landtag-bw.de ↗

Udo Stein

AfD 14.07.2021 Sitzungen 17/9

Vielen Dank. – Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! In der heutigen Aktuellen Debatte behandeln wir zu Recht den Wald auf Platz 1 – und zwar unter der Überschrift „Klimaschützer, Wirtschaftsfaktor und Lebensraum – Naturtalent Wald“. Mein erster Gedanke, als ich das gelesen habe, war: Das muss von den Grünen kommen. Aber nein, es kam von der CDU. Schon das allein zeigt, wie weit sich die CDU in der Zwischenzeit der Ideologie der Grünen unterworfen hat. (Zurufe von der CDU, u. a. Abg. Manuel Hagel: Was ist beim Wald Ideologie?) – Der Klimaschutz, das Thema Klima. – Wir sind dankbar, dass wir in einem Land leben, das zu fast 40 % mit Wald bedeckt ist. Schon für unsere Vorfahren war der Wald Rohstofflieferant für Baumaterial und Heizung. Er ist Industrierohstoff, beispielsweise in meiner Region Schwäbisch Hall, was die Salzsiedung anbetrifft. Wichtige Handelsgüter kamen aus dem Wald. Ich möchte dabei historisch an die „Holländertannen“ aus dem Schwarzwald erinnern. Der Wald war Sammel- und Jagdgebiet für Nahrung. (Zuruf des Abg. Daniel Karrais FDP/DVP) eriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 14. Juli 2021 Mit unserem heutigen Wissen ist der Wald für uns noch wertvoller, weil wir von seiner Funktion als Luftreiniger, Sauerstoffproduzent, Wasserspeicher und -reiniger, für den Artenschutz und als CO -Lagerstätte wissen. Nicht erst in Coronazeiten haben wir gelernt, wie wichtig der Wald für uns Menschen als Rückzugsraum und Erholungsort, für die Ruhe ist, auch bei so manchem Waldspaziergang. Ob Pfadfinder oder Mountainbiker, Geocacher, Jäger, Fotografen, Botaniker – alle suchen den Wald. Für wie viele Menschen der Wald wichtig ist, sehen wir allein schon an den Zahlen von 60 000 Mitgliedern des Schwarzwaldvereins oder von 45 000 Jägern im Land. Wie wertvoll dieses Volksvermögen ist, sehen wir aktuell auch an den gestiegenen Holzpreisen – leider nicht unbedingt zum Vorteil der Privatwaldbesitzer. Wenn man den aktuellen Mangel an Baumaterial betrachtet, dann fühlt man sich manchmal schon etwas an die Situation in der DDR erinnert. Doch schon immer war dieses Volksvermögen gefährdet: ob durch die Glasherstellung, den Bergbau, die Erzverhüttung in der vorindustriellen Zeit, die Kahlschläge für Reparationen nach den Weltkriegen oder die Stürme Lothar 1999 oder Kyrill 2007. Der kleine Borkenkäfer macht nicht so viel Lärm wie die Stürme, richtet aber genauso großen Schaden an. ForstBW berichtet für das vergangene Jahr den Anfall von über einer Million Festmeter Schadholz bei Fichte und Tanne, also mehr, als der Sturm Kyrill verursacht hatte. Immer nach solchen Schäden entsteht die Chance, mit viel Wissen und Mühe den Wald widerstandsfähiger und ertragreicher aufzuforsten. Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist eine Erfindung der deutschen Forstwirtschaft. Auch die Förster, die nach den Kahlschlägen für die Reparationslieferungen nach dem Zweiten Weltkrieg die Wiederaufforstung leiteten, planten Mischwälder. Nicht überall wurden Fichtenmonokulturen gepflanzt, und wir sind heute auch froh darüber, dass wir viele Mischwälder haben. (Beifall bei der AfD) Aber zu Sturm und Borkenkäfer kommt heute noch eine ganz neue Gefahr für den Wald hinzu. Die neue Gefahr heißt einerseits Grüne und andererseits CDU. (Beifall bei der AfD – Vereinzelt Lachen – Abg. Ma- nuel Hagel CDU: Der kreative Teil der Rede!) Sie sind diejenigen, die 1 000 Windkraftanlagen in unseren Staatswald setzen wollen. Die Landesregierung möchte für die rein ideologisch motivierten Windkraftpläne unser Vermögen, den Staatswald, opfern. Dazu sagen wir von der AfD: Nein, mit uns nicht. Wir werden dem überhaupt nicht zustimmen. (Beifall bei der AfD) Herr Hauk, wenn Sie von der SPD kritisiert werden, wenn Sie sich dem entgegenstellen, so werden Sie von mir doch mal gelobt, und ich unterstütze da, wo ich kann. (Vereinzelt Lachen – Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE: Das hat er nicht verdient! – Abg. Hans-Ul- rich Sckerl GRÜNE: Das hat er wirklich nicht verdient!) (Udo Stein) Aber die vorherige Landesregierung ist ja nicht nur am Willen des Ministers – und das war nicht nur Minister Hauk – gescheitert, sondern auch vor Gerichten, (Zuruf von der FDP/DVP) beispielsweise beim Windpark Länge bei Donaueschingen im Dezember 2019. Eindrücklich in Erinnerung bleibt auch der Zusammenhang, was die Pressekonferenz der Umweltverbände NABU, BUND und LNV im September 2017 angeht. Die Umweltgutachten zum Genehmigungsendspurt des Jahres 2016 haben ein verheerendes Urteil ausgestellt. Jetzt soll durch den Zugriff der Landesregierung auf unser aller Vermögen im Staatswald diesem Lebensraum eine Fläche von weiteren 1 000 Fußballfeldern zum Opfer fallen. Das ist für mich als jemandem, der wirklich gern im Wald ist, ein Unding. Auch der weitere Machtzuwachs in Brüssel soll der Nutzbarmachung des Waldes dienen. Ohne Respekt vor der Subsidiarität der Demokratien in den Nationalstaaten gab es schon die Forststrategie von 2014 bis 2020, die jetzt mit der neuen EU-Waldstrategie fortgeführt wird. Kein Waldbesitzer erhofft sich Hilfe aus Brüssel – die doch nur aus Geld bestehen kann, das den Bürgern der Nationalstaaten zuvor abgeknöpft wurde. An dieser Stelle möchte ich an den gestrigen Steuerzahler-Gedenktag erinnern. Der 13. Juli, das ist ein recht spätes Datum im Jahr. Eine echte Hilfe für die Waldbesitzer wäre wie bei so vielem der Abbau von Bürokratie. Die Kollegen haben es schon angesprochen: Hinsichtlich der Nasslagerplätze, der Transporte sehen wir Nachbesserungsbedarf. Dies ist etwas, was sich viele Waldbesitzer einfach wünschen. Millionen Waldbesitzer in der EU sollen jetzt den internationalen Entwicklungszielen und den politischen Zielen der EU zu Diensten sein, so Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner im November letzten Jahres. So wird der Wald vonseiten der EU für einen Machtzuwachs instrumentalisiert und vonseiten der Grünen und der CDU hier im Land zum Standort für Holzproduktion und Windkraft degradiert. Es ist wirklich eine Schande, wenn man 1 000 Windräder in den Wald setzen will. Wie viel die baden-württembergische Waldfläche zur angeblichen Rettung des Klimas im Verhältnis zur gesamten Waldfläche der Erde ausmacht, darf sich an dieser Stelle auch jeder selbst ausrechnen. Man muss hier kein Mathegenie sein, um den Wahnwitz der grünen Ideologie zu erkennen. Was die Kosten des Waldumbaus angeht, beispielsweise die Anpflanzung von Laub- und Nadelwäldern: Da sind wir mal sehr gespannt, welche Summen hier am Ende bei den Privatwaldbesitzern hängen bleiben und – Herr Hoher, da bin ich ganz bei Ihnen – wie man hier unterstützend zur Seite stehen kann. Herr Pix hat ja schon angesprochen, dass man nochmals mehr Stellen schaffen will. Ob das der richtige Weg ist, möchte ich bezweifeln. Aber der Wald ist viel mehr. Er ist Lebensraum für Wildtiere. Wir von der AfD bekennen uns zur Vielfalt der traditionellen lperiode – 9. Sitzung – Mittwoch, 14. Juli 2021 Bewirtschaftungsformen des Waldes und zur Freiheit des einzelnen Waldbesitzers, (Beifall bei der AfD) zum Nebeneinander von Wildtieren, Waldbauökonomie und -ökologie, gerade durch die traditionelle Waldwirtschaft. Ich möchte noch ein Wort zu unserem Wappentier, dem Hirsch, verlieren, das noch immer auf nur 4 % der Landesfläche eingesperrt ist. Auch das hätten wir gern geändert. (Zuruf: Genau!) Was das Reh angeht – Herr Pix hat gerade wieder gesagt, das Reh sei ein Pflanzenfresser –: Machen Sie das. Aber ich wehre mich vehement dagegen, dass wir das Reh als Waldschädling ansehen. Das Reh gehört in den Wald, viel mehr als der Mensch. (Beifall bei der AfD – Zurufe) Aber schon lange haben Dichter und hat der Volksmund gewusst, wofür es hier langer Reden bedarf. Deshalb möchte ich nun mit einem kleinen Gedicht aus dem 17. Jahrhundert schließen, das an einem alten Forsthaus hing: Ich bin der Wald, ich bin uralt. Ich hege den Hirsch, ich hege das Reh, ich schütz euch vor Sturm, ich schütz euch vor Schnee. (Zuruf: Oje!) Ich wehre dem Frost, ich wahre die Quelle, ich hüte die Scholle, ich bin immer zur Stelle. Ich bau euch das Haus, ich heiz euch den Herd. Darum, ihr Menschen, haltet mich wert! Haltet mich wert! Wie ihr das mit 1 000 Windrädern im Wald machen wollt, ist mir ein Rätsel. (Beifall bei der AfD)

Alle Reden von Udo Stein Protokoll ↗