Thomas Hentschel
Herr Minister, ich komme einmal weg vom Thema Schiene, obwohl ich diesbezüglich noch andere spannende Fragen hätte, insbesondere was KV-Terminals und die Maßnahmen des Landes betrifft. Vielleicht können Sie uns diesbezüglich einen kurzen Überblick über den Stand geben. Aber für mich ist auch die straßengebundene Seite interessant. Welche Ziele hat das Land beim straßengebundenen Verkehr in Richtung Klimaschutz? Welche Stellschrauben gibt es, mit denen Sie versuchen, Themen wie beispielsweise „reFuels“ oder Ähnliches voranzutreiben? Minister für Verkehr Winfried Hermann: Zunächst einmal zu den KV-Terminals, also zum kombinierten Verkehr. Das ist sicherlich ein sehr sinnvolles und nachweislich auch ein sehr zukunftsfähiges Konzept. Nach diesem Konzept wird die kürzere Strecke, aus der Fläche heraus, mit einem Lkw zurückgelegt, weil es dort keine Schiene gibt. Dann bringt man die Container zum KV-Terminal, und dann geht es auf dem Wasser oder auf der Schiene zu den sogenannten ZARA-Häfen – das sind holländische und belgische Häfen an der Nordsee, die durch den Rhein erschlossen werden – oder nach Hamburg oder Bremerhaven. Der lange Weg dorthin kann nur auf der Schiene zurückgelegt werden. Das sind sinnvolle, klimafreundliche und nachhaltige Kombinationen, die wir ausbauen müssen. In Baden-Württemberg sind vor rund 20 Jahren viele noch vorhandene dezentrale Güterterminals unter dem damaligen Bahnchef leider beseitigt worden. Darunter leiden die Regionen bis heute. Teilweise sind die Flächen noch vorhanden, und wenige werden noch genutzt. Ein wirklich gutes Beispiel gibt es bei Horb-Heiligenfeld. Dort sind wir gerade dabei, mit Fördermitteln des Landes und des Bundes ein KV-Terminal aufzubauen. Wobei ich sagen muss: Wir, das Land, fördern nicht die Infrastruktur, sondern die Konzept- und die Machbarkeitsstudien, und der Bund fördert die Infrastruktur. Teilweise können wir die Infrastruktur in bescheidenem Umfang mitfördern. Aber das ist sozusagen der Impetus, den wir haben wollen. Außerdem fördern wir gerade die Stadt Reutlingen, die sich vorgenommen hat, das ehemalige Güterbahnhofsareal, das ziemlich zentral in der Stadt liegt, so zu nutzen, dass von dort aus klimafreundlicher Güterverkehr und Logistik auf der Straße organisiert wird. Dort will man möglichst ein hoch automatisiertes Terminal, mitten in der Stadt, das leise sein soll. Die Stadt soll möglichst mit null Emissionen versorgt werden. Das ist ein sehr anspruchsvolles Projekt, das wir gern fördern, unterstützen. Davon brauchten wir mehr. Es gibt noch ein paar weitere Flächen. Es gibt ein Großprojekt, über das wir schon lange mit der Stadt verhandeln, nämlich in Lahr. Dort besteht im ehemaligen Flughafenareal die Chance, ein richtig großes KV-Terminal zu bauen. Die neue Rheintalstrecke, die entlang der Autobahn gebaut wird – das iode – 13. Sitzung – Mittwoch, 6. Oktober 2021 dritte und das vierte Gleis –, wird direkt dort vorbei gebaut. Welchen idealeren Standort gibt es als diesen? Die Stadt Lahr ist dazu auch gern bereit. Wir werden demnächst den Mobilitätspakt Lahr starten. In diesem werden das Terminal, aber auch die anderen Verkehrsprobleme eine Rolle spielen. Ich hoffe, dass wir sie gemeinsam lösen können. Was die Frage nach den erneuerbaren Kraftstoffen anlangt: Wir haben zum einen das Projekt „reFuels – Kraftstoffe neu denken“ beim KIT in Karlsruhe, zusammen mit MiRO, der Mineralölwirtschaft und der Automobilbranche. Dort arbeiten wir an einer großen Demonstrationsanlage mit einer Jahresproduktion von mehreren Zehntausend Tonnen. Damit stehen wir kurz vor der noch größeren industriellen Produktion. Das bringen wir voran. Das ist das eine. Wir haben aber auch kleinere Projekte, die sich eher noch im Pilotstadium befinden. Wir werden es wahrscheinlich schaffen, dass wir zusammen mit der Zementwirtschaft, genauer gesagt mit der Firma SCHWENK Zement, in Mergelstetten ein Werk aufbauen. Bei der Zementherstellung entsteht sehr viel CO . Die haben auch ein Problem, da es für sie im europäischen Klimahandelssystem teuer wird. Also haben sie ein Interesse daran, ihren CO -Ausstoß zu reduzieren. Letztlich hat auch die Flugwirtschaft ein Interesse daran, dass aus dieser Reduktion von CO auf CO -Basis ein neuer Kraftstoff – 2 2 ein mit Blick auf die Klimaneutralität besserer Kraftstoff, also synthetisches Kerosin – entsteht.
