Klaus Burger
... Mountainbiker und Reiter. Und immer öfter ist der Wald auch die letzte Ruhestätte von Verstorbenen, Stichwort Friedwald. Zugleich ist der Wald mit über 200 000 Arbeitsplätzen Jobmotor. 3,5 % des Bruttosozialprodukts werden im Cluster „Forst und Wald“ erarbeitet. Ohne den Wald kann eine Energiewende nicht gelingen. Vier Millionen Festmeter Holz ersparen sozusagen 910 Millionen Liter Heizöl. 1 m3 Holz speichert so viel CO ,wie bei der Herstellung der gleichen Men- (Klaus Burger) ge Beton freigesetzt wird. Deswegen kommt die von Minister Peter Hauk angestoßene Holzbauoffensive zur rechten Zeit. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Nicht zu vergessen ist die Jägerschaft, welche den Wald mit Sachverstand und durch Hege und Pflege zur Heimat vieler Wildtiere macht und zugleich heimisches Wildbret liefert. (Beifall des Abg. Manuel Hagel CDU – Abg. Tho- mas Blenke CDU zu Abg. Manuel Hagel CDU: Da klatschst du! – Beifall bei Abgeordneten der CDU) Der Wald ist also multitaskingfähig bzw. – wie es in der Überschrift unserer Aktuellen Debatte heißt –: Der Wald ist ein Naturtalent. In Baden-Württemberg ist er zudem mit 1,3 Millionen ha sehr groß in der Fläche. Er ist ein Erkennungsmerkmal unserer Heimat. Darauf sind wir stolz: „Germany Black Forest“. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Im Bundesvergleich setzt er mit 50 % naturnaher Bestockung sowie einem Totholzvorrat von 28 m3 je Hektar Spitzenmaßstäbe. Nach wie vor ist beim Baumbestand die Fichte mit 34 % führend, gefolgt von Buche, Weißtanne, Eiche, Kiefer und rund 30 weiteren, teils hier auch neuen Baumarten. Der Umbau in einen robusten Mischwald wurde bereits in den Neunzigerjahren von Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser CDU angestoßen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Also alles gut? Nein, weit gefehlt. Der Wald bereitet uns Sorgen. Die größte Herausforderung ist der Klimawandel. Deswegen haben wir dieses Thema heute auf die Tagesordnung gesetzt. Drei viel zu trockene Sommer in Folge, Befall durch Borkenkäfer sowie Schäden durch Sturm und Schneebruch haben dazu geführt, dass die Folgen des Klimawandels auch im Forst in Baden-Württemberg angekommen sind. Das wird von den Sturm- und Starkregenereignissen der letzten Wochen nicht widerlegt. Im Gegenteil: Diese Unwetterkatastrophen mit Schäden in Millionenhöhe in unseren Landstrichen haben ebenfalls bewiesen, dass es einen Klimawandel gibt. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg arbeitet seit Jahren an zahlreichen Projekten zur Klimaforschung. Damit schafft sie wissenschaftliche Grundlagen für eine künftige Waldbewirtschaftung. Sorgen macht uns auch der Holzmarkt. Die Nachfrage nach Holzprodukten war im In- und Ausland noch nie so groß wie heute. Das hat dazu geführt, dass sich die Preise für Schnittholz binnen Jahresfrist verdoppelt haben. Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig. Gestiegener Holzkonsum: Gerade in Zeiten von Corona stieg der Bedarf in Haus und Garten. Die anhaltende Niedrigzinspolitik verstärkt den Bauboom nicht nur in Baden-Württemberg oder in ganz Deutschland, sondern auch in den USA, in China und in anderen Ländern. Steigende Schadholzanteile infolge von Trockenheit, Schädlingen und Unwettern, wie zuvor beschrieben; hinzu kommen verstärkte Exporte großer Sägewerke in internationale Holzmärkte aufgrund der guten Marktlage bei gleichzeitig sinkenden Importen von Schnitthölzern. eriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 14. Juli 2021 Der Holzpreis ist an den Börsen zwar wieder im Fallen begriffen, und es keimt die Hoffnung, dass sich die Märkte beruhigen, doch nach wie vor ist die Lage ernst. Einige meinen, die Lösung läge in der Lockerung des Hiebsatzes, also in der Ausweitung des Holzeinschlags. Die CDU steht zu dem Grundsatz: Schützen durch Nützen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Genauso gilt für uns aber der Nachhaltigkeitsgrundsatz von Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713: Es darf niemals mehr Holz eingeschlagen werden, als nachwächst. Aufgrund der anderen zuvor beschriebenen Funktionen des Waldes ist dieser Grundsatz strikt einzuhalten. Meine sehr verehrten Damen und Herren, viele Maler, Musiker, Denker und Dichter haben rund um den Wald großartige Werke, Sagen, Geschichten und Erzählungen geschaffen. Alles andere als ein Märchen ist dagegen die Tatsache, dass die Herausforderungen an den Sektor Wald immer größer werden. Deshalb hat die Landesregierung auch eine Waldstrategie als vermittelnden Prozess zwischen den verschiedenen Interessen rund um den Wald ins Leben gerufen. Sie verfolgt mehrere Ziele; Themen wie Klimawandel, „Wald und Mensch“, „Gesellschaftliche Megatrends“, Ressourcen, Waldeigentum, Biodiversität, Digitalisierung werden dabei aufgegriffen und neu geordnet. Viele schauen auf die Vorbildfunktion des Staatswalds. Das sollten wir uns als Parlamentarier immer wieder in Erinnerung rufen. Bitte schauen Sie sich deshalb § 45 des Landeswaldgesetzes einmal näher an. Der Grundsatz, der dort verankert ist, liebe Kolleginnen und Kollegen, bildet aber keinen Widerspruch zu dem im Koalitionsvertrag verankerten Grundsatz und den Zielen einer Vermarktungsoffensive und der Bereitschaft, Windkraftflächen im Staatswald anzubieten. Abschließend folgende Feststellungen: Holz ist zum einfachen Verbrennen viel zu schade. Zumindest eine Kaskadennutzung, also eine Mehrfachnutzung, muss gefördert werden. Oder durch ganz neue Produkte, die aus Holz gewonnen werden, werden neue Produktinnovationen geschaffen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Waldbesitzer können von der Landwirtschaft lernen. Das Erfolgsmodell Direktvermarktung kann sich auch im Forst niederschlagen. Manche Waldbesitzer können durch mobile Säger und eine Kooperation mit der Zimmerei die Wertschöpfung steigern. Ebenso tun wir gut daran, die Nasslager für heimische Holzversorgung auszuweiten. Auch müssen die Trocknungskapazitäten gesteigert werden. Das könnte durch Biogasanlagen, durch vorhandene Abwärme geschehen. Letzte Schlussbemerkung: Gäbe es das Naturtalent Wald noch nicht, ich bin mir sicher: Die CDU würde den Wald noch heute erfinden. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und den Grünen – Heiterkeit der Abg. Manuel Hagel CDU und Andreas Schwarz GRÜNE – Abg. Manuel Hagel CDU: Der Schluss war top!)
