landtag-bw.de ↗

Udo Stein

AfD 07.10.2021 Sitzungen 17/14

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Zunächst möchte ich mich bei Ihnen von der FDP/DVP dafür bedanken, dass Sie das Thema „Vorgehen beim Wolf in Baden-Württemberg“ eingebracht haben. Wir haben dieses Thema, wie schon erwähnt, schon mehrfach diskutiert. Ich werde auch sachlich und fachlich dazu Stellung nehmen. Da, wo wir Übereinstimmung haben, stimme ich Ihnen ja vollkommen zu – im Unterschied dazu, wie Sie es leider beim Nachtangelverbot machen. riode – 14. Sitzung – Donnerstag, 7. Oktober 2021 In Artikel 14 des Grundgesetzes wird der Schutz des Eigentums garantiert und in Absatz 2 der Gebrauch zum Wohl der Allgemeinheit geregelt. Schafe, Ziegen und Rinder sind das Eigentum der Weidetierhalter. Auch ich möchte mich ganz herzlich bei allen Weidetierhaltern bedanken, die viel zur Kulturlandschaft und zur Biodiversität in unserem Land beitragen. Was Sie aber mit Ihrer ganzen Wolfsbefürwortung einfach übersehen, das ist die Entwicklung. Wir haben in Baden-Württemberg das Glück, dass wir bis jetzt nur Rüden haben. Wir haben noch keinen Nachwuchs. Das Problem wird – – Wir wissen nicht, wann. Sie sagen: Hoffentlich dauert es noch lange. Ich möchte da mal widersprechen. Das Problem, dass wir eine exponentielle Entwicklung bei den Wölfen haben, kann ganz schnell da sein. Dazu muss ich einfach einmal feststellen: Ein Wolf ist kein Vegetarier, und es gibt auch Gründe, warum unsere Vorfahren dafür gesorgt haben, dass wir keine Wölfe mehr haben. Da könnte ich Ihnen einen stundenlangen Vortrag halten; das werde ich jetzt aber nicht machen. Aber ich möchte Ihnen mal eines vor Augen halten: Wir sollten an unsere Weidetierhalter denken, die zum Teil ihre Schafe, ihre Ziegen, ihre Kälber liebevoll mit der Flasche großziehen. Man muss sich vorstellen, wie es denen in anderen Ländern wie Niedersachsen oder Brandenburg psychisch und mental geht, wenn sie morgens aufs Feld gehen und so etwas sehen: (Der Redner hält ein Foto eines gerissenen Weide- tiers hoch.) Oder so etwas: (Der Redner hält ein weiteres Foto eines gerissenen Weidetiers hoch. – Abg. Reinhold Pix GRÜNE: Das sieht man in der Wilhelma auch!) – Ja, das sieht man in der Wilhelma auch, Herr Pix, richtig. Ein Fleischfresser frisst Fleisch. Da bin ich wahnsinnig dankbar, wenn diese Erkenntnis bis zu den Grünen durchgedrungen ist. Bravo! (Vereinzelt Heiterkeit und Beifall bei der AfD) Frau Rolland, Sie sagten, wir ersetzten den Schaden. Ja, wir geben 1,3 Millionen € dafür aus. Frau Walker – sie ist leider nicht da –, (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Der Staatssekre- tär ist da!) der vorherige Umweltminister hat es in einer früheren Sitzung klipp und klar zum Ausdruck gebracht, als er gesagt hat: „Solange wir es noch finanzieren können, werden wir gegen die Wölfe nicht vorgehen. Aber wenn es mal wie in Niedersachsen 8 Millionen € sind, dann müssen wir uns etwas überlegen.“ Genau das ist doch eigentlich die Tatsache: Sie können es noch finanzieren, Sie wollen es noch finanzieren. 1,3 Millionen € kann man bezahlen. Aber was Sie nicht bezahlen können, sind die Auswirkungen auf die Weidetierhalter, wenn sie auf dem Feld so etwas sehen, wie ich es gerade gezeigt habe, und „mit so einem Hals“ nachts schlafen, weil sie nicht wissen, wie am nächsten Morgen der Zustand ihrer Herde sein (Udo Stein) wird und was sonst noch alles sein kann. Das können Sie mit keinem Geld der Welt ersetzen. Das ist einfach traurig. Wir sind im Moment gerade an einem Scheideweg. In welche Richtung wollen wir gehen? Wollen wir wirklich warten, bis wir in Baden-Württemberg Wolfsrudel haben, bis sich Wölfe exponentiell vermehren? In Sachsen sind es schon 300 Wölfe, in Brandenburg 400. In Brandenburg gab es 627 Nutztierrisse, in Graubünden in der Schweiz sind allein in diesem Sommer 100 Schafe und Ziegen gerissen worden. Und wir sind jetzt am Anfang, bevor eine solche Entwicklung eintritt. Deshalb ist die Frage: Wo wollen wir hin? Was wollen wir machen? Wollen wir solche Zustände, ja oder nein? Sie sagen Ja. Die FDP sagt: Nein, nicht ganz so schnell. Und ich sage knallhart: Nein, wir wollen das überhaupt nicht. Denn ich spreche mich ganz klar dafür aus, dass wir den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen – genauso wie die Kollegen von der FDP/ DVP –, (Abg. Michael Joukov-Schwelling GRÜNE: Die FDP ins Jagdrecht?) aber nicht ins Schutzmanagement, sondern mit der klaren Möglichkeit, die Wölfe zu dezimieren und zu entnehmen. Denn was bringt es in Zukunft, wenn wir sagen: „Wir haben den Wolf im Jagdrecht, einer hat ein Schaf gerissen, und jetzt dürfen wir ihn jagen.“ Wo ist er denn dann? Wenn wir wollen, dass die Weidetierhalter in unserem Land eine Zukunft haben, dann müssen wir einfach konsequent die Wölfe bejagen, um unsere Kulturlandschaft zu schützen. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Das ist Ideolo- gie!) Das möchte ich Ihnen allen einfach ans Herz legen. Wir stehen am Scheideweg. Wir können noch ewig abwarten. Der Wolf ist da. Der Wolf hat sich bei uns noch nicht vermehrt, aber der Tag wird kommen. Dann ist die Frage: Wie machen wir es? Ich habe es gesagt: Wir können heute reagieren. Die FDP/DVP möchte auch eine schnelle Reaktion. Ihr lehnt es ab. Wir werden uns wieder sprechen. Danke schön. (Beifall bei der AfD – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜ- NE: Er weiß noch nicht mal, dass Jungtiere gefährli- cher als Rudel sind!)

Alle Reden von Udo Stein Protokoll ↗