Konrad Epple
Vielen Dank, Herr Minister, für Ihre bisherige Beantwortung und den Bauchladen, mit dem Sie uns das alles dargelegt haben. Ich frage jetzt: Wo sehen Sie großes Potenzial für die Praxis der Anwendung und insbesondere die Chance für den ländlichen Raum? Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Die Chance für den ländlichen Raum besteht, glaube ich, einfach darin, dass wir für die pflanzliche Produktion Fläche brauchen. Das ist eine Chance für die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft kann die eingetretenen Pfade der Lebensmittelerzeugung und der energetischen Erzeugung ein Stück weit verlassen. Wir transformieren die Landwirtschaft und machen sie zu einem Produzenten von Kohlenstoffen, die in andere Richtungen weisen. Das ist, glaube ich, die spannende Herausforderung, die damit verbunden ist. Es bedarf natürlich Innovationen und Technologieinnovationen; die sind dazu notwendig. Damit schaffen wir es, im Land Wertschöpfungsketten aufzubauen und hoffentlich auch auszubauen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Sie bestehen im landwirtschaftlichen Sektor genauso wie außerhalb der Landwirtschaft. Ich nenne einfach einmal ein paar Anwendungsfelder im landwirtschaftlichen Sektor: Die Folienabdeckung der Spargel- und Erdbeerfelder besteht aus Plastik, einem fossilen Kohlenstoff. Dieser könnte durch nachwachsende Kohlenstoffe ersetzt werden. Dazu bedarf es der richtigen Verfahren. Das muss erst einmal erforscht werden. Dazu gibt es Bioökonomieprojekte, ebenso wie beim Thema Textilien. Sie kennen die grünen Wuchshüllen, die derzeit im Zuge der Wiederbewaldung in den Wäldern stehen. Diese werden derzeit aus einem fossilen Kohlenstoff, aus Erdöl, hergestellt. Wir versuchen derzeit – das ist bereits angestoßen – in einem Projekt, sie aus einem nachwachsenden Kohlenstoff herzustellen. Gewährleistet sein muss, dass die Wuchshüllen nach fünf Jahren wirklich zerfallen und nicht dauerhaft in den Wäldern verbleiben. Diese Projekte haben gewaltige Potenziale für die Entwicklung der Landbewirtschaftung und der nachfolgenden industriellen Entwicklung. Ich behaupte, das gibt einen Entwicklungsschub. Damit gibt es auch ganz neue Technologiefelder, die wir erschließen können. Insofern ist das für das Innovationsland Baden-Württemberg ein gewaltiger Schub, der sich auch in der Fläche zeigen kann, nämlich in den ländlichen Räumen. Ich glaube, da hat man Potenziale. Das Letzte, was ich erwähnen will, ist: Wir haben schon eine gute Infrastruktur. Wir haben durch die EEG-Förderung Anfang des Jahrtausends mittlerweile rund 1 000 Biogasanlagen (Minister Peter Hauk) im Land. Diese Biogasanlagen stellen fast eine Grundinfrastruktur im ländlichen Raum dar. Damit wird derzeit Gas hergestellt. Das Gas wird verstromt. Dann hat man noch ein Abfallprodukt, und zwar die Wärme. Das ist relativ simpel. Interessant wird es, wenn aus den Biogasanlagen regelrechte Bioreaktoren werden, bei denen die Stromproduktion vielleicht nur noch ein Abfallprodukt ist. Denn denkbar ist, dass das Gas nicht nur verbrannt und Strom erzeugt wird, sondern dass aus dem Gas auch LNG hergestellt wird, um damit Motoren zu betreiben. Das wäre eine Alternative zu bisherigen Kraftstoffen. In Biogasreaktoren kann – statt mithilfe der Elektrolyse – Wasserstoff hergestellt werden. Die Kosten für die Wasserstoffherstellung in Biogasreaktoren durch Dampfreformierung liegen derzeit bei 4,5 Cent pro Kilowattstunde, während die Kosten für Wasserstoff, hergestellt mithilfe der Elektrolyse, derzeit 15 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das ist schon einmal ein deutlicher Startvorteil. Wir haben aber ein Netz von Biogasanlagen, das schon heute durch das EEG, durch die Einspeisung gefördert wird und als Potenzial vorhanden ist und das wir, glaube ich, nutzen müssen. Da werden jetzt die rechtzeitigen Zwischenschritte zur Erforschung weiterer Nutzungsmöglichkeiten folgen müssen. Das Letzte, was ich dazu sagen will, bezieht sich auf die Fraktionierung des Restbestands, auf die Fasern, das, was aus der Gülle herauskommt, wenn das Methan weg ist, egal, ob man Gas zur Verbrennung und zur Stromerzeugung nutzt oder als Biogas oder Wasserstoff zum Antrieb von Motoren. Die Gülle kann man auch fraktionieren – man kann sie ganz gezielt als Mineraldünger dosiert einsetzen – nach Stickstoff, Phosphor, Magnesium, Kalium etc. Es gibt also ungeahnte Möglichkeiten, was wir aus den Biogasanlagen machen können – zusätzlich zu dem, was aus heutiger Sicht schon ziemlich einfältig ist, nämlich einfach nur Strom und Wärme zu produzieren.
