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Stefanie Seemann

GRÜNE 27.10.2021 Sitzungen 17/17

Nein. – Damit nicht genug: Es verfestigt den Eindruck, dass bestimmte Berufe für Männer normal sind und für Frauen eben nicht. Ist das wirklich das Weltbild, das wir den nächsten Generationen vermitteln wollen, nur weil wir es nicht übers Herz bringen, unsere eigenen Sprachgewohnheiten kritisch zu hinterfragen? Fakt ist: Sprache kann inklusiv sein, und Sprache kann ausschließen. Fakt ist auch: Sprache ändert sich. Das ist auch gut (Stefanie Seemann) so. Denn wenn unsere Sprache nicht mehr mit unserer Gesellschaft mitwachsen kann, dann haben wir ein ernstes Problem. (Abg. Miguel Klauß AfD: Aber nicht unter Zwang!) Das Recht auf Gleichstellung ist im Grundgesetz verankert. Es ist ein verfassungsrechtlicher Auftrag, dem wir nur gerecht werden, indem wir Raum für alle Geschlechter schaffen, auch in unserer Sprache. Bereits 1988 wurden in Baden-Württemberg erste Vorschriften erlassen, die die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Verwaltungssprache enthielten. Seit 2018 bietet das Personenstandsgesetz die Möglichkeit, neben „männlich“ und „weiblich“ auch „divers“ eintragen zu lassen. Unsere Gesellschaft verändert sich. Sie öffnet sich für eine Diversität, die kein neues Phänomen ist, nun aber endlich Raum bekommt, um sich frei zu entfalten. (Beifall bei den Grünen und der SPD) Geschlechtergerechte Sprache ist deshalb auch keineswegs Ausdruck einer Gleichmacherei, wie es die AfD immer gern beschwört; ganz im Gegenteil. Sie schafft Raum für Diversität. Geschlechtergerechte Sprache ermöglicht den respektvollen, ja den würdevollen Umgang mit der individuellen Identität. Genau deshalb geht es nicht darum, dem generischen Maskulinum ein Femininum zur Seite zu stellen, sondern darum, eine Sprache zu schaffen, die auch Trans-, Inter- oder nicht binär verortete Personen anspricht, weil ein respektvolles Miteinander die Grundlage unserer Gesellschaft ist. (Beifall bei den Grünen und der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, den Antrag gegen den Genderzwang hat die AfD in dieser oder in ähnlicher Form schon in vielen Parlamenten gestellt. Auch wenn wir Grünen Recycling grundsätzlich befürworten: Wenn es um rückwärtsgewandte Politik geht, ist Kreislaufwirtschaft der falsche Ansatz. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD) Wir müssen nämlich definitiv reden, aber nicht darüber, was Reaktionäre über das Gendern denken. Lassen Sie uns stattdessen über die Probleme reden, die wir wirklich lösen müssen, z. B. über Gewalt gegen Frauen oder über frauenspezifische Altersarmut. Das wären Themen, in die wir Zeit und Energie investieren sollten. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und der SPD)

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