Dr. Uwe Hellstern
Die Frage ist, wie Sie die Biowirtschaft und auch die Rohstoffgewinnung aus Biowirtschaft ausweiten wollen, ohne dass die Lebensmittelproduktion darunter leidet. Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Genau das, Herr Abgeordneter, ist die Kunst, dass wir beides zusammenbringen. Das ist auch in einem hoch industrialisierten Land wie Baden-Württemberg eriode – 10. Sitzung – Mittwoch, 21. Juli 2021 die Kunst. Baden-Württemberg ist ein Industrieland und liefert trotzdem agrarische Rohstoffe sowohl für die Lebensmittelproduktion als auch für andere Zwecke. In Zukunft werden eben auch diese anderen Zwecke einen gewissen Anteil einnehmen. Es liegt an uns, das am Ende intelligent so zu gestalten, dass Naturschutz und produktive Flächen nicht im Gegensatz zueinander gesehen werden, sondern miteinander vereinbart werden können. Wenn die Maiskulturen oder auch die Silphiekulturen als Monokulturen gebrandmarkt werden, dann braucht man eben Instrumente, um Biodiversität hineinzubringen – das gibt es auch –, um sie damit einerseits naturverträglich und biodivers verträglicher zu machen und um andererseits auch negative Wirkungen ein Stück weit auszugleichen. Dann brauchen wir noch ordnungsrechtliche Instrumente, damit wir auch Ausgleichsflächen und Ausgleichsmaßnahmen in die Produktion integrieren können. Das ist, glaube ich, das Geheimnis. Wenn das gelingt, bin ich eigentlich ziemlich zuversichtlich, dass wir für Land- und Forstwirtschaft sowie für Industrie und Technik keine Flächenrestriktionen in diesem Sinn haben. Ich gebe zu, das ist eine ordentliche Herausforderung. Da wird es auch noch intensive Diskussionen geben. Aber ich bin überzeugt davon, das kann gelingen. Und anders wird es auch nicht gelingen, denn Sie sagen zu Recht: Ansonsten würden wir unsere Nahrungsmittel und in Zukunft übrigens auch regenerative Kohlenstoffe von anderen Ländern beziehen. Das kann ja nicht die Zielsetzung sein. Wir wollen selbst den Anspruch erheben, dass wir uns von unseren Böden ernähren – nicht Autarkie um jeden Preis, aber dass wir uns weitestgehend autark und nicht einfach zulasten Dritter ernähren oder nachwachsende Kohlenstoffe zulasten Dritter beziehen. Da wollen wir nicht zum Importland werden. Die Zielsetzung ist schon, dass wir eine eigene Investitionsoffensive starten und auch eine eigene industrielle Entwicklung in diesem Sektor befördern.
