Rudi Fischer
Sehr geehrter Herr Minister, eine Frage habe ich noch. Sie haben die freie Wirtschaft aufgeführt, und Sie führen auch die freie Berufswahl an. Das heißt, die Busfahrerinnen und Busfahrer werden in Zukunft wahrscheinlich nicht – wie soll ich sagen? – vom Band fallen. Wenn Sie von einer Verdopplung der Fahrgastzahlen sprechen, frage ich mich immer: Woher bekommen Sie die zusätzlichen Busfahrerinnen und Busfahrer? Sie haben ja eigentlich schon die Zahl der Busfahrerinnen und Busfahrer, die Sie im Moment einsetzen. Wenn Sie von einer Verdopplung reden, haben Sie bestimmt eine Ahnung, eine Idee, was das tatsächlich an konkreten Zahlen bedeuten würde, die erforderlich wären, um diese Verdopplung abzudecken. Minister für Verkehr Winfried Hermann: Ich sehe das Problem etwas anders. Es ist ja nicht so, dass heute von frühmor- (Minister Winfried Hermann) gens bis spätabends und auch am Wochenende alle Busse und Bahnen rammelvoll wären und wir deswegen eine zweite Bahn, einen zweiten Lokomotivführer brauchten. Ich sehe noch sehr viel Kapazitäten in den Gefäßen, wie wir sie heute anbieten. Daher bedeutet der Zuwachs nicht automatisch mehr Lokomotivführer oder Busfahrer. Aber natürlich haben Sie recht: Perspektivisch werden wir künftig sicherlich eher mehr Busfahrerinnen und Busfahrer brauchen als heute. Und dann stellt sich schon die Frage, wie wir mehr Busfahrerinnen und Busfahrer aus dem Arbeitsmarkt bekommen. Zum anderen werden wir auch Technologien einsetzen müssen. Wir haben vor einigen Jahren extrem viel über autonomes Fahren beim Pkw gesprochen. Ich persönlich glaube, dass dies eher nicht so wichtig ist. Die meisten Leute bei uns fahren gern Auto und können Auto fahren. Die wollen gar nicht, dass ein Automat fährt. Aber im Transportbereich wäre es natürlich eine erhebliche Erleichterung, wenn ein Lkw-Fahrer mit Platooning drei Lkws fahren könnte. Das Gleiche können wir übrigens auch mit den Shuttlebussen machen. Das ZF-Projekt basiert auf der Annahme, dass man ein Gefäß hat. Da gibt es noch einen Begleiter, und dann würde man, wenn man mehr braucht, im Platooning-System ein zweites und ein drittes anhängen – einfach auch, weil man weiß: Es wird einen Mangel an Fahrerinnen und Fahrern geben. Ich glaube – deswegen sage ich das auch –, der Mangel an Fahrerinnen und Fahrern wird dazu führen, dass in diesem Bereich die Automatisierung schneller voranschreitet als im Pkw-Bereich.
