Manuel Hailfinger
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich sehr, dass der Wolf das erste Thema ist, zu dem ich heute im Landtag zu Ihnen sprechen darf. Die Wolfspopulationen steigen an, das haben wir überall gehört, das vernehmen wir, und es ist sicher (Manuel Hailfinger) auch der Anlass, warum wir diese Debatte heute führen. Ich stelle fest, dass dieses Thema draußen bei den Menschen sehr, sehr emotional behandelt wird. Ich rege trotzdem an, dass wir die Debatte miteinander sehr sachlich führen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe bisher nicht wahrgenommen, dass irgendwo eine Gefährdung für den Menschen entstanden ist. Gleichwohl ist mir klar, dass Gefahren durch Nahrungsmangel, Tollwut oder auch eine Vermischung mit Haushunden entstehen können. Das dürfen wir nicht so einfach unterschätzen. Deswegen ist es wichtig, dass wir miteinander darüber sprechen. Ich sehe natürlich auch den Konflikt zwischen Wolf und Weidetierhaltung. Darum geht es im Kern ganz stark. Es geht um ökonomische Probleme: Was passiert, wenn unmittelbar Schäden – z. B. durch das Reißen von Nutztieren, durch die Verletzung von Tieren oder durch Unfälle infolge von in Panik geratenen Tieren – entstehen? Es geht natürlich auch um das Thema „Artenschutz und Biodiversität“. Wenn wir überall Herden vor dem Wolf schützen müssen, alles eingezäunt werden muss, dann bedeutet das natürlich auch, dass eine gewisse Zerschneidung von Lebensräumen stattfindet. Aber wir müssen das Ganze auf den Kern zurückführen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Es geht nicht um die Frage, ob wir überall in Baden-Württemberg Wölfe aussetzen. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Das machen wir nirgends!) Es geht ganz konkret nur um die Frage, wie wir – ich will das einfach einmal klarstellen – mit zugewanderten Tieren umgehen. Wir müssen das sehr differenziert beurteilen; denn die Situation ist innerhalb von Deutschland sehr unterschiedlich. Wir haben hier in Baden-Württemberg einzelne Tiere, während wir z. B. in Brandenburg bereits eine Population haben, die größer ist als die im elfmal so großen Finnland. Daher muss man das ein bisschen auseinanderdividieren. Man muss den Blick auch darauf richten, wo die Wölfe sind, auf Brandenburg, auf Sachsen, auf Niedersachsen. Es gilt, genau hinzuschauen: Wo sind denn da die Probleme? Wer genau hinschaut, der sieht: Ganz so scheu ist der Wolf auch nicht, als dass man ihn gar nicht sieht. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Insbesondere die Jungtiere nicht!) Wenn er Hunger hat, schaut er nicht nur nach Schalenwild, sondern hält auch Ausschau nach Schafen und Ziegen. Das gehört zur Wahrheit dazu. Ich glaube, so offen und ehrlich müssen wir die Debatte miteinander führen. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: So ist es!) Dann muss klar sein – das möchte ich einfach betonen –, dass mit der fortschreitenden Entwicklung, die wir natürlich genau beobachten müssen, das konsequente Eingreifen in den Wolfsbestand unumgänglich ist. Das fängt mit dem an, was gerade schon angesprochen worden ist, nämlich mit der Entnahme, die wir heute schon über ode – 14. Sitzung – Donnerstag, 7. Oktober 2021 die Naturschutzgesetzgebung regeln können. Aber das muss auch weitergehen. Wir sind im Koalitionsvertrag diesbezüglich einen Schritt weiter gegangen. Es geht darum, dass wir das organisieren, dass wir flächendeckend vorhandene Organisationsstrukturen mit geschulten Fachleuten haben, die die notwendigen Eingriffe – bei verhaltensauffälligen Tieren und zukünftig auch im praktischen Bestandsmanagement – durchführen können. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Deswegen haben wir festgeschrieben, dass wir eine Arbeitsgruppe aus den Jagd-, Natur- und Tierschutzverbänden, der FVA und den Tierhaltungsverbänden bilden wollen. Diese Arbeitsgruppe wird einberufen, um klarzumachen, dass wir ein Konzept für das Wolfskompetenzzentrum erarbeiten wollen. Das muss die Grundlage sein. Konkret zu dem Antrag der FDP/DVP kann ich sagen: Es gibt ja den Wildtierbericht. Ich glaube, wir sollten uns weiterhin an diesem Wildtierbericht orientieren, genau schauen, was aus dem Wildtierbericht 2021 hervorgeht, und dann eine Entscheidung treffen. Deswegen werden wir, die CDU-Fraktion, heute den Beschlussteil des Antrags ablehnen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)
