Dr. Susanne Aschhoff
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, heute hier so kurz vor den Weihnachtsfeiertagen ein weiteres Fest mit Ihnen feiern zu können, nämlich einen Geburtstag. Im Jahr 2016, also vor fünf Jahren, entstand in Baden-Württemberg Europas mittlerweile größter Forschungsverbund für künstliche Intelligenz, der Innovationscampus für KI und intelligente Systeme. Wir gratulieren herzlich und feiern damit nicht nur einen Geburtstag, sondern auch eine Erfolgsgeschichte für die Forschungs- und Innovationslandschaft in Baden-Württemberg, die sich sehen lassen kann. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Fünf Jahre Cyber Valley, das heißt fünf Jahre Zukunft; denn hier wird nicht nur zur Zukunft geforscht, sondern hier wird auch Zukunft gestaltet. Fünf Jahre Cyber Valley, das heißt fünf Jahre Innovation; denn Innovation passiert nicht, Innovation muss mit Leben gefüllt werden. Fünf Jahre Cyber Valley, das heißt fünf Jahre Kreativität; denn dieses Programm wird von kreativen und klugen Köpfen getragen. Der Erfolg des Cyber Valleys ist in erster Linie auch ein Erfolg der Forscherinnen und Forscher. Einer dieser klugen Köpfe ist Professor Dr. Bernhard Schölkopf, der den Innovationscampus maßgeblich vorangetrieben hat. Mit seiner vielfach ausgezeichneten Forschung ist er ein Pionier auf dem Feld der künstlichen Intelligenz mit einem Ruf von Weltrang. Ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen gebührt daher ein großes Dankeschön. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Was macht das Cyber Valley so erfolgreich? Worin besteht sein Erfolgskonzept? Am Cyber Valley bündeln wir exzellente Forschung. Das spiegelt sich in den beteiligten Institutionen und Akteuren wider. Neben den beiden Universitäten Tübingen und Stuttgart sind hier auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, namentlich das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme sowie die Fraunhofer-Gesellschaft, vertreten. Das Entscheidendste ist aber, dass wir die klügsten und besten Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher anwerben und halten können. Wir denken direkt an die Nachwuchsspitzenforscherinnen und -spitzenforscher von morgen, z. B. mit der eigens eingerichteten Graduiertenschule. Nur wenn wir attraktive Bedingungen für die kommenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bieten können, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt willkommen heißen, werden wir unsere forschungspolitischen Ambitionen nachhaltig erfolgreich gestalten. Wir haben also die Spitzenforschung. Dazu kommt noch die Wirtschaft: Bosch, Daimler, ZF Friedrichshafen und andere, die sich u. a. an Forschungskooperationen beteiligen. Das ist Forschung aus einem Guss, von den Grundlagen bis zur Anwendung. Gleichzeitig investieren wir in die Gründerinnen- und Gründerszene, u. a. mit einem speziellen Start-up-Netzwerk. Künstliche Intelligenz bestimmt unseren Alltag als Basistechnologie in vielen Bereichen schon jetzt. Sie weckt aber immer wieder Sorgen und Befürchtungen. Für uns ist es daher uner- (Dr. Susanne Aschhoff) lässlich, dass wir ethische Fragestellungen zentral berücksichtigen. Dazu werden beispielsweise KI-Sprechstunden angeboten. Außerdem haben wir einen öffentlichen Beirat beim Cyber Valley eingerichtet, in dem u. a. auch Gemeinderätinnen und Gemeinderäte vertreten sind. Er vertritt ethische Belange und strukturiert den gesellschaftlichen Dialog. Wir alle haben in den vergangenen Monaten der Pandemie buchstäblich am eigenen Leib erfahren, wie essenziell z. B. digitale Kommunikationswege sind, aber auch erfahren, wo ihre Grenzen liegen und wie komplex ein sensibler Umgang mit unseren Daten ist. Gerade in Arbeitsbereichen wie der Pflege, dem Gesundheitswesen, aber auch der Bildung, in denen es um Zwischenmenschliches geht, wird der Einsatz digitaler Technologien noch skeptisch gesehen. Es besteht die Befürchtung, dass durch Technisierung Empathie und Emotionen zu kurz kommen. Dabei kann hier der Einsatz künstlicher Intelligenz von Bürokratie entlasten oder kann ein individuell zugeschnittener Arbeitsprozess ermöglicht werden. So wird Arbeitszeit und -kraft freigesetzt, die dann mehr Raum für den zwischenmenschlichen Kontakt und persönliche Betreuung schafft. Das Erfolgsrezept lautet somit: Wir denken Forschungspolitik ganzheitlich. Wir haben mit dem Innovationscampus Cyber Valley ein Modell geschaffen, mit dem wir Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher mit Nachwuchskräften, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen an einen Tisch bringen. Aus diesem Gravitationszentrum heraus entstehen Anschubimpulse für ein wachsendes, florierendes Ökosystem, das weit über die jeweilige Region hinaus Früchte trägt. Genau das macht das Innovationscampusmodell so erfolgreich. (Beifall bei den Grünen) Die Erfolgsgeschichte der ersten fünf Jahre legt den Grundstein für die kommenden Jahre. Das Cyber Valley ist gekommen, um zu bleiben. Deshalb steht als Nächstes die bauliche Weiterentwicklung des Campus an. Darüber hinaus laufen Gespräche zur möglichen Gründung eines ELLIS-Instituts, mit dem die weltweite Vernetzung und Attraktivität für Spitzenforscherinnen und -forscher nochmals gesteigert werden könnte. Und wir haben nach dem Vorbild des Cyber Valleys zwei weitere Innovationscampusvorhaben auf den Weg gebracht: den Innovationscampus „Health & Life Science Alliance“ am Standort Rhein-Neckar und den „InnovationsCampus Mobilität der Zukunft“ in Stuttgart und Karlsruhe. Am Standort Rhein-Neckar schaffen wir dabei ein Ökosystem, welches Wissenschaft, Lehre, Wirtschaft und Gesellschaft in den Bereichen Lebenswissenschaften und Gesundheit zusammenbringt; die Kollegen Knopf und Schütte sind in der letzten Woche schon hierauf eingegangen. Mit einer exzellenten Hochschullandschaft und medizinischen Fakultäten, Forschungseinrichtungen der Spitzenklasse, (Abg. Gabriele Rolland SPD: Nicht mehr mit dem Blick aufs Ganze!) global agierenden Life-Science-Konzernen und innovativen Start-up-Unternehmen bergen diese Region und auch der Innovationscampus ein enormes Potenzial. de – 25. Sitzung – Mittwoch, 22. Dezember 2021 (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Hier trifft Krebsforschung auf biomedizinische Grundlagenforschung, Patientenversorgung auf künstliche Intelligenz und preisgekrönte Wissenschaft auf innovative Anwendung. Digitalisierung und KI in der Medizin werden weltweit erheblich gefördert, wie beispielsweise in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Wir investieren mit dem Innovationscampus am Standort Rhein-Neckar in eine der Leitindustrien der Zukunft und positionieren Baden-Württemberg als Leuchtturm mit internationaler Strahl- und Anziehungskraft. Mit dem „InnovationsCampus Mobilität der Zukunft“ in Stuttgart und Karlsruhe bauen wir wörtlich ein Zentrum für die Zukunft. In diesem Innovationscampus trägt Forschung zu Mobilitäts- und Produktionstechnologien maßgeblich dazu bei, dass wir Menschen, aber auch Waren und Güter in Zukunft ökologischer und ökonomischer transportieren. Dieses Vorhaben durfte ich erst kürzlich besuchen. Die dort entwickelten Impulse hin zu einer selbstverständlichen und gewinnbringenden Vernetzung von Forschung und Industrie haben mich so beeindruckt, dass ich unbedingt wiederkommen möchte. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Andreas Deuschle CDU) Wer also die Gelegenheit bekommt, mit den Menschen dort zu sprechen, soll sie nutzen; sie sind wirklich großartig. Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss nochmals ein Resümee ziehen. Wir haben mit dem Cyber Valley ein international sichtbares Forschungszentrum für künstliche Intelligenz geschaffen. Das ist ein Erfolg, gerade weil wir Zukunftstechnologien nur dann aktiv mitgestalten, wenn wir darin selbst spitze sind. Nur so werden wir den oft beschworenen europäischen Weg der KI gehen können. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Forschung und Innovation brauchen Planbarkeit und Perspektive. Wir haben zwei weitere Innovationscampusmodelle geschaffen und prüfen die Einrichtung von nochmals zwei zusätzlichen in dieser Legislaturperiode, mit denen wir ähnlich Großes vorhaben. Auch das wird uns gelingen, indem wir unsere Innovationscampusse verlässlich für die Zukunft aufstellen. In diesem Sinn: Auf ein gutes, vielleicht etwas besseres Jahr 2022, auf fünf herausragende Jahre Cyber Valley und auf viele weitere Jahre Forschungsexzellenz made in „THE LÄND“. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
