Dr. Uwe Hellstern
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch ich möchte mich bei der Fraktion GRÜNE für diese Aktuelle Debatte be danken. Sie gibt Gelegenheit, endlich einmal über die Subs tanz der in den Koalitionsverträgen der grün geführten Regie rungen in Land und Bund angekündigten Transformation zu sprechen. (Abg. Andreas Stoch SPD: „Grün geführte Regie rung“ im Bund?) Dies hätten wir früher gebraucht, bevor wichtige Entschei dungen, die falsch waren, gefallen sind. (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: „Grün geführte Bundesregierung“? – Gegenruf: Seht es doch nicht so eng!) Die Debatte legt die richtige Erkenntnis zugrunde, dass all die naturfeindlichen Pläne zur Verspargelung und Versiegelung unserer Landschaft sinnlos sind, wenn wir den daraus teuer und unstet gewonnenen Strom nicht speichern können. Die keineswegs klimaneutralen Anlagen, die in die Landschaft gebaut werden, können den Grundlastbedarf einer Industrie nation im winterkalten Klimabereich niemals decken. Der er hebliche ökologische Fußabdruck der Anlagen bei der Her stellung und der Entsorgung wird jede Nachhaltigkeit auf Dauer verhindern. Weil die Öffentlichkeit entdeckt hatte, dass die sogenannten erneuerbaren Energien die Versorgung nicht sicherstellen kön nen, wurde für Wahlkampfzwecke die Wasserstoffwirtschaft aus dem Hut gezaubert – als Kaninchen. (Lachen des Abg. Hermann Katzenstein GRÜNE) eriode – 27. Sitzung – Mittwoch, 2. Februar 2022 Ich gratuliere – die Rosstäuschung hat funktioniert. Aber jetzt, da der Gaul den Karren ziehen soll, offenbart sich sein wah rer Zustand. (Beifall bei der AfD) Er passt zur Kompetenz der Kutscher, aber nicht zu den An forderungen einer modernen Industrienation. Das Wasserstoffmärchen war so schön: Man verbrennt den Wasserstoff, und es gibt weder CO noch anderen Abfall; Ver brennungsprodukt ist einfach Wasser. Übersehen haben die grünen Märchentanten und -onkel (Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD) andere, weniger vorteilhafte Eigenschaften: Wasserstoff ist im Gemisch mit Luft zwischen 4,4 und 77 Volumenprozent hoch explosiv. Jeder sollte einmal „Wasserstoffexplosion“ googeln, bevor er von einer „risikoarmen“ Wasserstofftechnologie spricht. (Beifall bei der AfD) Ohne gewaltige Wasserstoffexplosionen wäre Fukushima kein Super-GAU geworden. Die Gebäude sind nämlich durch Was serstoffexplosionen in die Luft geflogen. (Lachen des Abg. Thomas Poreski GRÜNE) In europäischen Kraftwerken könnte das so nicht passieren, weil hier Filtersysteme für einen Druckablass von Wasserstoff eingebaut sind. Ost-Physikerin Merkel winkte die grüne Wundersage durch, aber sie hätte es eigentlich besser wissen müssen. Wasserstoff ist das Gas, welches bei Normalbedingungen das bei Weitem größte Volumen in Relation zum Gewicht hat. Sinnvolle Spei cher, Lagertanks und Transport funktionieren nur unter ext rem hohem Druck. Bei Wasserstofffahrzeugen z. B. werden Drücke im Tank von 300 bis 700 Bar angewendet. Das sind fahrende Bomben. Es ist eine Zeitfrage, bis ein Unfall mit sol chen Fahrzeugen passiert und es dann eine größere Explosi on gibt. (Abg. Raimund Haser CDU: Wissen Sie, was dann passiert? Das würde mich mal interessieren, ob Sie wissen, was dann passiert! – Zuruf des Abg. Daniel Karrais FDP/DVP) Eine Verflüssigung, wie beim Erdgas, ist wegen des großen Energieaufwands beim Wasserstoff keine sinnvolle Option. Wasserstoff ist ein starkes Reduktionsmittel und hat ganz an dere Materialansprüche als Erdgas. Deswegen können die Alt leitungen auch nicht ohne Weiteres auf Wasserstoff umge switcht werden. Das ist nicht wahr. (Zuruf des Abg. Daniel Karrais FDP/DVP – Gegen ruf des Abg. Anton Baron AfD) Der DVGW hat erst im Jahr 2020 wieder Experimente durch geführt. Bis jetzt liegt die Obergrenze für eine Wasserstoffbei mischung in Erdgasleitungen bei 20 %. (Abg. Raimund Haser CDU: Das ist aber mal ein or dentlicher Ansatz!) (Dr. Uwe Hellstern) Der jetzige Einstieg in die grüne Gaswirtschaft bedeutet prak tisch das Aus für die Klimaziele. Weder die für Erdgas genutz ten Leitungssysteme noch die derzeit als H2-ready verkauf ten Gaskraftwerke können mit reinem Wasserstoff arbeiten. Informiert man sich, stellt man fest: Es ist von Wasserstoff beimischungen von 20 bis 25 % zum Erdgas die Rede. (Abg. Anton Baron AfD: So ist es!) Eine Komplettumstellung würde erhebliche Umrüstungen bei Kraftwerken und beim Leitungssystem erfordern. (Lachen des Abg. Hermann Katzenstein GRÜNE –
