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Dr. Andre Baumann

07.10.2021 Sitzungen 17/14

Herr Präsident, meine Damen und Herren Abgeordneten! Der Wolf war in Baden-Württemberg ausgestorben. Nun ist er wieder zurückgekommen. Seit 2015 leben wieder Wölfe in Baden-Württemberg. Sie sind ganz von allein gekommen. Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie klargestellt haben, dass sie nicht aktiv angesiedelt worden sind. Sie sind von allein gekommen. Aber mit den Wölfen sind auch große Herausforderungen in Baden-Württemberg angekommen. Das haben viele Rednerinnen und Redner hier gerade sehr sachlich und auch zu Recht dargestellt. In der letzten Legislaturperiode hat das Umweltministerium eine Vielzahl von parlamentarischen Initiativen auch hier im ode – 14. Sitzung – Donnerstag, 7. Oktober 2021 Haus beantwortet, auch sehr viele schriftliche Anfragen. Eine kurze Anmerkung: Die Position und die Aufgabe des Umweltministeriums ist in den vergangenen Jahren gleich geblieben. Bei uns stehen die Schäferinnen und Schäfer im Vordergrund. Wir haben die große Aufgabe, diese zu schützen. Da gab es keinen Paradigmenwechsel. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: So ist es!) Wir arbeiten ganz konsequent am Herdenschutz. Dazu will ich Ihnen ganz kurz den aktuellen Stand darstellen. (Beifall der Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE und An- dreas Deuschle CDU – Lachen bei Abgeordneten der AfD – Abg. Udo Stein AfD: Begeisterter Applaus bei den Grünen!) – Ich halte eine sachliche Rede zum Wolf, weil alles andere wenig hilfreich ist. Deswegen: Ich freue mich zwar über Applaus, aber es muss nicht sein. Momentan gibt es in Baden-Württemberg drei residente Wolfsrüden. Resident bedeutet: Ein Wolfsindividuum kann länger als ein halbes Jahr sicher nachgewiesen werden. GW1832m konnte im Odenwald, GW852m im Nordschwarzwald und GW1129m im Südschwarzwald nachgewiesen werden. Das sind die drei residenten Wölfe. Seit der Stellungnahme zu dem Antrag gab es zwei Neunachweise von zwei Rüden. Ein Wolf wurde mehrfach im mittleren Schwarzwald nachgewiesen, ein anderer in der Feldbergregion. Da gab es auch ein kurzes Video, das auf Youtube viral ging. Dort können Sie sich den Wolf anschauen. Beide neu nachgewiesenen Wölfe liegen im Fördergebiet „Wolfsprävention Schwarzwald“. Deswegen war es gut, dass wir bei der Erweiterung der Förderkulisse den gesamten Schwarzwald aufgenommen haben, sodass auch diese beiden noch nicht residenten Wölfe – vielleicht sind sie auch schon abgezogen, ich weiß es nicht; das entscheiden die Wölfe selbst – mit aufgenommen sind, da wir die Förderkulisse entsprechend groß gezogen haben. Es wird sich zeigen, ob in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren weitere Wölfe dazukommen, ob vielleicht welche resident werden, ob residente Wölfe weiterziehen, weil die Männchen keine Weibchen finden (Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen) oder weil sie es irgendwann selbst im schönen Schwarzwald blöd finden, darauf zu warten, ob mal eine Wölfin kommt oder nicht. Das entscheiden aber nicht wir, das entscheiden die Wölfe. Entschieden haben wir allerdings, dass wir trotz des strengen Schutzes – darauf hat Kollege Rösler gerade hingewiesen – keine Abstriche – keine Abstriche! – bei der Sicherheit der Menschen machen und dass wir die Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter in Baden-Württemberg bestmöglich unterstützen. In Baden-Württemberg sind wir auf Wölfe vorbereitet. Das waren wir schon zu einem Zeitpunkt, als die Wölfe noch gar nicht da waren. Das ist ganz wichtig. Wir sind so gut vorbereitet wie wahrscheinlich kein anderes Land in Deutschland. (Staatssekretär Dr. Andre Baumann) Die Wacholderheiden der Schwäbischen Alb, die Borstgrasrasen und Grindenmoore des Schwarzwalds sowie das artenreiche Weidegrünland unserer Mittelgebirge gehören nicht nur zum wertvollsten Tafelsilber unserer Heimat, sondern sie sind unser lebendiges Kulturerbe. Diese Kulturlandschaften sind genauso streng geschützt wie der Wolf selbst. Sie sind in der FFH-Richtlinie gelistet. Darum – ich habe auch Heimatschutz, Kulturlandschaftsschutz und Naturschutz genannt – stehen auch Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter unter höchstem politischen Schutz. Denn ohne Schäferinnen und ohne Schäfer, ohne Bergbäuerinnen und ohne Bergbauern können wir diese Kulturlandschaft nicht erhalten. Das ist nicht möglich. Ohne Schafe, Ziegen und Rinder auf der Weide sterben unzählige Tier- und Pflanzenarten lokal oder regional aus. Meine Damen und Herren, deswegen müssen wir das Miteinander, das konfliktarme – nicht immer konfliktfreie – Miteinander organisieren. Das ist nicht immer einfach, aber es ist von zentraler Bedeutung. Dabei ist ein wirksamer und praktikabler Herdenschutz das Wichtigste. Deshalb berät in unserem Auftrag die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg kostenlos Tierhalterinnen und Tierhalter in ganz Baden-Württemberg zu geeigneten Herdenschutzmaßnahmen. Wir haben – ich habe es ausgeführt – zwei große Fördergebiete Wolfsprävention in Baden-Württemberg eingerichtet: eines im Odenwald und eines im Schwarzwald. In diesen Fördergebieten fördern wir Herdenschutzmaßnahmen bis zu 100 %. Das haben wir in Deutschland erstmalig etabliert. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: So ist es!) Wir erstatten den Mehraufwand für den Bau von Zäunen bzw. die wolfssichere Ausrüstung vorhandener Zäune, wir fördern auch den Mehraufwand bei der Unterhaltung der wolfssicheren Zäune. Das waren Wünsche der Tierhalterinnen und Tierhalter, der Ziegenhalter, der Schafhalter, aber auch der Gehegewildhalter. Wir haben diese Wünsche, dieses Bedürfnis aufgenommen und in Brüssel und Berlin durchgesetzt, damit wir einen Weg finden, dass es geht. Und bei uns geht es. Seitdem haben auch andere Bundesländer nachgezogen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Jetzt wurde gesagt: In Bayern läuft es nicht so gut. Ich werde mich als Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium nicht zu den bayerischen Verhältnissen äußern. Ich will ganz klar keine bayerischen Verhältnisse. Ich will baden-württembergische Verhältnisse, (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Das ist immer gut!) weil die beim Herdenschutz derzeit die besten sind. Wie gesagt: In keinem anderen Bundesland ist die Förderung der Tierhalterinnen und Tierhalter so gut wie bei uns, also Herdenschutz der Premiumklasse. In den letzten drei Jahren wurden bereits 2,5 Millionen € an Fördermitteln für Zäune und Herdenschutzhunde bei uns abgerufen. Weitere Anträge sind eingegangen und in der Prüfung. Diese umfangreichen Präventionsmaßnahmen durch die Förderung des Landes wirken, und darauf können wir auch ein wenig stolz sein. Aber das ist uns jeden Tag Mahnung, imriode – 14. Sitzung – Donnerstag, 7. Oktober 2021 mer besser zu werden, weil wir die Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter brauchen. Bisher wurde kein einziger Zaun – ich betone: kein einziger –, der die Anforderungen eines sogenannten Grundschutzes erfüllt, von einem Wolf in Baden-Württemberg übersprungen. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Kein einziger!) Aber seit 2015 konnten 30 Nutztierrisse eindeutig einem Wolf zugeordnet werden; betroffen waren ausnahmslos Schafe und Ziegen. Wir prüfen jede eingegangene Meldung sehr akribisch und machen zur Not auch noch einen DNA-Test. Dem stehen im gleichen Zeitraum 152 Ereignisse von toten Nutztieren gegenüber, für deren Tod möglicherweise ein Wolf Verursacher hätte sein können. 30 dem Wolf zuzuordnende Risse stehen also 152 nicht dem Wolf zuzuordnenden Rissen gegenüber. Ich bin auch sehr dankbar, dass unsere Fördermaßnahmen für den Herdenschutz nicht nur beim Wolf, sondern auch bei wildernden Hunden wirken – und derer gibt es in Baden-Württemberg leider auch ziemlich viele. Wir haben eine lange Dokumentation von Rissen durch wildernde Hunde. Manche Hundehalterinnen und Hundehalter meinen, Schafe und Ziegen auf der Weide seien zum Spielen für ihre Schäferhunde und für andere Hunde da. Das geht gar nicht. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Ich nenne die Zahlen jetzt nicht, um die Nutztierrisse durch Wölfe nicht zu bagatellisieren. Ich stimme auch denjenigen zu, die sagen, dass jedes gerissene Nutztier eines zu viel ist. Und wenn eine Herde nach einem Riss schalu ist – das ist sie manchmal; sie ist durcheinander –, dann bedeutet das einen großen Aufwand für die Tierhalterinnen und Tierhalter. Ich habe viele Tierhalter direkt nach Wolfstierrissen besucht und konnte das selbst beobachten. Deswegen versuchen wir, genau das zu verhindern. Ich appelliere an Sie, die Sie viel im Land unterwegs sind: Motivieren Sie die Tierhalterinnen und Tierhalter, sich bei uns zu melden und die Förderung zu beantragen. Für Ihren Einsatz bin ich schon jetzt dankbar. Wir werden nicht nachlassen und versuchen, beim Herdenschutz in Baden-Württemberg immer besser zu werden. Und wenn es eine gute Idee gibt, werden wir auch versuchen, sie aufzugreifen. Denn unser Ziel ist es, dass es bei mehr Wölfen in Baden-Württemberg zu weniger Nutztierrissen kommt. Das ist die große Aufgabe, die wir bewältigen müssen. Wir brauchen mehr Schafe. Wenn es mehr Wölfe werden, kann ich das nicht verhindern, aber die Zahl der Nutztierrisse muss deutlich sinken. Sollte sich ein Wolf zu einem echten Problemwolf entwickeln, indem er z. B. gut geschützte Nutztiere attackiert und reißt, werden wir dafür sorgen, dass dieser Wolf entnommen wird, sprich totgeschossen wird – auf der Basis des Naturschutzrechts; das muss immer sein. Das kann durch einen Revierjäger geschehen – mit diesen arbeiten wir gut zusammen – oder über ein Entnahmeteam. „Eingreiftruppe“ ist ein bisschen umgangssprachlich, Herr Kollege Rösler. Wir haben ein Entnahmeteam aus Berufsjägern, Wildtierökologen und Fährtenlesern, die ihre Aufgabe gut vorbereitet professionell erfüllen, damit uns kein Wolf durch die Lappen geht.

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