Muhterem Aras
Jetzt warten wir noch, bis das Redepult desinfiziert ist. – Jetzt vergesse ich schon selbst, die Maske abzunehmen. (Vereinzelt Heiterkeit – Das Redepult wird desinfi- ziert.) – Vielen Dank. Für die Landesregierung erteile ich das Wort Herrn Minister Hauk. Es wäre schön, wenn die Landesregierung – das werden Sie sicher machen – die Antworten möglichst kurz hält, damit möglichst viele Fragen gestellt werden können. Aber Sie halten das sowieso ein. Vielen Dank. Herr Minister Hauk, Sie haben das Wort. periode – 10. Sitzung – Mittwoch, 21. Juli 2021 Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Vielen Dank, Frau Präsidentin. Ich werde mich wie immer redlich bemühen. (Vereinzelt Heiterkeit) Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Zunächst einmal herzlichen Dank, Herr Kollege Burger. Aber ich will doch einmal sagen: Die Landesregierung ist ganz unbeteiligt. Die Regierungsbefragung hat der Landtag in die Geschäftsordnung eingefügt, und die Fragenden, die Fraktionen, sind hier komplett autonom. Aber ich freue mich, dass Sie das Thema Bioökonomie aufgreifen, denn ich glaube, es ist angesichts der Thematik in dieser Legislaturperiode mit eines der wichtigsten Themen überhaupt. Die Landesverwaltung will sich bis zum Jahr 2030 klimaneutral organisieren. Die Landesregierung und die Regierungsfraktionen haben sich diesem Ziel verpflichtet. Dazu ist die Bioökonomie unerlässlich. Warum? Kohlenstoffe stammen derzeit hauptsächlich und überwiegend aus fossilen Ressourcen, nämlich aus Erdöl, Erdgas etc. Unser Ziel muss es sein, nicht aus der Kohlenstoffwirtschaft, sondern aus der fossilen Kohlenstoffwirtschaft herauszukommen. Wer dort aussteigen will, muss aber auch irgendwo einsteigen. Auf fossile Kohlenstoffe wird man verzichten können, aber Sie werden auch in Zukunft Verpackungen verbrauchen. Dies ist notwendig und unerlässlich, gerade aus hygienischen Gründen. (Der Redner hält einen Gegenstand hoch.) Ich habe Ihnen einmal etwas mitgebracht. Das ist eine übliche Blisterverpackung aus Plastik. (Der Redner hält einen zweiten Gegenstand hoch.) Anstelle dessen habe ich hier eine Verpackung aus Papier – das kennt jeder. (Der Redner hält einen dritten Gegenstand hoch.) Und hier – das ist schon ein wenig innovativer – habe ich eine Verpackung aus Silphie-Pflanzenfasern, die in der Kaskadennutzung – zu der ich noch mehr sagen könnte – hergestellt wird und die man im Prinzip noch deutlich breiter verwenden kann. Was will ich mit dem Hinweis auf die Silphie sagen? Mit der Silphie gibt es einen Eiweißträger auf dem Acker. Eiweiße werden wir brauchen. Wir leben in einem Proteinnotstandsgebiet; Proteine brauchen wir für die Ernährung etc. Insofern müssen wir versuchen, sie auch pflanzlich anzubauen, weil die tierische Form Veredeln bedeutet und Umweltwirkung sowie Effizienz bei der tierischen Form deutlich schlechter sind. Wir brauchen also eine pflanzliche Erzeugung. Deshalb ist es notwendig, dass wir versuchen, mit den Pflanzenfasern etwas Ordentliches anzustellen und diese Pflanzenfasern auch kaskadisch zu nutzen. Es ist nicht so, dass die Silphie nur verstromt wird und das Thema Biogas damit dann erledigt wäre. Vielmehr bleiben Faserrohstoffe übrig. Mit diesen Faserrohstoffen macht man etwas ganz Neues, etwas, was man mit Papier nicht machen kann. Papier ist für die Lebens- (Minister Peter Hauk) mittelverpackung zum Teil ungeeignet, weil Papiere – sinnvollerweise – 60 bis 70 % Altpapiere enthalten, die wiederum Druckerschwärze etc. enthalten. Diese Mesh-Substanzen können auch in Lebensmittel übergehen, was vermieden werden muss. Deshalb braucht man unbelastete Fasern. Da wäre Holz zu teuer. Ein nachwachsender Rohstoff wie die Silphie, die anstelle von Mais auf den Feldern angebaut werden kann, wäre geeigneter, weil sie auch massenhaft zur Verfügung stehen kann. An diesem Projekt arbeiten wir beispielsweise ganz zentral – wir, das Land, die Landesregierung. Die Zielsetzung ist aber, dass es Unternehmen übernehmen. So hat ein namhafter Lebensmittelhändler in Baden-Württemberg – im Unterland ansässig – eine Tochterfirma gegründet, die das Projekt Silphie in der Kaskadennutzung einsetzt. Das ist unsere Zielsetzung. Wir wollen Anstöße geben für einen sinnvollen Ersatz fossiler Kohlenstoffe durch regenerative Kohlenstoffe. Genau das machen wir. Dazu ist die Bioökonomie geeignet. Daher muss sie auch forciert werden. Ansonsten werden wir die Klimaziele nicht erreichen.
