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Reinhold Pix

GRÜNE 14.07.2021 Sitzungen 17/9

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte nicht weiter auf die Feminisierung des Waldes eingehen; denn sonst wäre der Kahlschlag, egal, ob im Hambacher Forst oder in Ravensburg zum Kiesabbau, gleichzusetzen mit Gewalt gegen Frauen. (Vereinzelt Heiterkeit) Ich möchte eigentlich auf die wesentlichen Dinge eingehen, die uns beschäftigen, und zwar sehr stark und intensiv beschäftigen. Ja, mein Kollege hat recht, wenn er sagt: Der Wald ist ein Naturtalent. Zwar haben die letzten drei Dürrejahre deutliche Schäden hinterlassen, den Wald zerstört und auch verändert, trotzdem ist er ein talentiertes Ökosystem, und mit unserer Unterstützung wird er sich auch wieder regenerieren. Die Aufgabe von uns, der Politik, ist es, stabile und zukunftsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Naturtalent weiter in unserem Sinn nutzen zu können: als Klimaschützer, Wirtschaftsfaktor und als Lebens- und Erholungsraum. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Diese Rahmenbedingungen müssen wir gemeinsam gestalten – im Staatswald, im Kommunalwald und im Privatwald. Die handelnden Personen müssen bereit sein, die Veränderungsschritte mitzutragen und mitzugestalten. Die Maßgaben der Politik für den Wald sind dabei Klimaresilienz, Artenreichtum und Holzerträge. Damit sind die drei großen Leitplanken für die kommenden fünf Jahre abgesteckt. Erstens: Unter der Überschrift „Waldbau und Klimawandel“ wollen wir die Leistungsfähigkeit der Waldökosysteme erhalten. Dafür müssen wir den Wald umbauen. Wir müssen geschädigte Flächen mit vielfältigen Mischwäldern wiederbewalden und den Waldbau in Richtung einer naturnahen Dauerwaldbewirtschaftung anpassen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Dabei sollte uns allen klar sein: Klimaangepasster Waldumbau wird nicht ohne ausreichend qualifiziertes und vor allem motiviertes Personal gehen. Zweitens: Bausteine für mehr Klimaschutz sind die dauerhafte Verwendung des Rohstoffs Holz und die Bereitstellung von Flächen für erneuerbare Energien im Wald. Wir wollen Vorreiter werden im Holzbau mit Holz aus unseren Wäldern und Wertschöpfungsketten in Baden-Württemberg. Die Nutzung von Holz als Rohstoff für bioökonomische Prozesse ist ein zentrales Zukunftsthema und das Technikum Laubholz ein prioritäres, innovatives Projekt. Wir wollen auch im Wald Flächen für Windkraft zur Verfügung stellen. Drittens: Wald für Arten- und Lebensraumvielfalt. Für mehr Artenschutz werden wir stärkere Anreize schaffen und die bestehenden Möglichkeiten besser publizieren. Zum Artenschutz gehört auch der Schutz von Prozessen. Deshalb wollen wir in den kommenden fünf Jahren im Staatswald 10 % Prozessschutzflächen schaffen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) lperiode – 9. Sitzung – Mittwoch, 14. Juli 2021 Wir wollen alle Aspekte von Nachhaltigkeit, Ökologie, Ökonomie und Sozialem konsequent zusammen denken und wollen branchenübergreifend agieren – klimaresilient, artenreich und rentabel. Unser Koalitionsvertrag mit seinem ambitionierten Programm bildet diese Herausforderung sehr gut ab. Wir werden in einem breiten Prozess ökologische Mindeststandards für eine ordnungsgemäße Waldwirtschaft entwickeln und diese im Landeswaldgesetz verankern. Wir werden die Vorbildfunktion des Staatswalds für ein nachhaltiges Waldökosystemmanagement weiterentwickeln und die Kommunen einbinden. Wir werden eine Privatwaldkonzeption erstellen, die gerade kleine und mittlere Waldbesitzende unterstützen soll. Im Wald befinden sich unsere windhöffigsten Standorte. Der Ausbau der Windkraft ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Darum werden wir den Windkraftausbau im Staatswald konsequent umsetzen und schnellstmöglich weitere Windkraftstandorte zur Vermarktung bringen. Dabei werden wir sicherstellen, dass der Waldanteil an der Landesfläche dauerhaft erhalten bleibt. Eine Moorschutzstrategie für den Wald ist uns ein zentrales Anliegen, ebenso die bodenschonende Bewirtschaftung zur Optimierung der Wasserhaltefähigkeit der Böden und zur Förderung der Resilienz. Den Holzbau werden wir weiter unterstützen und voranbringen. Sie sehen: Wir erkennen die Probleme und haben ein ambitioniertes, richtungweisendes Programm. Jetzt gilt es, dass alle an einem Strang ziehen. Handeln ist alternativlos, schon jetzt und nicht erst in Zukunft. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Viele dieser Maßnahmen kosten uns nur dann die Welt, wenn wir sie nicht angehen. Ganz im Gegenteil, sie bringen Einnahmen, beispielsweise aus der Verpachtung von Windkraftstandorten, und sie dienen der langfristigen Sicherung der Wirtschaftsgrundlage Wald. Ja, wir müssen zusammenhalten. Wenn allein die öffentliche Hand mit über 60 % der Waldfläche in Baden-Württemberg die Wälder vielfältig, am Ökosystem orientiert, nahe am Dauerwald und damit klimaresilient bewirtschaftet, ist einiges geschafft. Eine Allianz der öffentlichen Waldbesitzenden ist wichtig für die Flächenwirksamkeit der Maßnahmen. Auch unter den Privatwaldbesitzenden sehe ich Interesse, mitzumachen. In den vergangenen Monaten habe ich viele gute Gespräche darüber geführt und Beispiele gesehen, die Mut machen, sei es in Freiburg, in Baden-Baden, in Herrenberg, bei den Fürstenbergs oder bei den Hohenzollern. Besonders wichtig ist mir das Wildtiermanagement. Das wird an den Standorten, die ich gerade aufgeführt habe, hervorragend gelöst. Das Wildtiermanagement, also die Jagd, nimmt eine zentrale Rolle beim Waldumbau ein. Warum? Die zarten Triebe junger Pflanzen sind eine Delikatesse für die Tiere. Gibt es viel zu viel Rehwild, kann der Waldnachwuchs nicht nachkommen. Der Waldumbau scheitert dann. Vegetationsgutachten und klare Managementpläne sollen darum Leitplanken für den Jagdpächter bilden. Wir werden diese Situation genau beobachten. Wir können es uns nicht leisten, unseren Wald unter großen finanziellen Anstrengungen aufzubauen (Reinhold Pix) und dann ein Scheitern der Maßnahmen zu riskieren. Gleichzeitig können wir nicht den Wildtieren, deren Lebensgrundlagen zunehmend bedroht sind, Schuld am Scheitern des Waldumbaus geben. Wir haben also viel vor, und wir werden weiter konsequent Veränderungen gestalten. Dass dies kein entspannter Spaziergang wird, ist uns allen klar. Es wird eher eine Herkulesaufgabe werden. Auf den Waldbesitzenden lastet ein hoher Veränderungsdruck: ökonomische Zwänge, teils hohe Schäden und ein hoher zeitlicher Aufwand, gepaart mit schwierigen Prognosen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. All das zwingt den einen oder die anderen zur Aufgabe der Waldbewirtschaftung. Dazu kommt, dass in den kommenden Jahren weitere kontinuierliche Klimaveränderungen mit Dürren und in der Folge Käferbefall erwartet werden. Gesichertes Wissen fehlt, wie sich ein klimaresilienter Mischwald in welchen Regionen genau zusammensetzen muss. Weitere Herausforderungen haben sich in den letzten Monaten am Holzmarkt entwickelt. Holzbaufirmen haben mit steigenden Preisen und leer gefegten Märkten für Schnittholz zu kämpfen, während die Waldbesitzenden bisher wenig von den steigenden Preisen profitieren. Corona und die weltweiten Waldschäden bringen die Märkte in Aufruhr. Auch hier muss die Branche handeln. Die Unternehmen, die schon lange in dauerhaften Verträgen regionales Schnittholz bezogen haben, hatten einen leichten Preisanstieg zu verzeichnen – mehr nicht. Regionale Wertschöpfungsketten mit Preiskorridoren sind also Instrumente, um Marktabhängigkeiten deutlich zu verringern. Gern stehen wir hier als Politiker unterstützend zur Seite. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Zum Schluss: Für mich und meine Fraktion ist klar: Klimaschutz ist unsere prioritäre Aufgabe, und die Lage ist ernst. Auf den Wald bezogen bedeutet das: Nur struktur- und artenreiche, naturnahe Waldökosysteme werden die massiven klimatischen Veränderungen dauerhaft überstehen und nachhaltig Ökosystemdienstleistungen liefern können. Die vielfältigen Funktionen der Wälder rücken aktuell zunehmend in den öffentlichen Fokus, auch weil die Konkurrenz der unterschiedlichen Nutzungsinteressen stetig zugenommen hat. Umso mehr verdeutlicht dies die Notwendigkeit, gesunde Wälder zu erhalten, um allen Waldfunktionen wie der Erholung, der Waldbewirtschaftung und dem Naturschutz gerecht werden zu können. Hierfür müssen wir gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungen finden. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Gernot Gruber SPD)

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