind, und auch der Dank an diejenigen, die sich jetzt schon in ode – 28. Sitzung – Donnerstag, 3. Februar 2022 der Diskussion befinden zum Thema „Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben“ und zu den Fragen: Wollen wir das, und, wenn ja, wie wollen wir das? Wie werden wir das einrichten? Was gehört da alles mit dazu? Ich darf schon einmal darauf hinweisen, dass heute Abend rund 250 Interessenten – das zeigt, wie wichtig das Thema in der Region ist – bei einem Onlinedialog zu diesem Thema mit der geschätzten Kollegin Petra Krebs, mir und dem Leiter des Biosphärenreservats – wie es in Bayern heißt – Bayerische Rhön mit dabei sein werden. (Abg. Thomas Blenke CDU: Wie heißt das noch mal auf Englisch?) Das Thema ist virulent, es ist aktuell, und es beschäftigt viele Leute. Als ich vor über 25 Jahren meine Dissertation zu dem Thema „Arbeitsplätze durch Naturschutz am Beispiel der Biosphärenreservate“ – wie es bundesweit heißt – „und der Modellregion Mittlere Schwäbische Alb“ schrieb, da war es noch ein bisschen so: Wenn du auf der Alb wohnst, sagen die anderen: „Der kommt von der Alb ra.“ Das war nicht unbedingt immer ein Kompliment. Inzwischen hat sich das geändert. Die Leute dort sind stolz auf ihre Region, sie sind stolz auf ihr Biosphärengebiet, und im Schwarzwald ist das genauso. (Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Das zeigt, dass es dort eine positive Entwicklung gibt, die weit über das Finanzielle, weit über das Ökonomische hinausgeht und die Identität und das Selbstbewusstsein der Menschen fördert, und das ist gut so. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Fragen Sie heute einmal die Menschen dort oben auf der Alb. Sie sind stolz darauf. Fragen Sie die Bewohner, die Anrainer, die Gemeinden wie Blaubeuren und viele andere. Sie wollen alle dorthin. (Zuruf des Abg. Thomas Blenke CDU) Es zeigt sich nicht nur auf der Alb, sondern auch in der Rhön und in der Schorfheide, dass dort, wo solche Gebiete entstanden sind, nach fünf oder zehn Jahren der Run der angrenzenden Gemeinden größer ist als die Fläche, die man maximal zur Verfügung hat. (Der Redner hält eine Broschüre hoch.) Eines der UNESCO-Kriterien – das zweite Buch, das ich hier zeige; das ist sozusagen die Bibel für Biosphärenreservate, wie es nun mal deutschlandweit heißt; in anderen Bundesländern heißt es auch „Biosphärenregionen“, in Österreich heißt es „Biosphärenpark“, (Abg. Thomas Blenke CDU: Und in England?) die Begriffe sind unterschiedlich –, die man auf den Seiten 14 bis 17 nachlesen kann, lautet: maximal 150 000 ha. Auf der Schwäbischen Alb haben wir das Problem, dass, wenn alle, die hineinwollen, darin wären, dies über 150 000 ha wären. Das zeigt einfach: Biosphärengebiete sind ein Erfolgsmodell grün-schwarzer und durchaus auch grün-roter Politik, und ich hoffe, irgendwann auch gelber Politik – zumindest Andreas (Dr. Markus Rösler) Glück von der FDP von dort war immer ein flammender Befürworter der Idee der Biosphärengebiete hier bei uns. (Abg. Thomas Blenke CDU: Schon sein Vater!) Ich denke, das ist ein breiter Konsens, und das ist auch gut so. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Zum Abschluss der ersten Runde noch einmal der Hinweis zu der Region Oberschwaben, über die gerade so viel und lebendig diskutiert wird – das ist gut so –, wo uns die Beteiligung wichtig ist: Es ist ein gutes Projekt, auch in prosperierenden Regionen; auch die Schwäbische Alb hat eine niedrige Arbeitslosenquote. (Abg. Thomas Blenke CDU: Ja! Gleichwertige Le- bensverhältnisse!) Deshalb ist es schon wichtig, zu sagen: Auch für Regionen, denen es ökonomisch durchaus nicht schlecht geht – Oberschwaben-Allgäu darf man mit Selbstbewusstsein dazuzählen –, ist das etwas, was sich lohnt. Der Praxistest zeigt: Nach zehn Jahren wollen in nahezu allen Gebieten die Anliegerkommunen mit hinein. Biosphärengebiete sind ein Erfolgsmodell baden-württembergischer Politik. Es möge so weitergehen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Thomas Blenke CDU: Sehr gut!)
