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Petra Häffner

GRÜNE 01.07.2021 Sitzungen 17/8

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Abgeordnete! Eine Pandemie ist eine Pandemie ist eine Pandemie. Ich möchte gleich zu Beginn etwas klarstellen: Noch immer befinden wir uns inmitten der Pandemie. Sie ist nicht vorbei, sosehr wir uns dies auch wünschen. Eineinhalb Jahre Corona haben tiefe Spuren hinterlassen: in Wirtschaft und Gesellschaft, in Familien, Firmen und Vereinen. Baden-Württemberg ist das Land der Vereine. Dazu zwei Zahlen: Allein im Fußball sind bei uns eine Million Mitglieder in 3 000 Vereinen und über 23 000 Mannschaften organisiert. Ähnlich sieht es im Landesmusikverband aus: Ebenfalls ca. eine Million Mitglieder musizieren in 20 000 Ensembles oder Vereinen. Ob Kulturinitiative, Schulförderverein, Liederkranz, Kinderschutzbund: Ein Leben ohne Vereine wäre definitiv ärmer, kälter, eintöniger. (Beifall) So ist es durchaus angemessen, den Vereinen eine Debatte zu widmen. Wenig hilfreich ist es aber, zum jetzigen Zeitpunkt zu fordern, sämtliche Vereinsaktivitäten und Sportarten ohne Maskenpflicht zu ermöglichen. Dies ist populistisch und weckt falsche Erwartungen. (Vereinzelt Beifall – Zuruf) Das wird – so meine Erfahrung – von den Menschen auch gar nicht gewünscht. (Zuruf: Ach! Doch!) Angemessene Lockerungen, ja, pauschaler Verzicht auf die drei G, pauschale Aufhebung der Maskenpflicht, nein. Wenn es eine gesicherte Erkenntnis zu Corona gibt, dann die: Geselligkeit und Nähe sind nachweislich Treiber des Infektionsgeschehens. Leider – oder eigentlich: Gott sei Dank – sind Vereine Orte der Geselligkeit; deshalb brauchen wir immer und überall ein differenziertes Vorgehen. Was wir nicht brauchen, sind selbstherrliche und unverantwortliche Lockerungen, wie die UEFA sie gerade an den Tag legt. (Beifall) So lässt man Zigtausende ohne Abstand und ohne Maske ins Stadion. Bei einem Spiel wird gejubelt, gesungen, geseufzt, man fällt sich in die Arme: Die Luft ist voll mit Emotionen – und Aerosolen, und das bei steigenden Zahlen der Delta-Variante. Für die aktive Vereinswelt ist dieses fahrlässige Vorgehen ein Schlag ins Gesicht. Für das Gemeinwohl nahmen unsere Ver- (Petra Häffner) eine monatelang Einschnitte in Kauf, und jetzt werden ihnen auf dem Bildschirm volle Stadien präsentiert. Liebe UEFA, so viel „Mut“ – in Anführungszeichen –, ein derart forsches Vorgehen hätte ich mir bei der Beleuchtung des Stadions in München auch gewünscht. (Beifall – Zurufe, u. a.: Oje!) Es ist wirklich ganz einfach: Die Maske kann unten bleiben, wenn Inzidenzen niedrig sind, wenn Abstände eingehalten werden, wenn Aktivitäten im Freien stattfinden und wenn möglichst nur Geimpfte, Genesene oder Getestete beieinander sind. In allen anderen Fällen ist noch immer Vorsicht geboten. Vereine sind für unser Land, für unsere Gesellschaft kein „Nice to have“, sie sind unverzichtbar für unser gesellschaftliches Leben. Sie sind Orte, in denen seelische und körperliche Gesundheit, Integration, Inklusion, Toleranz, Fairness, Völkerverständigung, Geselligkeit und Freude gelebt werden. Für mich sind Vereine ein wichtiger Standortfaktor in unserem Land. Darum war und ist es selbstverständlich, dass die Landesregierung die Vereine nicht im Stich lässt. Aufgrund des Ausfallens von Aktivitäten wie Festen oder Wettkämpfen gab es für manche Vereine finanzielle Verluste. Großzügig und unbürokratisch wurden Soforthilfen für Vereine aufgelegt. Dies war und ist für Vereine vor allem in den Bereichen Sport, Kultur und Soziales wichtig. Allein im Sport beliefen sich die Hilfen auf über 25 Millionen €. Im Bereich Breitenkultur waren es in diesem und im letzten Jahr jeweils 10 Millionen €. Besonders aber möchte ich heute noch die Menschen nennen, die dem Verein ihre Treue gehalten haben und die auch in dieser Zeit ihre Mitgliedsbeiträge entrichtet haben. Zum Schluss gilt mein besonderer Dank den Vereinsvorständen und den Aktiven, (Beifall) die sich nicht haben unterkriegen lassen, die viele gute Ideen auf den Tisch gelegt haben, die Solidarität zeigen und diese leben. Vereine haben so viel zu bieten. Vereine sind wandlungs- und anpassungsfähig. Sie sind Spiegel unserer Gesellschaft, Spiegel unseres Landes. Darauf können wir mächtig stolz sein. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall)

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