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Klaus Burger

CDU 21.10.2021 Sitzungen 17/16

Sehr verehrte Frau Präsidentin, lieben Kolleginnen und Kollegen! Was stand heute Morgen bei Ihnen auf dem Frühstückstisch? Ich bin mir fast sicher: Neben Kaffee und Milch lag da bestimmt auch eine Scheibe Brot iode – 16. Sitzung – Donnerstag, 21. Oktober 2021 tokoll vom 21. Oktober 2021 9:31 Uhr oder ein Brötchen. Aber wie vieles, was ständig verfügbar ist, wird das meist wenig beachtet. Wann haben Sie das letzte Mal ein Stück Brot, einen gefüllten Obstkorb oder andere Speisen wirklich wertgeschätzt? Für die meisten Menschen ist Brot das wichtigste Grundnahrungsmittel. In vielen Kulturen spielt es eine große, ja zentrale Rolle; denken Sie nur an das jüdische Manna oder das Brot beim Letzten Abendmahl. Nicht ohne Grund wird Brot bis heute als Sinnbild für die Lebensgrundlage schlechthin verwendet. Aber wissen wir noch, wo Brot und andere Lebensmittel tatsächlich herkommen? Bei den Erntedankfesten in den vergangenen Wochen wurde auch darauf hingewiesen, dass Dankbarkeit und Wertschätzung oftmals fehlen. Wissen wir überhaupt noch von dem großen Schatz, der darin besteht, dass wir ausreichend gesunde Lebensmittel zur Verfügung haben? Nun, uns, der CDU, ist das wichtig. (Beifall bei der CDU) Wir sagen, Lebensmittelverwendung hat etwas mit hoher Verantwortung zu tun. In einem Stück Brot stecken so viele Ressourcen und noch mehr fleißige Arbeit. Im Frühjahr bestellt der Landwirt die Felder. Auch während des Aufwuchses braucht das Getreide Pflege, unabhängig davon, ob der Acker ökologisch oder konventionell bearbeitet wird. Dafür, dass im Sommer die Ernte für eine ganze Gesellschaft heranwächst, muss viel gearbeitet werden. Wussten Sie, dass heute in Deutschland ein einziger Landwirt 134 Menschen ernährt? Die Ernte ist die erste Zäsur, und nicht jedes Jahr fällt diese Zäsur gut aus. Ist das Getreide gedroschen, wird es in der Mühle gereinigt, getrocknet, gemahlen, und im Labor wird die Qualität untersucht. Dann folgt die weitere wertvolle Arbeit der Bäcker, (Abg. Martin Grath GRÜNE: Richtig!) des Handels, der Verkäufer, und am Ende kann der Verbraucher an der Ladentheke aus über 3 000 Brotsorten auswählen. Ist diese reiche Vielfalt nicht einen Applaus für Landwirte und Bäcker wert? (Beifall bei allen Fraktionen) Doch wie sieht es mit unserer Wertschätzung aus? Brot gehört zu den am häufigsten weggeworfenen Lebensmitteln. Jedes Jahr wandern allein in Deutschland 1,7 Millionen t Backwaren in die Tonne. Die Produktion dieses „Müllbergs“ nimmt 398 000 ha in Anspruch. Ähnliches lässt sich auch für Gemüse, Obst, Fleisch, Milch und viele andere Produkte sagen, und je jünger der Haushalt, desto größer die Verschwendung. (Klaus Burger) Nach Angaben des Thünen-Instituts werden sage und schreibe 12 Millionen t Lebensmittel in Deutschland jährlich weggeworfen. 2020 waren es umgerechnet 75 kg pro Kopf und Jahr. Mehr als die Hälfte davon stammt aus privaten Haushalten. Ich frage Sie: Können wir uns das leisten? Wollen wir uns das weiterhin leisten? Die Christlich-Demokratische Union sagt Nein. Deshalb haben wir diese Aktuelle Debatte beantragt. Wir sagen, angesichts des Hungers in der Welt können wir uns diese Wegwerfmentalität nicht länger leisten. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie des Abg. Gernot Gruber SPD) 800 Millionen Menschen leiden Hunger, sind unterernährt. 30 bis 40 Millionen Menschen, darunter viele Kinder, sterben pro Jahr, weil sie nicht das Lebensnotwendigste zur Verfügung haben. Angesichts des Klimawandels dürfen wir nicht weiter wertvolle Rohstoffe wie Wasser oder landwirtschaftliche Flächen verschwenden. Darum fordert die CDU im ersten Schritt eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung. Mit dieser Forderung stehen wir nicht allein. Der Deutsche Bauernverband, der Deutsche Landfrauenverband, der Evangelische Dienst auf dem Land, die katholische Kirche und das Landvolk fordern dies in einer gemeinsamen Erklärung. Ich zähle dabei auf die Unterstützung der Landwirte. Ich zähle auf die Verarbeitung, auf die Gastronomie und natürlich auf die Verbraucher. Meine sehr verehrten Damen und Herren, meine Kollegin Sarah Schweizer wird im zweiten Teil der Debatte aufzeigen, was getan werden muss. Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und den Grünen)

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