Dr. Andre Baumann
Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Dörflinger, ganz herzlichen Dank, dass Sie zum Thema „Biber und Bibermanagement nach bayerischem Vorbild“ nachhaken. Im Oktober letzten Jahres habe ich hier in einer Fragestunde schon einmal auf eine Anfrage von Ihnen berichtet. Deswegen danke ich ganz herzlich, dass ich heute auch von den mittlerweile eingetretenen Erfolgen bei der Weiterentwicklung des Biberprojekts berichten darf. Sie haben es dargestellt. Der Biber ist zurück in Baden-Württemberg. Ich weiß noch: Vor rund 20 Jahren bin ich als junger Naturschützer nach Bayern gefahren, um mal Biber zu sehen. Da war er noch relativ selten in Baden-Württemberg. Heute haben wir rund 7 000 Biber in Baden-Württemberg – eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Aber manche Landkreise wie z. B. der Landkreis Biberach sind – ich will es mal flapsig ausdrücken – „gesegnet“ mit den Bibern. Das Gute ist, dass die allermeisten Konfliktfälle vermieden oder gelöst werden. Denn Biber leben in Gewässern und halten sich größtenteils an Gewässern auf. Es ist fast so, als hätten die Biber das Wassergesetz Baden-Württemberg genau gelesen, weil sie sich innerhalb des 10 m breiten Gewässerrandstreifens an Gewässern aufhalten. Dadurch werden auch die meisten Konflikte vermieden. Über die vermiedenen Konflikte wird meist nie berichtet, auch nicht über die gelösten Konflikte, die seit 2004 – – In Baden-Württemberg haben wir mit den Regierungspräsidien bei den Landratsämtern ein Bibermanagement etabliert, mit vielen ehrenamtlichen Biberberatern, die das ganz toll machen. Dafür herzlichen Dank. Denn den allergrößten Teil der Konflikte kann man auch lösen. Zurzeit erarbeiten wir einen Leitfaden zum Bibermanagement für Baden-Württemberg, um aus den Erfahrungen in den vier Regierungsbezirken zu einer Standardisierung zu kommen. Es soll dann noch einfacher und noch schneller gehen, indem man die Konfliktfälle standardisiert einsortiert und auch Maßnahmen vorschlägt. Weil der Biber eine streng geschützte Tierart ist, muss noch immer eine individuelle Prüfung durchgeführt werden. Aber da sind wir gerade dran und werden bald den Leitfaden vorlegen. Es wird im Rahmen dieses landesweiten Bibermanagements auch dazu kommen, dass Tiere letal entnommen werden, sprich totgeschossen werden. Bislang konnten Konflikte ohne Schuss gelöst werden. Vor wenigen Jahren, im Jahr 2018, haben sich MLR und UM im Wildtierbericht darauf geeinigt, in einer Modellregion, die Sie eben angesprochen haben, ein Bibermanagement nach bayerischem Modell durchzuführen. In Bayern hat man etwas länger Erfahrung mit dem Biber; dort riode – 28. Sitzung – Donnerstag, 3. Februar 2022 hat man ihn ja auch ausgesetzt, ausgewildert. Deswegen haben wir auch wieder Biber in Baden-Württemberg. Es geht darum, dies unter Beteiligung und Integration der Jägerschaft auszuprobieren, in der Zusammenarbeit auszuloten, auch was die letale Entnahme des Bibers mit dem Fangschuss oder dem freien Kugelschuss betrifft, sowie Handlungsempfehlungen, auch für schwere Konfliktfälle, die man nicht ohne Schuss lösen kann, zu entwickeln. Eigentlich hätten wir schon längst starten wollen – Sie wissen es –, aber wir haben keine gescheiten Leute gefunden. Es ist manchmal so; dadurch, dass wir im Naturschutzbereich in Baden-Württemberg sehr viel machen, ist der Markt für gute Biologinnen und Biologen fast wie leergefegt. Deswegen die Bitte an dieser Stelle – vielleicht hört jemand zu –, sich entsprechend auszubilden, an die Hochschulen zu gehen, sich weiterzubilden; denn wir brauchen gescheite Leute, die da etwas machen. Denn wir wollen auch qualifiziert vorgehen. Wir haben jetzt zwei Leute gefunden. Einen kenne ich auch; der wird das sicherlich gut machen. Das Modellprojekt wurde am 1. Januar 2022 – Sie haben es gesagt – gestartet. Am 17. Februar findet für die Land- und Stadtkreise eine Informationsveranstaltung statt. Das sind die Landkreise Biberach, Ravensburg, Sigmaringen und der Alb-Donau-Kreis sowie der Stadtkreis Ulm. Im Vorfeld des Startes des Modellprojekts wurde geschaut, wo für das Modellprojekt geeignete Biberreviere sind, wo es auch Konfliktfälle gibt, die geeignet sind, im Rahmen dieses Modellprojekts bearbeitet zu werden. Es gibt dann auch eine sachliche und rechtliche Prüfung dieser Vorauswahl. Das Ganze hatte man schon mal vorbereitet. Man musste es jetzt noch mal neu machen, weil eben doch etwas Wasser die Donau hinuntergeflossen ist. Manche Konfliktfälle sind schon gelöst worden – zum Glück –, während an der einen oder anderen Stelle auch schwere Konfliktfälle dazugekommen sind. Deswegen hat man sich darauf verständigt, das Ganze vorzubereiten, sich die Reviere und die Konfliktfälle noch mal anzuschauen, um dieses Modellprojekt dort dann auch umzusetzen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Rahmen dieses Projekts auch vorankommen. Die Erfahrungen mit dem Modellprojekt werden auch in den Leitfaden für ein landesweites Bibermanagement einfließen. Modellprojekte sind gut, aber die Ergebnisse und Erfahrungen, die man aus diesem Projekt gewonnen hat, sollen in das landesweite Bibermanagement einfließen.
