Georg Heitlinger
Herr Minister, vielen Dank. Ich habe mir das mit Interesse angehört. Ich bin ja selbst Landwirt. Als Ackerbauer habe ich bisher von der Durchwachsenen Silphie noch gar nichts gehört. Ich habe jetzt gerade mal gegoogelt: Die Versuche sind aus dem Jahr 2010. Das ist schon ein bisschen her. Ich finde das alles gut – auch mit der Regionalität; sie liegt mir am Herzen. Was ich allerdings als Ackerbauer kritisch sehe: Wenn ich es richtig verstanden habe, wollen Sie die Kohlenstoffe praktisch vom Acker holen. Man will also eine Doppelnutzung haben. Als Landwirt denkt man aber normalerweise langfristig, sprich: Unsere Vorfahren haben uns die Äcker schon in einem guten Zustand übergeben, und wir wollen sie auch unseren Kindern in einem guten Zustand übergeben. Wenn ich z. B. Weizen dresche, bleibt das Stroh auf dem Acker, um den Humusaufbau zu fördern und die Struktur des Bodens zu erhalten. Wenn ich aber jetzt alles abernte und wenig zurückführe, (Georg Heitlinger) dann schädige ich mittelfristig, langfristig den Boden, die Bodenstruktur. In der Theorie, wenn Sie viel Kohlenstoff wegnehmen, bleibt der Kohlenstoff nicht im Boden. Also leidet der Boden. Sehe ich das falsch? Können Sie mich da aufklären? Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Ich weiß nicht, ob ich Sie aufklären kann, weil ich kein Ackerbauer bin und deshalb nicht vom Fach bin. Aber ich sage mal: Es ist doch vollkommen klar: Sie brauchen natürlich auch Kohlenstoffe im Boden zum Humusaufbau. Auch der Humusaufbau ist essenziell notwendig für die Kohlenstoffspeicherung auf der Fläche. Das ist überhaupt keine Frage. Aber die Frage ist ja immer: Wie viel von was? Sie brauchen den Humusaufbau. Wenn Sie keinen Halmverkürzer verwenden – was ich Ihnen nicht empfehlen würde und was auch mit den Leitlinien der Landesregierung nicht mehr im Einklang stünde; aber Sie dürfen es natürlich noch –, dann können Sie einen Teil des Strohs natürlich auch anderweitig als Kohlenstoff verwerten. Das heißt, dass wir Kohlenstoffe eben nicht insgesamt dort belassen müssen, wo sie anfallen und wachsen, sondern dass wir einen Teil davon auch ernten können. Das sollten wir auch tun. Wir ernten dann nicht nur die Proteine aus dem Weizenkorn, sondern wir ernten auch die Kohlenstoffe aus Teilen des Halmes. Andere Teile können Sie zur Humusbildung im Boden belassen. Diese Kohlenstoffe führen wir einer kaskadenartigen Folgeverwertung zu. Das halte ich auch für richtig und sinnvoll. Wenn Ihnen die Durchwachsene Silphie bisher entgangen ist: Ich meine, die Anbauerfahrungen in Baden-Württemberg gehen schon über 20 Jahre zurück. Mittlerweile ist es eigentlich eine bei uns etablierte mehrjährige Pflanze.
